BMW und DAIMLER machen gemeinsame Sache – kann das klappen?

Wer in unserer globalen Weltwirtschaft nicht in der Lage ist, Synergien zu schaffen, wird untergehen“. Dieser prophetische Satz stammt von Stephen R. Covey im Kapitel „Synergien schaffen“ aus seinem berühmten Buch „Die 7 Wege zur Effektivät“.

Ich teile diesen Satz, weil es so scheint, als würden die großen Innovationen nur noch mit außergewöhnlichem Geld- und Ressourcenaufwand in die Praxis umzuwandeln sein. Rudolf Diesel konnte damals noch mit eigenen Mitteln eine eigene Manufaktur aufbauen. Die Brennstoffzelle zur Marktreife zu entwickeln ist für einen Automobilhersteller alleine praktisch nicht verkraftbar.

Als ich den Artkel über den beabsichtigten Zusammenschluß in wichtigen Fragen von gemeinsam entwickelten Baugruppen zwischen BMW und DAIMLER gelesen habe, war ich zunächst überrascht. Aber gleichzeitig hat es mich auch gefreut, weil ich spontan das Gefühl hatte, hier gibt man die Egomanie zugunsten der Vernunft einmal auf.

Ein paar Tage nach der Nachricht ist meine erste Euphorie wieder etwas gedämpft. Es hat schon viele versuchte Kooperationen zwischen Automobilherstellern gegeben, welche fast alle gescheitert sind, es sei denn, sie sind fusioniert, wie z.B. Peugeot und Citroen oder Renault mit Nissan.

Die Liasion zwischen Mercedes und Mitsubishi war ein Desaster und im Grunde verwundert das nicht.

Schaut man sich das Modell von Covey mal an, so liefert das zum einen den Schlüssel, wie echte Synergien klappen könnnen – zum anderen liefert es aber auch genau die Erklärung, warum es so selten funktioniert.

Synergien schaffen ist der 6. Weg und eben nicht der 1. Weg, mit dem alles anfängt. Stephen Coveys Leistung besteht nicht darin, die 7 Einzelwege erfunden zu haben – die kannte schon Aristoteles. Nein, seine Leistung besteht darin, einen Zusammenhang zwischen genau 6 Prinzipien entdeckt zu haben, der die erfolgreiche dauerhafte Kooperation zwischen Menschen oder Organisationen erst ermöglicht.

Das bedeutet konkret, dass Weg 6 „Synergien schaffen“ niemals alleine stehen kann und alleine funktionieren kann. Ohne den Unterbau der Wege 1-5 sind Synergien nicht möglich.

Direkte Basis von Weg 6 ist Weg 4 „Gewinn-Gewinn-Denken“ – und hier dürfte der Knackpunkt des Vorhabens zwischen den beiden Automobilgiganten liegen.

Das Wort „Partnerschaft“ wird sehr schnell in den Mund genommen und ich kann mich noch gut an meine Zeiten bei EDS erinnern, bei denen wir ständig mit unseren Kunden aufgrund des Geschäftsmodells mehrjährigerer Übernahmen von Rechenzentren über „Partnerschaften“ geredet haben. In Wahrheit hatten wir uns gegenseitig immer etwas vor gemacht: EDS ging es um die Steigerung des Profits und der Kunde wollte die Steigerung der Servicequalität bei gleichzeitiger Reduktion des IT-Budgets um mindestens 20%. Keiner von beiden hat jemals wirklich „WIN-WIN“ – gedacht. Jeder wollte letztlich doch immer nur seinen eigenen Erfolg erzielen – auch wenn auf der offenen Bühne immer anders geredet wurde.

Vielleicht liegt der Fall bei BMW und DAIMLER anders, als bei einem Rechenzentrumsoutsourcer und einem Kunden, aber dennoch bin ich felsenfest davon überzeugt, dass die Kooperation zwischen beiden nur dauerhaft funktioneren kann, wenn sie BEIDE ein „GEWINN-GEWINN“ an den Tag legen – und da verzeihe man mir meine Skepsis.

Die Skepsis wird etwas dadurch relativiert, dass ich Dieter Zetsche und Harald Krüger für vernünftige Typen halte – ganz im Gegensatz zur Führungsriege im VW-Konzern, denen nichts an wirklicher Synergie liegt. Die sind sowas von darauf fixiert, allein aus eigener Kraft der größte Automobilhersteller zu sein – denen ist mit nichts zu helfen. Aber Zetsche und Krüger sind eben anders und letztlich kommt es ganz allein auf die Einstellung der entscheidenden Menschen an.

Weg 4. „Think-win-win“ ist eine Einstellungsfrage. Weg 5: „erst den anderen verstehen, um verstanden zu werden“ eine notwendige Fähigkeit, um denn letztlich die Ernte im Weg 6 „Synergien schaffen“ einfahren zu kölnnen.

Weg 4 ist deshalb für Unternehmen so herausfordernd, weil er voraussetzt, dass man eine „Überflussmentalität“ und keine „Mangelmentalität“ innehat. Wem die Souveränität und die Haltung fehlt daran zu glauben, dass doch genug für alle da ist, der kann einfach schlecht „Gewinn-Gewinn-Denken“. Der wird immer zweifeln, ob der andere nicht letztlich mehr bekommt und man selbst zwangsläufig weniger. Deshalb sind Menschen mit einem großen Neidfaktor niemals zu großen Synergien fähig, weil sie eine Mangelmentalität besitzen.

Man spürt also richtig gut, wie erwachsen und souverän und unabhängig jemand sein muss, um sich auf das Spiel von echten Synergien einlassen zu können.

In jedem Fall wird es interessant sein, diesen Prozess zwischen den beiden Giganten der deutschen Industrie aufmerksam zu verfolgen!

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