CORONA hat die Führung in Unternehmen verändert – stimmt das?

Ich lese viele Artikel die sich damit auseinandersetzen, wie Führung angesichts der raschen Veränderungen auf der Welt sich verändern müsste. Ich beziehe meine nächsten Aussagen aus einem Artikel aus dem CAPITAL August 2020. Ich lese dann folgende Zitate:

„in einer Krise ist man auf dem Schiff zusammen, es ist eine wilde See, da kann man das Schicksal nicht allein dem Steuermann überlassen. Wir müssen gemeinsam das Gefühl haben, wir segeln da durch – allein wäre das nicht durchhaltbar“

„Erst Führung macht die Krise zur Gelegenheit für Veränderungen! Erst Führung schafft in der Ungewissheit Raum für Kreativität. Erst Führung kann Zuversicht herstellen, wo eben nur Katastrophe war.“

„Seit Corona ist Führung nicht mehr, was sie mal war…“

„in stabilen Zeiten genügen Managementtechniken und Fachwissen. Die Kunst von Führung ist demnach, ihnen das zu vermitteln: eine Idee vom Weiterleben.“

„Es geht um politische, geistige, unternehmerische Führung.“

Gestatten Sie mir, wenn ich bei diesen Zitaten etwas schmunzeln muss, denn diese Aussagen sind beileibe nicht neu. Dass Management und Führung zwei unterschiedliche Dinge sind und man den Menschen in seiner Gesamtheit erkennen und würdigen muss, um ihn mit Hochleistungsverhalten für Hochleistungsziele zu gewinnen weiß man, seit man das Phänomen der Wissensgesellschaft erkannt hat.

Interessanter wird es, wenn man sich mit konkreteren Veränderungsvorschlägen des Artikels befasst. Ich möchte hier zwei davon aufgreifen und kommentieren.

These 1: das Ende der Strategie naht! Die Idee geht davon aus, dass der langatmige und langfristige Prozess einer Strategieentwicklung ausgedient hat. Die Gründe hierfür sind offensichtlich. Alles ändert sich viel zu schnell, als dass man den Unternehmenserfolg auf einer klassischen Strategie aufbauen könnte. Agil bleiben! 

Meine Antwort hierauf lautet wie folgt: Die Grundidee stimmt, aber sie muss viel differenzierter betrachtet werden. Wie immer liegt die Wahrheit in der Mitte. Planung hat zunächst einen gewaltigen Vorteil: sie vermittelt Zuversicht und auf der Zuversicht kann man sich agil und schrittweise durch den Nebel tasten. Mir gefällt das Zitat von Ex-US-Präsident Dwight D. Eisenhower „Pläne sind nutzlos, Planung aber unerlässlich“. Dabei geht es weniger darum die Tätigkeiten in zwölf Monaten von heute vorherzusagen, sondern eher überzeugende und plausible Zielvorgaben zu tätigen und sich dann in vielen iterativen Zyklen heranzuarbeiten – gleichwohl auch diese Ziele dabei immer mal wieder auf den Prüfstand zu stellen – aber bitte nicht zu oft – sonst entsteht Frust und definitiv langfristiger Misserfolg.

Der Wechsel der strategischen Ziele ist nur im Ausnahmefall erlaubt – aber der Weg dahin bleibt zwingend flexibel.

Mir gefällt der Leitgedanke, dass man über den Weg zum Ziel wie über eine Wette spricht. „Wir wetten, dass wenn wir uns auf diese 3 Dinge konzentrieren, wir Erfolg haben werden….“ Wie bei jeder Wette wird man den Verlauf sehr genau im Auge behalten und schnell eine Kursänderung vornehmen, wenn man merkt, dass man auf die Verliererstraße gerät. 

Aus dem Blickwinkel heraus, haben langfristige strategische Pläne tatsächlich ausgedient.

These 2: Starke Fassaden haben ausgedient. Hier lautet die Grundidee gemäß eines Zitats von Dov Seidman, einem amerikanischen Autor und Unternehmer über heutige Führungskräfte „Sie wissen, dass sie nicht alles richten können“. Gemeint ist, dass die Sichtbarkeit von Verletzlichkeit und Schwächen von Führungsleuten die Menschen gerade in unsicheren Zeiten zusammenrücken lässt. Man sieht in Videokonferenzen plötzlich das Zuhause der Chefs und man spürt, wie sie plötzlich auch nicht auf alles eine Antwort haben. Viele werten das als eine nachhaltige Veränderung im Führungsverhalten.

Auch wenn ich mir persönlich dieses Aufbrechen der starken Fassaden der Supermänner und Superfrauen wünsche, so bin ich nicht so optimistisch, dass das alte Führungsparadigma „man darf auf der Brücke keine Schwächen zeigen“ so schnell über Bord geht.

Meinen Vorschlag zur Brücke zwischen beiden Polen würde ich folgendermaßen formulieren: Eine Führungskraft kann und sollte auch ehrlich mit seinen Gefühlen der Unsicherheit und vielleicht auch der Besorgnis umgehen und diese auch ruhig transparent machen. Gleichzeitig sollte sie oder er auch hinzufügen, wie sie/er gedenkt, damit umzugehen. Sie oder er kann und muss erläutern, wie sie/er konstruktiv im Rahmen des eigenen Einflusskreises damit umgeht und die Erwartung ausdrückt, dass man als Mitarbeiter ähnlich verfährt. Das erhält die Vertrauenswürdigkeit der Führungskraft. Hierzu ein Beispiel eines (leider fiktiven) CEOs, der die Entlassung einer hohen Führungskraft an seine Führungsriege schriftlich kommuniziert.

Dabei kommen wir zurück zum Kernprinzip guter Führung „Vertrauen schaffen“. Dieses Prinzip ist und bleibt zeitlos und funktioniert nur, indem man die übersichtliche Zahl von Verhaltensweisen die zum Vertrauen führen geschickt und situativ zu einem überzeugenden Ganzen zusammenfügt (siehe Begriffe im Klammern) Einfach nur ehrlich sein und sagen „Leute, ich bin ganz schön verunsichert und ich weiß auch nicht wie es weitergeht“ reicht natürlich nicht.

„Liebe Kolleginnen und Kollegen. Der Weggang von Herrn XY hat mich persönlich sehr betroffen gemacht (ehrlich sein). Sein Einfluss in den letzten Jahren war außerordentlich positiv (Respekt zeigen). Ich habe mindestens zwei Nächte nicht geschlafen und erst einmal nicht gewusst, wie es mit seinem Bereich weitergeht (ehrlich sein) – zumal ich an seinem Schritt sicher nicht ganz schuldlos bin (Verantwortung übernehmen). Meine Gespräche mit seinem Führungsteam und einigen anderen Kollegen haben aber sehr schnell zur Klarheit geführt, wie wir diese Lücke schließen werden (Transparenz erzeugen / sich verbessern). Ich erhoffe mir von allen, dass sie die kommenden Veränderungen konstruktiv mittragen werden…(Erwartungen klären) etc.“

Abschließend bin ich überzeugt, dass auch Corona an den erfolgreichen Prinzipien guter Führung nicht gerüttelt hat.

Warum ich die ZEIT so schätze!

Ich stelle zunehmend fest, dass mich immer seltener etwas positiv überrascht. Ob das an meinem Alter liegt? Aber letzte Woche gab es wieder einen solchen Moment der positiven Überraschung! Und die Woche davor auch…. und beide Male hat es mit dem gleichen Medium zu tun… Was ist passiert?

Seit länger als einem Jahr lese und höre ich praktisch keine tagesaktuellen Nachrichten mehr. Es ist eine Art Selbstversuch um herauszufinden, ob die Abstinenz des unsäglichen Geprassels an überwiegend negativen Meldungen meinem allgemeinen Gemütszustand spürbar gut tut oder nicht.

Es dürfte niemanden überraschen, wenn ich Stand heute konstatiere, dass dies tatsächlich der Fall ist.

Diesem Selbstversuch fiel allerdings auch die regelmäßige Nutzung von ZEIT-online zum Opfer, gleichwohl es die mit Abstand beste online-Informationsplattform im deutschsprachigen Raum aus meiner Sicht ist.

Sie ist im Bereich der Top-News weniger aufdringlich und sensationsheischend und die weiteren Rubriken sind informativ und spürbar lebensunterstützend.

Nach Monaten der Abstinenz öffnete ich im Warteraum meines Friseurs die App, übersprang zügig die unvermeidlichen tagesaktuellen Meldungen über Trump, Gaza und die Ukraine und stieß auf ein Thema, welches ich von früher nicht kannte. Es beginnt mit einer interaktiven Grafik und der Überschrift „Ihr Problem hätten wir gerne….“

Dahinter verbirgt sich die einfache, aber für mich geniale Idee, Alltagsprobleme über verschiedene Rubriken wie z.B. Mobilität, Klimaschutz, Bildung, Gesundheit etc. online über die Besucher einzusammeln und gleichzeitig für diese Probleme ein interaktives Forum für konstruktive Lösungsvorschläge zur Verfügung zu stellen. Daraus entsteht ein einmaliges Kompendium an Ansätzen, unser Leben pragmatisch im Griff zu halten.

Das sind journalistische Ansätze, die mir einfach das Herz höher schlagen lassen. Nicht immer nach Sensationen heischen und Konflikte aufheizen, um höhere Zugriffsquoten zu generieren – nein – konstruktive Beiträge zur Lebensbewältigung liefern und damit versuchen, die Welt immer ein wenig besser zu machen, als sie gegenwärtig ist.

Das ist sooo wohltuend und dafür bin ich einfach dankbar.

Wem ist man für so etwas eigentlich dankbar? Dem Chefredakteur oder seiner Redaktion oder einfach beiden?

Ich danke beiden! Dem Chefredakteur Jochen Wegner habe ich früher schon einen eigenen Artikel gewidmet (siehe hier..) und ich neige mittlerweile dazu, meinen Hut vor seiner Leistung auch als Führungskraft zu ziehen. Der Mann ist von Haus aus Physiker und ein Technik-Nerd, aber was er mit seiner Redaktion seit Jahren aufzieht, ist außergewöhnlich.

Genauso außergewöhnlich wie sein Podcast „Alles gesagt“, dem ich nunmehr seit der ersten Folge vor sechs Jahren regelmäßig folge und der nun auch der zweite aktuelle Anlass dieses kurzen Artikels ist.

Man möge sich die Folge „Liebes Stuttgart, was denkst Du über Demokratie, Boris Palmer und die perfekte Brezel?“ anhören. Es würde mich nicht wundern, wenn diese Folge einen Grimme-Preis erhält, denn sie ist vergleichbar mit der legendären Fußball-Reportage von Günter Jauch und Marcel Reif, die die unfreiwillige (lange) Pause während eines Real Madrid Spiels zwischen Spielabbruch wegen eines zusammengebrochenen Tores und dessen Wiederauferstehung meisterhaft unterhaltsam füllten.

So ging es nun auch den beiden „Alles gesagt“ -Moderatoren Jochen Wegner und Christoph Amend, denen der geplante Interviewgast, der Ministerpräsident Winfried Kretschmann, kurzerhand wenige Stunden vor dem Live-Auftritt (!) wegen Krankheit abhanden kam. Tausend Karten waren für die Veranstaltung verkauft. Was tun – absagen oder eine kreative Lösung finden?

Gute Menschen sagen aber nicht einfach ab! Gute Menschen und gute Führungskräfte suchen nach konstruktiven Lösungen und die sah dann folgendermaßen aus:

Man informierte alle Kartenbesitzer via E-Mail über den Umstand der Unpässlichkeit des Ministerpräsidenten. Die Karten behalten selbstredend die Gültigkeit für einen neuen noch zu benennenden Ausweichtermin. Um aber die Enttäuschung nicht zu groß werden zu lassen, bot man den Kartenbesitzern trotzdem an zur geplanten Veranstaltung zu kommen – man würde sich schon etwas einfallen lassen, um den Schmerz etwas zu mildern. Diesem Angebot folgten dann immerhin noch 500 Menschen.

Das Veranstalterteam hatte knapp drei Stunden Zeit um sich ein Konzept für dieses Event auszudenken und das Endergebnis rührte mich nach dreieinhalbstündigem gebannten Lauschen wirklich zu Tränen. Man ersetzte den unpässlichen Gast einfach durch das Publikum selbst. Mehr will ich gar nicht verraten. Ich fand das großartig! Nicht nur ob der Kreativität und Lösungsorientiertheit der ZEIT-Leute, sondern auch ob der Reife und Intelligenz des Publikums. Das gibt mir mal wieder die Hoffnung zurück, dass wir als Gesellschaft noch lange nicht am Ende sind.

Und so bleibe ich den ZEIT-Leuten weiter treu. Nicht nur der gedruckten Ausgabe, sondern weiterhin…

  • dem Podcast „Alles gesagt“
  • dem Podcast „Servus, Gruezi, Hallo“
  • dem Podcast „Kicken kann er“

Die sind einfach gut…..

Die 3. Alternative

Fragen Sie sich auch manchmal, warum wir uns bei Konfliktlösungen immer so sohwer tun? Wie immer steckt die Lösung in unserem Kopf. Aber der Reihe nach…

Endlich, nach einigen Jahren, hatte ich wieder die Gelegenheit, einen Workshop zu den „7 Wegen zur Effektivität“ durchzuführen. Ich halte diesen Workshop nunmehr seit bald 25 Jahren und ich bin immer wieder darüber erstaunt, wie relevant und aktuell die Inhalte immer noch sind.

Angesichts der politischen Lage – insbesondere in der Ukraine und im Nahen Osten – hat mich im Nachgang zum Workshop der 6. Weg – „Synergien erzeugen“ besonders beschäftigt. Das ging dann soweit, dass ich zu Hause nach dem Buch „die 3. Alternative“ von Stephen R. Covey griff, um das Thema zum wiederholten mal zu vertiefen.

Unser Hauptproblem in der Praxis liegt im sogenannten „2-Alternativen“-Denken, denn jedes Problem hat in der Regel zwei Seiten: Treffen sich Israelis mit Palästinänser, oder Putin mit dem aktuellen amerikanischen Präsidenten, ein Naturschützer und ein Bauunternehmer, ein Vertreter der Grünen mit einem konservativen Politiker, eine Ehefrau mit ihrem Ehemann, Beschäftigte mit ihrem Arbeitgeber, Gewerkschaften mit Arbeitgeber, Anwälte mit Gegenanwälten, Kinder mit ihren Eltern, Lehrer mit der Schulverwaltung, Sozialisten mit Kapitalisten, stets stehen sich zwei völlig unterschiedliche Denksysteme gegenüber. Keines der beiden Denksysteme ist falsch, aber keines der beiden Denksysteme – oder mentale Landkarten – sind vollständig. Im 2-Alternativen-Denken gibt es dann nur folgende Optionen bei den Ergebnissen:

  1. Streit oder Krieg
  2. Die eine Alternative gewinnt
  3. Die andere Alternative gewinnt
  4. Man einigt sich auf einen Kompromiss

In allen vier Optionen gibt es mindestens einen Verlierer, selbst in den von uns so geschätzten Kompromissen. Henry Kissinger hatte eine vortreffliche Definition für den optimalen Kompromiss: „wenn beide Parteien gleich unglücklich sind…“. Selbst das Ergebnis eines Kompromisses ist nicht mehr als 1 + 1 = 1,5 – denn jeder will mehr und man einigt sich irgendwo um Etagen darunter..

Wenn wir die Spirale der Konflikte und Kompromisse verlassen wollen, hilft wohl nur das 3.Alternative-Denken – also die Suche nach einer echten Synergie – die Suche nach einer kreativen Lösung.

Das Prinzip ist einfach. Man muss die Unterschiedlichkeit des Gegenüber wertschätzen und verstehen – ohne natürlich vollständig einverstanden sein zu müssen. Beide Parteien müssen ihre mentalen Landkarten quasi offen nebeneinander legen, wodurch völlig automatisch das Feld für eine dritte Alternative entsteht, deren positive Wirkung auf das Ergebnis und die Qualität der Beziehung durch nichts zu ersetzen ist.

Früher standen z.B. die Begriffe „Qualität“ und „Kosten“ praktisch unversöhnlich gegenüber. Die Manager im Industriezeitalter agierten mit den Glaubenssätzen „Qualität kostet viel Geld“, „Sparsamkeit geht zwangsläufig zu Lasten der Qualität“. Also das bekannte Prinzip „entweder/oder“ bzw. in der Praxis „Was können wir uns an Abstrichen an der Qualität leisten, ohne dass unsere Kunden auf die Barrikaden gehen?“

Dann trafen sich in den 1940er Jahren die Denke von W. Edwards Deming, ein amerikanischer Managementprofessor und die KANBAN-Philosophie aus Japan und es entstand das Total Quality Management, in dem die Qualitätskontrolle bei den Arbeitern am Band landete. Plötzlich waren Qualität und Kosten kein Widerspruch mehr und die japanische Industrie hängte die amerikanische Konsum- und Schwerindustrie danach bis heute um Längen ab. Das nennt man Synergie.

Ich werde das Buch „Die 3. Alternative“ nun zu Ende lesen und eventuell werde ich weitere schöne Synergie-Beispiele im Rahmen meiner Beiträge hier veröffentlichen.

Trauen Sie sich also in den nächsten Tagen – sei es beruflich oder privat – bei einem sich anbahnenden und existierenden Streit einmal nach einer 3. Alternative Ausschau zu halten. Hierfür brauchen Sie dem Gegenüber nur eine Frage zu stellen: „Bist Du bereit über eine Lösung nachzudenken, die größer ist, als das was wir beide im Moment jeweils im Kopf haben?

Wenn Ihr Gegenüber mit „ja“ antwortet, öffnet sich die Tür für eine neue Qualität von Lösungen.

Darüber wird noch zu berichten sein!

Führungsgewohnheit #2 – oder wie man es genau nicht macht

Gerade habe ich wieder einmal die Herausforderung, meine Emotionen in Schach zu halten und die gute alte Pausentaste zu drücken, bevor ich meinem Ärger womöglich noch in Richtung meines Umfelds lautstark und destruktiv Luft verschaffe.

Wo kommt der Reiz her?

Der Reiz liegt in der Verfolgung der Politiker-Aussagen hinsichtlich der aktuellen Impfsituation.

Um es kurz vorweg zu schicken. Mir sind unsere Politiker allesamt lieber, als die meisten Länderfürsten, denen Vertrauenswürdigkeit ein Fremdwort ist.

Wir wissen ja, dass Vertrauenswürdigkeit die Kombination aus Charakter und Kompetenz ist. Am Charakter habe ich bei uns wenig auszusetzen. Da sind ganz wenig dabei, deren Absichten korrupt und egoistisch sind. Die meisten stellen sich wirklich in den Dienst des Landes und versuchen was sie können.

Leider hapert es hierzulande schlicht an der Kompetenz. Und was mich besonders bewegt, ist die Tatsache, dass die aus meiner Sicht fehlenden Hauptkompetenzen gar nicht so schwierig zu erlernen wären.

Ich bin selbst von Haus aus Maschinenbauer und Produktionstechniker und um eine vollständig funktionierende Logistikkette für ein neues Produkt in riesigen Mengen zu gewährleisten, kann es u.U. sogar länger dauern, als einen Impfstoff selbst zu entwickeln (die Testphasen einmal nicht mitgerechnet).

Die zwei fehlenden Kompetenzen unserer großen Bundes- und Landes-Führungskräfte liegen aus meiner Sicht in den Themen „vorbereitet sein“ und – wie auch anders mal wieder – „Kommunikation„.

Jeder der die Pflichtlektüre für gute Führungskräfte kennt („The 7 Habits of Highly Effective People“), kennt auch die zweite Gewohnheit: „Am Anfang das Ende im Sinn haben“.

Effektive Menschen denken Dinge bestmöglich zu Ende, bevor sie mit einem Projekt beginnen und das hat eben etwas mit Vorbereitung und Planung zu tun.

Es tun alle mal wieder so, als wäre die schnelle und breite Versorgung der Bevölkerung mit Impfstoff wie ein Blitz auf uns herabgefahren. Klar – in Hektik läuft nichts rund – und gerade läuft nichts rund.

Aber wir sind jetzt im 13. Monat der Pandemie und dass Impfstoffe entwickelt werden, wussten wir auch schon seit über 11 Monaten und dass sie kommen auch und dass sie gekauft, transportiert, verteilt und verimpft gehören auch.

Und warum war es nicht möglich, in Ruhe im Sommer einen Masterplan zu entwickeln? Unsere Führungskräfte im Bund und Land stehen alle da wie die Deppen und das zu Recht.

Wenn das die erste Krise wäre, dann könnte man noch darüber hinweg sehen. Aber 2015 hatten wir das gleiche Spiel!

Seit Jahren ist klar, dass es einen Run von Afrika und allen weiteren Kriegsgebieten auf Europa geben wird. Ob in Studien oder Büchern – gleichgültig. Wir wussten, die Welle kommt. Und dann war sie da und keiner hatte einen Plan.

Eine Führungskraft, die den zweiten Weg beherrscht (Am Anfang das Ende im Sinn haben), wird in den seltensten Fällen auf dem falschen Fuß erwischt. Dinge eskalieren weniger und das hat wieder Auswirkungen auf die Qualität der Kommunikation.

Schon in meinen frühen Jahren als Rechenzentrumsleiter hatte ich stets einen sogenannten „Contingency-Plan“ in der Schublade für die Fälle, dass irgendein außergewöhnliches Ereignis eintritt, welches den regulären Betrieb einer Firma (oder eines Staates) gefährden könnte.

Wir verfügen über die Gabe der Vorstellungskraft und wir nutzen sie zu wenig. Man nimmt sich nicht die Zeit und hat wohl auch nicht den Mut, die richtigen Menschen zusammen zu schließen, um gute Masterpläne zu entwickeln.

Anmerkung: für all diejenigen, die glauben, Masterpläne wäre old-fashioned und von agilen Methoden vollständig abgeschafft, der sollte einmal probieren, das Logistikproblem der Verimpfung agil zu lösen.

Das zweite Grundproblem ist mal wieder die Kommunikation. Es ist bitter zu sehen, wie die Angst der Führungskräfte, die Motivation der Bevölkerung zu verlieren, sie dazu treibt nebulöse und unhaltbare Äußerungen zu treffen.

Menschen erwarten keine Wunder, sie wollen Verlässlichkeit.

Und wieder lese ich heute eine Aussage der Kanzlerin: „bis zum Sommer kann jedem Bürger ein Impfangebot gemacht werden“.

Ein Beruhigungspille mit einer Wirkung von maximal zwei Tagen würde ich schätzen.

„Bis zum Sommer“ ist ein sehr dehnbarer Begriff. „Jedem Bürger“ – sind Kinder jetzt inkludiert oder gilt das nur für Erwachsene?. „ein Impfangebot machen“ – das könnte auch bedeuten, ich bekomme am 30. September 2021 einen Impftermin für März 2022 zugewiesen – damit hätte die Kanzlerin noch nicht einmal gelogen.

„Unklarheit erzeugt Stress“ – eine alte Weisheit und selten war sie so treffend wie in den jetzigen Tagen.

Ich weiß, ich weiß. Keiner von uns wollte wirklich in der Haut der Politiker stecken. Selbst inhaltlich völlig inkompetent. Auf Berater angewiesen, die sich auch nicht einig sind. Kein Fehler beim Wahlvolk machen zu wollen. etc etc.

Aber sie fühlen sich kompetent genug, ein Land führen zu können und das war auch ihre eigene Entscheidung.

Warum kennen nur so wenige Führungskräfte die „7 Wege zur Effektivität“ und können sie auch wenigstens in Ansätzen zumindest in kritischen Situation auch anwenden?

Für alle Leser, die jetzt natürlich keine Politiker sind, sondern Führungsaufgaben in der Wirtschaft haben: kann man sich genüsslich über die Politiker aufregen oder amüsieren oder wie fit sind Sie selbst darin, ….

  • Habitus 2: „Am Anfang das Ende im Sinn haben“ oder
  • Habitus 5: „Erst verstehen, um verstanden zu werden…“

Selten waren die „7 Habits“ wichtiger als heute…

Schlagwort – ein Schritt zu mehr Ordnung

Aufgrund der Pandemie habe ich relativ viel Zeit. Also nutze ich sie, um einmal mehr Ordnung in meinen Systemen zu schaffen.

Ein Zauberwort dabei lautet: Schlagworte!

Vor zwei Jahren bin ich bereits dazu übergegangen, auf meinem PC sämtliche Ordner und Unterordner über Bord zu werfen und nur noch in einem allgemeinen Ordner zu arbeiten. Ein Dateiordner, auf der Cloud gespeichert und derzeit mit über 15.000 Dateien belegt.

Das funktioniert natürlich nur deshalb, weil ich jede Datei mit einem oder mehreren Schlagworten versehen habe. Habe ich also eine Powerpoint-Datei, die ich für meinen Geschäftspartner FranklinCovey einsetze und bei der es sich um die „4 Disziplinen der Umsetzung“ handelt, so bekommt die Datei beim Abspeichern die Schlagworte „FC“ und „4DX“ verspasst. Das Schlagwort „ppt“ habe ich mittlerweile gespart, weil man auch gut über „*.ppt“ selbst im Explorer suchen kann.

Man muss zugeben, dass auf dem MAC die Sache einfacher ist. Aber selbst unter Office und Explorer funktioniert es einigermaßen gut, man muss nur einen Extra-Klick anwenden beim Abspeichern und „Optionen“ verwenden, bevor man den Begriff „Markierung“ für seine Schlagworte verwenden kann. Im Explorer unter der Suchfunktion trägt man dann z.B. ein: „markierung: 4dx fc ppt“ und würde genau die Datei finden, die ich eben erwähnt habe.

Seit ich das so anwende, haben sich meine Suchzeiten und die Zeiten für die Erstellung von Doppelinhalten (weil ich die Vorlage natürlich nicht gefunden hatte) drastisch reduziert.

Gleiches habe ich vor ein paar Wochen bei meinen FOTOS auf dem iPhone (iPAD) angewendet. Die angelegten Fotoalben haben mich immer genervt und ich habe sie so gut wie nie verwendet. Auf der anderen Seite sitzt man mit Freunden zusammen und will spontan ein Foto zeigen und kramt dann in über 12000 Fotos herum und findet nichts.

Auch das hat jetzt mit Schlagworten ein Ende. Zugegeben, es ist jetzt erst einmal ein Aufwand, jedes der 12500 Fotos diesen „Tags“ zuzuordnen – aber es wird sich lohnen. Mein bisheriger Frust und meine Suchstunden der Vergangenheit stehen hier in keinem Zusammenhang.

Die dritte Anwendung liegt in meinem Evernote.

Für alle die es nicht kennen. Evernote ist/war eine gute unabhängige Cloud-Plattform, um Dokumente, Notizen etc. abzuspeichern und zu organisieren. OneNOTE von Microsoft wird ihnen wohl auf Dauer den Rang ablaufen, aber ich benutze es vorwiegend für meine eingescannte Post.

Mein Scanner am Schreibtisch oder die Scan-App auf meinem iPhone sind direkt mit Evernote in Verbindung und jeder Postverkehr wird gescannte und neuerdings mit Schlagworten versehen.

Auch hier wirken die Schlagwörter wahre Wunder.

Jetzt würden mir als Anwendung hierfür nur noch E-Mails fehlen und ich wäre wirklich happy. Derzeit liegt fast alles nur noch in der Inbox, nachdem mich auch das Verwalten von Unterordnern und das Managen von Regeln völlig an den Rande des Wahnsinns getrieben haben.

Wer es sich leisten kann, sollte das Prinzip „Schlagwörter“ ruhig einmal ausprobieren.

Viel Vergnügen und eine glückliche Hand bei der Art und Weise, wie Sie die wertvoll gewonnene Zeit durch die Schlagwortsuche nutzen!

„Europe talks“ – Jochen Wegner und die Wirkung offener Menschen

Beeindruckende Momente sind meist Glücksmomente.

Sie werden bei mir häufig durch die Natur verursacht – aber es gibt auch Menschen, die dies auszuüben vermögen.

Gestern ist mir einer dieser Momente widerfahren und heute früh kurz vor dem Aufstehen wieder – und interessanterweise sind beide Momente mit ein und der selben Person verknüpft. Es geht um Jochen Wegner.

Jochen Wegner ist Chefredakteur von ZEIT online und bis vor ca. drei Monaten war mir dieser Mann völlig unbekannt.

Das änderte sich auf dem Weg in unseren diesjährigen Corona-Sommerurlaub, der uns nicht wie geplant in die Toskana, sondern nach Thüringen verschlagen hat.

Auf der Fahrt hörten wir die Podcast-Aufzeichnung des Bayern2 Mittagsgesprächs an und es ging um die Frage nach den beliebstesten Podcasts im Lande.

Eigentlich dachte ich seit Längerem, dass Podcasts etwas Antiquiertes anhaftet. Es gibt sie schon gefühlt ewig, der Name PODCAST selbst ist furchtbar und wer hört sich denn wirklich Audiokonserven noch an.

Aber ich wurde mal wieder eines Besseren belehrt!

Natürlich ist jeder Anrufer bei einem solchen Thema überzeugt von dem, was sie oder er vorschlägt, aber man kann ja mal offen sein und einige der Vorschläge ausprobieren.

Besonders interessant fand ich das Format „Alles gesagt“ von den beiden ZEIT Leuten Jochen Wegner und Christoph Amend, der das ZEIT Magazin verantwortet.

Deren Idee ist simpel aber bestechend: sie laden einen interessanten Gast zum Interview ein und nur der Gast hat das Recht, das Gespräch durch Nennung eines am Anfang vereinbarten Codewortes zu beenden. Fällt das Codewort, ist das Gespräch schlagartig beendet. (Ulrich Wickert passierte das in seiner herrlich trampeligen Art aus Versehen und nach ca. 13 Minuten war Ende)

So fuhren wir Richtung Thüringen und lauschten gemeinsam dem 3-er Gespräch mit Dunja Hayali, der bekannten ZDF-Moderatorin. Dieses Gespräch begleitete uns auf jeder Autofahrt bin fast wieder zur Heimkehr, denn es dauerte sage und schreibe über 8 Stunden!

Wer jetzt stöhnt und denkt „Meine Güte, 8 Stunden reden und zuhören… völlig ausgeschlossen in unserer schnellen Info-Häppchen-Welt“, der irrt. Es war pures Vergnügen über eine solche lange Strecke Menschen zuzuhören, die etwas zu sagen haben und gesittet und klug miteinander umgehen können.

Jochen Wegner und sein Kollege machen das großartig und ich habe in den letzten Monaten zusammengezählt nun bereits Tage mit den Gesprächen von „Alles gesagt“ verbracht – und – und das halte ich für wesentlich – nicht nur viel gelernt, sondern auch meine Meinung über Menschen geändert.

So ist Alice Schwarzer für mich nicht mehr die Unerträglichkeit in Person, Thomas de Maizère hat sich innerhalb von vier Stunden von einem spröden Politiker zu einem überaus witzigen und klugen Menschen entwickelt und man erkennt , dass hinter der It-Girl-Fassade von Lena Meyer-Landruth ein reifer Charakter steckt.

Nun zurück zu meinen jüngsten Momenten des Beindrucktseins.

Für die Autofahrt zu einem der aktuell dünn gesäten Live-Gespräche mit Kunden schaute ich auf der Gesprächsliste von „Alles gesagt“ nach und stieß einen kleinen inneren Jubelschrei aus, als ich den Namen der jüngsten Episode las: „Yuval Harari“.

Ich habe über ihn schon einmal in einem meiner Texte hier berichtet und die anderthalb Stunden Autofahrt für die Strecke Harmating – Landsberger Straße und retour verflogen wie nichts.

Ich halte diesen Menschen im Moment für den klügsten Geist den ich kenne, weil er es versteht, die Grundprinzipien des Lebens auf sehr einfache Formeln zu bringen, er einen sehr unverstellten Blick auf die Realität hat und/aber dabei den Glauben an die Menschheit dabei nicht verliert.

Auch wenn Christoph Wegner und sein Kollege im Englischen etwas radebrechen, so bin ich ihnen allein für diese dreieinhalbstündige Erfahrung und gut verbrachte Lebenszeit einfach nur dankbar.

Wie mein YouTube-Algorithmus nun so drauf ist, bietet er mir heute Früh einen Mitschnitt eines TED-Vortrages von Jochen Wegner wohl aus dem Jahr 2019 an und dieser Vortrag hat mich so berührt, dass ich es wert halte, darüber zu schreiben und festzuhalten.

Ich will nicht viel verraten – aber es beeindruckt mich zutiefst aus folgenden Gründen:

  1. simple Ideen haben mal wieder große Wirkung
  2. Veränderung entsteht selten allein sondern immer in einem Team (in diesem Fall der Redaktion von ZEIT-online)
  3. Gute Führung bedeutet, kleinen Ideen Raum zur Entfaltung zu geben, auch wenn kein Budget vorhanden ist
  4. Menschliches friedliches Zusammensein ist doch gar nicht so schwer…

Viel Vergnügen beim TED-Talk von Jochen Wegner

Jesus und Dwayne – starke Männer haben immer Konjunktur

Viele Leser wissen mittlerweile, dass ich manchmal sehr irrationale Dinge tue. So auch zuletzt, in dem ich zwei Stunden meiner wertvollen Restlebenszeit mit einem ärgerlichen Film verbracht habe.

Der Film heißt „Skyscraper“ und ist eine Art Remake des von mir heiß geliebten Filmklassikers „Flammendes Inferno“ aus dem Jahr 1974.
Im Flammenden Inferno traten u.a. auf: Steve McQueen, Paul Newman, Faye Dunaway, Fred Astaire und andere echte Kaliber.
In Skyscraper tritt auf: Dwayne Johnson – auch genannt „The Rock“ —— und eigentlich ist damit fast schon alles erzählt.

Ich möchte meine heutigen Gedanken nicht ausschließlich mit einer Filmkritik zubringen, sondern sie drehen sich mehr um den Umstand, wie wir männliche Helden weiterhin glorifizieren und was das mit unserer Gesellschaft eigentlich tut.

Nur soviel zum Verständnis des Films:
Dwayne Johnson spielt einen Sicherheitsingenieur, der im Auftrag eines Hong-Kong-Milliardärs die Einweihung des höchsten Gebäudes der Welt sicherstellen soll. Während dieses Auftrags wohnt die – natürlich – zuckersüße Familie von Dwayne im 90. Stock des über 280 Stockwerke zählenden Hauses, das kurz vor Eröffnung zur bis zum 88. Stock bewohnt wird.
Ein Team von Terroristen legt im 89. Stock Feuer, um den Milliardär in seinem Penthouse oben quasi „auszuräuchern“ und ihn zu zwingen, eine wichtige Datei herauszurücken.
Also, der Wokenkratzer brennt, Dwayne ist nicht zu Hause und seine Familie – zuckersüße Frau mit zuckersüsser Tochter und zuckersüssem Sohn (natürlich mit Asthma) – kommt nicht mehr nach unten.

Der vorhersehbare Plot nimmt seinen Lauf und wer bis zum Ende durchhält, kommt aus dem Lachen kaum noch heraus.

Dwayne schafft es – trotz Beinprothese – einen Auslegerkran hochzuklettern (der natürlich noch zufällig dastand, wie hätte er sonst nach oben kommen können – ist doch klar…), über eine Distanz von ca. 7 Metern mit Anlauf in ein offenes Fenster im 90. Stock zu springen, sich mit seinen 150 kg wie Tom Cruise an glatten Glasfassaden entlang zu hangeln und weitere völlig absurde Manöver zu erbringen, um am Ende in einer Abklatschszene von Rocky I seine Frau und Kinder wieder in die Arme zu schließen.
Einfach schauderhaft und lächerlich.

Ach ja – ich vergaß zu erwähnen. Der Film hat über 150 Millionen Dollar gekostet und weltweit – v.a. in Asien – über 300 Millionen Dollar eingespielt.

Eigentlich könnte man hier die Diskussion über das WARUM einer solchen Produktion sofort beenden.

Dennoch beschäftigt mich vielmehr der Gedanke, warum die Gesellschaft Geschichten über solche überirdischen Figuren wie in Skyscraper produziert – oder ist das gar kein Phänomen der heutigen Zeit?

Ich lese gerade mal wieder ein wenig in dem Buch „Alles was man wissen muss“ von Dietrich Schwanitz und als ich über die Entstehungsgeschichte der Kultur Europas lese, musste ich bei der Geschichte über Jesus genauso schmunzeln wie über Dwayne Johnson.

Jesus war schon ein echter Kerl! Der konnte über Wasser laufen, hat Blinde wieder sehend gemacht und konnte sogar von den Toten auferstehen.

Ich muss also feststellen, hier hat sich wohl in den letzten über 2000 Jahren nicht viel verändert.

Lieben wir diese starken Männer? Brauchen wir sie wirklich als Leitfiguren? Was haben sie was andere nicht haben?
Warum wählen die Menschen Putin? Warum wählen Sie eine Viktor Orban? Warum wählen Sie einen Erdogan? Warum wählen die Brasilianer einen hirnrissigen Menschen wie Herrn Bolsonaro? Und wie konnte es (ich wage ja seinen Namen kaum noch in den Mund zu nehmen) an die Spitze der USA schaffen?

Dieser Glaube „ER wird es schon richten“ ist immer noch ungebrochen! Trotz aller sporadischen Beispiele von Frauen in hohen polititschen Ämtern, ich werde den Eindruck nicht los, dass die starken Männer die über Wasser gehen können und mit Prothesen Auslegerkräne hochkraxeln in unserer Gesellschaft nicht so schnell aussterben.

Schauen Sie sich das Cover vom Manager Magazin aus dem Monat Dezember 2019 – Stichwort: Manager des Jahres 2019 an.

Hier steht er – Jesus – nein – Dwayne – nein – Kaspar Rorsted – ein dänischer Superman, dem die Aufsichtsräte und Shareholder aufgrund seiner vergangenen Wunderleistungen bei Henkel schier die Füße küssen.
Dass dieser Mann die Erfolge bei Henkel auch nicht alleine fabriziert hat, scheint uns nicht zu beschäftigen. Wir lieben diese Heldentypen, die scheinbar zu allem fähig sind und vertrauen uns ihnen fast blind an.

(Anmerkung: er wurde vom Manager Magazin zum Manager des Jahres 2019 gewählt, weil er den Börsenwert von Adidas um 24 Milliarden steigern konnte (+73 Prozent) – das ist übrigens der gleiche Konzern, der als erster für seine Filialen in der Corona-Krise die Mietzahlungen eingestellt hat und nun als eines der ersten Unternehmen den Schutzschild der Bundesregierung in Anspruch nehmen möchte…. — aber das nur nebenbei..)

Aber es werden wohl weiter in der Zukunft Filme mit „echten Männern“ gedreht werden, in denen die Daniel Craigs, Keanu Reeves, Tom Cruises, Dwayne Johnsons, Denzel Washingtons, Bruce Willis‘ etc etc. uns eine Welt vorgaukeln, es gäbe sie wirklich, die „Guten“ starken Männer, die die Welt gut machen wenn man ihnen folgt.

Wann hat das nur ein Ende?

Aus der Reihe „wirklich gute Menschen“ – Theo Schoenaker

Wenn ich jetzt auf die Straße ginge oder gar meine Freunde fragen würde: Kennen Sie Theo Schoenaker, dann wäre die Antwort einhellig: NEIN – wer ist das?

Immerhin bin ich froh, dass er es zu einem Wikipedia-Eintrag geschafft hat.

(Anmerkung: ich kenne übrigens Menschen, die ihren eigenen Wikipedia-Eintrag für Marketing-Zwecke selbst erstellt haben oder erstellen ließen…. einfach widerlich!)

Ich hatte die wirkliche Ehre ihn und sein Frau im Rahmen einer seiner Seminare zum Thema „Individualpsychologie“ kennen zu lernen. Das muss wohl so in den 90ern gewesen sein.

Er ist Holländer, Jahrgang 1932 und hier seine Kurzvita aus Wikipedia:

Theo Schoenaker studierte zunächst Klavier und Oboe. Anschließend absolvierte er kaufmännische Ausbildungen und arbeitete einige Jahre als Fremdsprachenkorrespondent.

Anfang der 1960er Jahre folgte eine Ausbildung zum Logopäden. Er arbeitete zusammen mit seiner Frau Antonia (1930–1994), die ebenfalls Logopädin war, in freier Praxis – vor allem mit erwachsenen Menschen, die stottern. Dies erfolgte zunächst in den Niederlanden, später in Deutschland. Er ist Begründer individualpsychologischer Methoden zur Therapie sozialer Störungen sowie Trainingsmethoden zur Förderung und Schulung der Fähigkeit zur Selbst- und Fremdermutigung.

Schoenaker lebt heute mit seiner Frau Julitta in Genemuiden in den Niederlanden. Er ist weiterhin als Vortragsredner, Autor, Supervisor und individualpsychologischer Berater aktiv

Das Treffen mit ihm ist jetzt so viele Jahre her und ich kann mich bis heute an fast alles erinnern. An seine umwerfende positive Ausstrahlung, an sein wirklich gelebtes „Ja zum Leben“, an seine entwaffnende Freundlichkeit, an seinen unbändigen Willen, den Menschen Mut zu geben ihr eigenes Leben sinnvoll zu gestalten.

Nicht ohne Grund trägt sein Bekanntestes seiner vielen Bücher den Titel „Mut tut gut“.

Wenn man ihn erlebt hat, dann wünschte man sich vielleicht, dass er bekannter wäre – trotz einiger Auszeichnungen die er für sein Lebenswerk erhalten hat. Aber wenn man ihn erleben durfte, dann wird auch gleich klar, dass er das für sein Ego gar nicht braucht.

Theo Schoenaker gehört für mich eben zu den Menschen, die ihren eigenen Weg für sich gefunden haben und einen Beitrag zur positiven Entwicklung der Menschen geleistet haben. Sein Ziel war nie das Haus am Starnberger See oder eine Yacht vor Saint Tropez. Theo ist ein wahrer Menschen- und Naturfreund und damit für mich ganz schlicht: ein guter Mensch!

Bis heute praktiziere ich übrigens eine seiner sehr wirksamen Methoden, um das Beziehungsklima in einer Partnerschaft gesund zu halten.

Die Methode nennt sich „ZÜBAMO“. Er suchte damals nach einem guten Namen, aber weil ihm nichts Gutes einfiel und das Modell in seinem damaligen Wirkungsort Züntersbach im Hessischen einfiel, wurde daraus eben kurzerhand das Züntersbacher Modell – abgekürzt ZÜBAMO.

Ich hoffe, er ist mir nicht böse, wenn ich hier aus meiner Erinnerung den Ablauf kurz schildere:

Wendet man das ZÜBAMO mit seinem Partner an, dann macht man folgendes:

Man sitzt oder liegt nebeneinander – auf dem Sofa, auf Stühlen oder auch morgens oder abends im Bett. Das Nebeneinander ist dabei wichtig, weil man die Gesichtsregungen des Partners während des ZÜBAMOs nicht wahrnehmen möchte.

Man gibt dem ZÜBAMO einen festen zeitlichen Raum – in der Regel 5 Minuten. Ein ZÜBAMO beginnt bei 0 und endet Punkt nach 5 Minuten – egal was passiert….

Was passiert also in dieser Zeit?

Jeder der beiden Partner stellt sich in Gedanken zwei Fragen: „was beschäftigt mich zur Zeit?“ oder „was ist mir klar geworden?“.

Im ZÜBAMO gibt es nun eine wichtige Regel: man spricht lediglich die Antworten auf diese beiden Fragen laut aus in den Raum. Der andere erwidert während des ZÜBAMOs direkt darauf NICHTS!

Die Reihenfolge wer was wann sagt ist dabei unwichtig – das ergibt sich.

Beide haben also z.B. 5 Minuten lang einen geschützten Raum, um die Antworten auf diese beiden zentralen Fragen laut auszusprechen, ohne dass der Partner direkt darauf reagiert.

So das Grundprinzip eines ZÜBAMO.

So kann es passieren, dass vielleicht nur einer der Beiden etwas sagt wie z.B.: „mich beschäftigt in letzter Zeit die Tatsache, dass wir weniger zärtlich miteinander sind als sonst“ und dann ist die restliche Zeit – und 5 Minuten können lang werden – einfach Stille.

Oder es kommen von Beiden mehrere Aussagen wie z.B. „mir ist letzte Woche klar geworden, dass ich mich zuwenig um meine Töchter kümmere“ und der Partner kurz darauf sagt „Mir ist diese Woche mal wieder klar geworden, wie wichtig Du eigentlich für mich bist!“ und er/sie weitersagt „Mich beschäftigt aber auch, ob ich das immer gut genug zum Ausdruck bringe…“

Man gibt also nur eine direkte Antwort auf einer der beiden Fragen: „was beschäftigt mich gerade?“ „Was ist mir klar geworden?“ – also auch kein langer Monolog über die Begründung oder weitere Details, denn das fordert den anderen zwangsläufig zu einer Erwiderung und es ist NICHT Sinn und Zweck während dieser 5 Minuten eine Diskussion zu führen!!

Wichtig ist eben nur, der selbst gesteckte zeitliche Rahmen bleibt aufrecht, man schaut sich nicht an, man gibt keine direkten Erwiderungen. Man hört einfach zu, was der Partner laut in die Welt sagt.

Nach dem ZÜBAMO kann man sich wieder einander zuwenden, diskutiert über das was man gehört hat oder geht manchmal sogar einfach wieder direkt ins Tagesgeschehen über und überlässt dem „großen System“ alles Weitere.

Der Nutzen ist evident. Ein Partnerschaft lebt davon, dass kleine Schwelbrände sich nicht zu einer Feuersbrunst ausweiten. Wichtige oder gar schwierige Dinge dem Partner zu offenbaren ist nicht immer leicht. Es erfordert Mut. Aber um bei Theo’s Leitspruch zu bleiben: MUT TUT GUT!

Und so habe ich diese kleine Übung niemals vergessen und so widme ich meine heutigen Gedanken einem großen guten Menschen!

Danke Theo für Dein Wirken!

Touchdown – Die Macht der kleinen Veränderungen

Das Klima bei mir zu Hause wird noch besser als es ohnehin schon war! Doch dazu etwas später……

Ich befasse mich ja nun lange genug mit der Kunst der Umsetzung. Dabei spielen die Themen Disziplin und Engagement eine große Rolle.

Um das Engagement eines Teams oder der ganzen Belegschaft hochzuhalten, funktioniert das am besten mit einem anschaulichen Scoreboard. Andernfalls werden alle durch den Alltag abgelenkt und jeder rennt dahin, wo er gerade meint, am dringendsten gebraucht zu werden.

Eines meiner Lieblingsscoreboards sieht folgendermaßen aus:

Die Organisation krankte an dem Umstand, dass sie zu viele Projekte gleichzeitig aktiv hatten – und – was sie noch viel mehr drückte – sie brachten kaum ein Projekt wirklich zu Ende! Den Geld- und Motivationsverlust der Organisation an neuen Projekten zu arbeiten, können Sie sich vorstellen.

Eine große Veränderung brachte das gezeigte Scoreboard. Es zeigt ein Spielfeld, welches dem Feld eines American Footballspieles ähnelt. Seit Einführung des Scoreboards lässt die Organisation nur drei aktive Projekte „auf’s Spielfeld“. Man sieht sofort, wie weit sie gediehen sind. Projekt 1 ist noch in der Startphase mit ca. 10% Erfüllung, Projekt 2 liegt bei ca. 40% Umsetzungsgrad und Projekt 3 steht bei über 70% Projekterfolg.

Spannend ist nun rechts die Auswechselbank. Hier sitzen die nächsten Projekte die auf ihre Umsetzung warten. Und raten Sie mal, wann eines dieser Projekte aufs Spielfeld gelassen wird? Natürlich nur, wenn eines der drei aktuellen Projekte den „Touchdown“ schafft – also tatsächlich wie geplant beendet wird!

Das hat dann auch zur Folge, dass viele Teile der Organisation helfen, die Projekte auch wirklich über die Ziellinie zu schieben, andernfalls fristen ihre eigenen Projektvorhaben weiter das Reservistendasein.

Ich begeistere mich seit wenigen Jahren für American Football und die Zielstrebigkeit mit der versucht wird, das Ei in die gegnerische Endzone zu befördern, ist absolut faszinierend. Da kann ein Team nur Zentimeter von der Touchdown-Zone entfernt sein und trotzdem kann es passieren, dass alle Anstrengungen der letzten Minuten um überhaupt so weit zu kommen nutzlos sind, wenn es der gegnerischen Defensive es doch noch gelingt, das angreifende Team zurückzuschlagen und die Spielrichtung umzukehren.

Die Fähigkeit, Projekte oder Strategien auch tatsächlich zu Ende zu führen, ist einer der wesentlichsten Erfolgsfaktoren von Firmen, die lange erfolgreich bleiben. (Unvergessen die Greenwell-Studie von Harvard)

Machen wir die Dinge auch wirklich fertig, wenn wir sie schon begonnen haben!

Und so ziehe ich langsam eine Schleife zu meiner Situation zu Hause, die mich sehr glücklich macht: es herrscht eine Ordnung, Übersichtlichkeit und Sauberkeit, die ich noch nie in meinem Leben hatte. (Meine leider schon verstorbene Mutter würde mir diesen Satz kaum glauben……)

Und……was noch viel wichtiger ist…..mir geht es toll damit.

Zurückzuführen ist das auf eine kleine, aber feine Verhaltensveränderung meinerseits, welche inspiriert wurde durch einen schönen TED-Vortrag von Stephen Duneier mit dem schönen Titel „How to achieve your most ambitious goals“

Eindrucksvoll – oder?

Was man mit einer kleinen, aber konsequenten Veränderung alles erreichen kann….

Meine jüngste Verhaltensveränderung zu Hause (und nun auch im Job) ist simpel – aber wirkungsvoll: „Andreas, bringe die Dinge zu Ende!“.

„Touchdown“ eben…

Und so fängt das morgens damit an, dass ich erst anfange etwas Neues zu machen, wenn alle Spuren meines Anziehprozesses wirklich beseitigt sind.

Oder ich setze mich nach dem Mittagessen erst dann an den Schreibtisch zum Arbeiten, wenn die Küche picobello ist.

Oder wenn ich ein Bild an der Wand angebracht habe, fange ich erst dann etwas Anderes an, wenn auch wirklich jedes Werkzeug an seinem Platz, jede Verpackung entsorgt und der Staub vom Dübelbohren abgesaugt ist. (ach ja… nicht zu vergessen, auch den Staubsauger wieder auf seinen angestammten Platz zurückzubringen —- vorher wäre kein „Touchdown“)

Ich könnte jetzt weiter berichten von meiner neuen Gewohnheit, nach einem Workshop gleich das Protokoll zu schreiben und sofort meine Rechnung samt Belegen zusammenzufassen und und und…

Im Grunde ist es eine kleine Veränderung. Ein Tick mehr Disziplin und Konsequenz, aber die Auswirkungen auf mein Wohlbefinden und meine übrigen Arbeitsergebnisse sind enorm.

Was ist Ihre kleine Veränderung, die viel bringen würde?

Beispiel Synergie – zwei Polizisten verändern die Welt

Auf meiner Rückfahrt vom Tegernsee hörte ich durch Zufall in Bayern 2 eine Reportage über den Verein Nepalhilfe-Beilngries. Ich war danach für eine Weile kaum ansprechbar, weil mich dieser Bericht und die Geschichte von Karl und Michael Rebele, zwei Gendarmen aus Bayern, so berührt hat.

Ich merke manchmal an mir ein inneres Zögern wenn es darum geht größere soziale Ideen oder Projekte aufzugreifen, weil ich gewaltigen Respekt vor der Aufgabe und v.a. gewaltigen Respekt vor möglichen finanziellen Problemen für mich sehe.

Und dann höre ich die Geschichte von zwei „einfachen“ Polizisten, die es mit viel Kreativität, Disziplin und Einsatz seit 1992 geschafft haben, mehrere Schulen und Kinderkrankenhäuser in Nepal aufzubauen. Und dann ärgere ich mich über meine Vorbehalte und Ängste und bewundere gleichzeitig mal wieder die Leistungen, zu denen Menschen selbst mit wenig Mitteln fähig sind.

Eines zeigt diese Geschichte jedoch auch:

Große Initiativen beginnen meist klein und wachsen. Tolle Initiativen hängen auch von glücklichen Fügungen ab.

Begonnen hat die Geschichte der beiden „Helden“ dieser kleinen Geschichte mit einer ganz normalen Urlaubsreise und einer Trekking-Tour durch Nepal. Aufgeschlossen wie sie waren, haben sie Kontakte geknüpft und auch einen Mann getroffen, dessen Traum es war in seinem Dorf eine Schule zu bauen. Die Polizisten überlegten sich, wie sie helfen konnten, machten erste Diavorträge und sammelten darüber ihre ersten 3.000 DM.

Diese überwiesen sie an den Nepalesen und – jetzt kommt der Faktor „Glück“ ins Spiel – dieser Mensch bestätigte seine Vertrauenswürdigkeit und die Schule wurde tatsächlich gebaut. Ohne dieses erste Erfolgserlebnis, wäre der Verein wohl nie entstanden.

Der Rest ist schrittweises Wachstum und Geschichte. Mittlerweile sind über den Verein 25 Schulen in Nepal erfolgreich errichtet worden und ein Ende ist nicht absehbar.

Der Verein wird mit minimalem Aufwand betrieben und die Rebeles sind trotz ihres Erfolgs völlig am Boden geblieben. Ihre Reisen nach Nepal finanzieren sie über die Verkäufe von Kalendern und die Erträge aus Flohmärkten. Alle Spenden gehen direkt in die Schul- und Kinderhospiz-Projekte.

Wer Lust auf eine schöne Geschichte hat die zeigt, wie kreative Kooperation wirklich funktioniert, der schaut sich einfach mal die Homepage an unter : https://www.nepalhilfe-beilngries.de/startseite/….

oder schaut sich einen etwas älteren Film aus dem Jahr 1998 in Youtube unter: https://youtu.be/RgNzY_DOGHc

oder Ihr hört Euch den Radio-Bericht auf Bayern 2 hier an: https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/nahaufnahme/zukunft-fuer-kinder-im-himalaya-die-nepalhilfe-beilngries-baut-schulen-und-krankenhaeuse-100.html

Synergie ist keine Illusion! Chapeau!