Jesus und Dwayne – starke Männer haben immer Konjunktur

Viele Leser wissen mittlerweile, dass ich manchmal sehr irrationale Dinge tue. So auch zuletzt, in dem ich zwei Stunden meiner wertvollen Restlebenszeit mit einem ärgerlichen Film verbracht habe.

Der Film heißt „Skyscraper“ und ist eine Art Remake des von mir heiß geliebten Filmklassikers „Flammendes Inferno“ aus dem Jahr 1974.
Im Flammenden Inferno traten u.a. auf: Steve McQueen, Paul Newman, Faye Dunaway, Fred Astaire und andere echte Kaliber.
In Skyscraper tritt auf: Dwayne Johnson – auch genannt „The Rock“ —— und eigentlich ist damit fast schon alles erzählt.

Ich möchte meine heutigen Gedanken nicht ausschließlich mit einer Filmkritik zubringen, sondern sie drehen sich mehr um den Umstand, wie wir männliche Helden weiterhin glorifizieren und was das mit unserer Gesellschaft eigentlich tut.

Nur soviel zum Verständnis des Films:
Dwayne Johnson spielt einen Sicherheitsingenieur, der im Auftrag eines Hong-Kong-Milliardärs die Einweihung des höchsten Gebäudes der Welt sicherstellen soll. Während dieses Auftrags wohnt die – natürlich – zuckersüße Familie von Dwayne im 90. Stock des über 280 Stockwerke zählenden Hauses, das kurz vor Eröffnung zur bis zum 88. Stock bewohnt wird.
Ein Team von Terroristen legt im 89. Stock Feuer, um den Milliardär in seinem Penthouse oben quasi „auszuräuchern“ und ihn zu zwingen, eine wichtige Datei herauszurücken.
Also, der Wokenkratzer brennt, Dwayne ist nicht zu Hause und seine Familie – zuckersüße Frau mit zuckersüsser Tochter und zuckersüssem Sohn (natürlich mit Asthma) – kommt nicht mehr nach unten.

Der vorhersehbare Plot nimmt seinen Lauf und wer bis zum Ende durchhält, kommt aus dem Lachen kaum noch heraus.

Dwayne schafft es – trotz Beinprothese – einen Auslegerkran hochzuklettern (der natürlich noch zufällig dastand, wie hätte er sonst nach oben kommen können – ist doch klar…), über eine Distanz von ca. 7 Metern mit Anlauf in ein offenes Fenster im 90. Stock zu springen, sich mit seinen 150 kg wie Tom Cruise an glatten Glasfassaden entlang zu hangeln und weitere völlig absurde Manöver zu erbringen, um am Ende in einer Abklatschszene von Rocky I seine Frau und Kinder wieder in die Arme zu schließen.
Einfach schauderhaft und lächerlich.

Ach ja – ich vergaß zu erwähnen. Der Film hat über 150 Millionen Dollar gekostet und weltweit – v.a. in Asien – über 300 Millionen Dollar eingespielt.

Eigentlich könnte man hier die Diskussion über das WARUM einer solchen Produktion sofort beenden.

Dennoch beschäftigt mich vielmehr der Gedanke, warum die Gesellschaft Geschichten über solche überirdischen Figuren wie in Skyscraper produziert – oder ist das gar kein Phänomen der heutigen Zeit?

Ich lese gerade mal wieder ein wenig in dem Buch „Alles was man wissen muss“ von Dietrich Schwanitz und als ich über die Entstehungsgeschichte der Kultur Europas lese, musste ich bei der Geschichte über Jesus genauso schmunzeln wie über Dwayne Johnson.

Jesus war schon ein echter Kerl! Der konnte über Wasser laufen, hat Blinde wieder sehend gemacht und konnte sogar von den Toten auferstehen.

Ich muss also feststellen, hier hat sich wohl in den letzten über 2000 Jahren nicht viel verändert.

Lieben wir diese starken Männer? Brauchen wir sie wirklich als Leitfiguren? Was haben sie was andere nicht haben?
Warum wählen die Menschen Putin? Warum wählen Sie eine Viktor Orban? Warum wählen Sie einen Erdogan? Warum wählen die Brasilianer einen hirnrissigen Menschen wie Herrn Bolsonaro? Und wie konnte es (ich wage ja seinen Namen kaum noch in den Mund zu nehmen) an die Spitze der USA schaffen?

Dieser Glaube „ER wird es schon richten“ ist immer noch ungebrochen! Trotz aller sporadischen Beispiele von Frauen in hohen polititschen Ämtern, ich werde den Eindruck nicht los, dass die starken Männer die über Wasser gehen können und mit Prothesen Auslegerkräne hochkraxeln in unserer Gesellschaft nicht so schnell aussterben.

Schauen Sie sich das Cover vom Manager Magazin aus dem Monat Dezember 2019 – Stichwort: Manager des Jahres 2019 an.

Hier steht er – Jesus – nein – Dwayne – nein – Kaspar Rorsted – ein dänischer Superman, dem die Aufsichtsräte und Shareholder aufgrund seiner vergangenen Wunderleistungen bei Henkel schier die Füße küssen.
Dass dieser Mann die Erfolge bei Henkel auch nicht alleine fabriziert hat, scheint uns nicht zu beschäftigen. Wir lieben diese Heldentypen, die scheinbar zu allem fähig sind und vertrauen uns ihnen fast blind an.

(Anmerkung: er wurde vom Manager Magazin zum Manager des Jahres 2019 gewählt, weil er den Börsenwert von Adidas um 24 Milliarden steigern konnte (+73 Prozent) – das ist übrigens der gleiche Konzern, der als erster für seine Filialen in der Corona-Krise die Mietzahlungen eingestellt hat und nun als eines der ersten Unternehmen den Schutzschild der Bundesregierung in Anspruch nehmen möchte…. — aber das nur nebenbei..)

Aber es werden wohl weiter in der Zukunft Filme mit „echten Männern“ gedreht werden, in denen die Daniel Craigs, Keanu Reeves, Tom Cruises, Dwayne Johnsons, Denzel Washingtons, Bruce Willis‘ etc etc. uns eine Welt vorgaukeln, es gäbe sie wirklich, die „Guten“ starken Männer, die die Welt gut machen wenn man ihnen folgt.

Wann hat das nur ein Ende?

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Aus der Reihe „wirklich gute Menschen“ – Theo Schoenaker

Wenn ich jetzt auf die Straße ginge oder gar meine Freunde fragen würde: Kennen Sie Theo Schoenaker, dann wäre die Antwort einhellig: NEIN – wer ist das?

Immerhin bin ich froh, dass er es zu einem Wikipedia-Eintrag geschafft hat.

(Anmerkung: ich kenne übrigens Menschen, die ihren eigenen Wikipedia-Eintrag für Marketing-Zwecke selbst erstellt haben oder erstellen ließen…. einfach widerlich!)

Ich hatte die wirkliche Ehre ihn und sein Frau im Rahmen einer seiner Seminare zum Thema „Individualpsychologie“ kennen zu lernen. Das muss wohl so in den 90ern gewesen sein.

Er ist Holländer, Jahrgang 1932 und hier seine Kurzvita aus Wikipedia:

Theo Schoenaker studierte zunächst Klavier und Oboe. Anschließend absolvierte er kaufmännische Ausbildungen und arbeitete einige Jahre als Fremdsprachenkorrespondent.

Anfang der 1960er Jahre folgte eine Ausbildung zum Logopäden. Er arbeitete zusammen mit seiner Frau Antonia (1930–1994), die ebenfalls Logopädin war, in freier Praxis – vor allem mit erwachsenen Menschen, die stottern. Dies erfolgte zunächst in den Niederlanden, später in Deutschland. Er ist Begründer individualpsychologischer Methoden zur Therapie sozialer Störungen sowie Trainingsmethoden zur Förderung und Schulung der Fähigkeit zur Selbst- und Fremdermutigung.

Schoenaker lebt heute mit seiner Frau Julitta in Genemuiden in den Niederlanden. Er ist weiterhin als Vortragsredner, Autor, Supervisor und individualpsychologischer Berater aktiv

Das Treffen mit ihm ist jetzt so viele Jahre her und ich kann mich bis heute an fast alles erinnern. An seine umwerfende positive Ausstrahlung, an sein wirklich gelebtes „Ja zum Leben“, an seine entwaffnende Freundlichkeit, an seinen unbändigen Willen, den Menschen Mut zu geben ihr eigenes Leben sinnvoll zu gestalten.

Nicht ohne Grund trägt sein Bekanntestes seiner vielen Bücher den Titel „Mut tut gut“.

Wenn man ihn erlebt hat, dann wünschte man sich vielleicht, dass er bekannter wäre – trotz einiger Auszeichnungen die er für sein Lebenswerk erhalten hat. Aber wenn man ihn erleben durfte, dann wird auch gleich klar, dass er das für sein Ego gar nicht braucht.

Theo Schoenaker gehört für mich eben zu den Menschen, die ihren eigenen Weg für sich gefunden haben und einen Beitrag zur positiven Entwicklung der Menschen geleistet haben. Sein Ziel war nie das Haus am Starnberger See oder eine Yacht vor Saint Tropez. Theo ist ein wahrer Menschen- und Naturfreund und damit für mich ganz schlicht: ein guter Mensch!

Bis heute praktiziere ich übrigens eine seiner sehr wirksamen Methoden, um das Beziehungsklima in einer Partnerschaft gesund zu halten.

Die Methode nennt sich „ZÜBAMO“. Er suchte damals nach einem guten Namen, aber weil ihm nichts Gutes einfiel und das Modell in seinem damaligen Wirkungsort Züntersbach im Hessischen einfiel, wurde daraus eben kurzerhand das Züntersbacher Modell – abgekürzt ZÜBAMO.

Ich hoffe, er ist mir nicht böse, wenn ich hier aus meiner Erinnerung den Ablauf kurz schildere:

Wendet man das ZÜBAMO mit seinem Partner an, dann macht man folgendes:

Man sitzt oder liegt nebeneinander – auf dem Sofa, auf Stühlen oder auch morgens oder abends im Bett. Das Nebeneinander ist dabei wichtig, weil man die Gesichtsregungen des Partners während des ZÜBAMOs nicht wahrnehmen möchte.

Man gibt dem ZÜBAMO einen festen zeitlichen Raum – in der Regel 5 Minuten. Ein ZÜBAMO beginnt bei 0 und endet Punkt nach 5 Minuten – egal was passiert….

Was passiert also in dieser Zeit?

Jeder der beiden Partner stellt sich in Gedanken zwei Fragen: „was beschäftigt mich zur Zeit?“ oder „was ist mir klar geworden?“.

Im ZÜBAMO gibt es nun eine wichtige Regel: man spricht lediglich die Antworten auf diese beiden Fragen laut aus in den Raum. Der andere erwidert während des ZÜBAMOs direkt darauf NICHTS!

Die Reihenfolge wer was wann sagt ist dabei unwichtig – das ergibt sich.

Beide haben also z.B. 5 Minuten lang einen geschützten Raum, um die Antworten auf diese beiden zentralen Fragen laut auszusprechen, ohne dass der Partner direkt darauf reagiert.

So das Grundprinzip eines ZÜBAMO.

So kann es passieren, dass vielleicht nur einer der Beiden etwas sagt wie z.B.: „mich beschäftigt in letzter Zeit die Tatsache, dass wir weniger zärtlich miteinander sind als sonst“ und dann ist die restliche Zeit – und 5 Minuten können lang werden – einfach Stille.

Oder es kommen von Beiden mehrere Aussagen wie z.B. „mir ist letzte Woche klar geworden, dass ich mich zuwenig um meine Töchter kümmere“ und der Partner kurz darauf sagt „Mir ist diese Woche mal wieder klar geworden, wie wichtig Du eigentlich für mich bist!“ und er/sie weitersagt „Mich beschäftigt aber auch, ob ich das immer gut genug zum Ausdruck bringe…“

Man gibt also nur eine direkte Antwort auf einer der beiden Fragen: „was beschäftigt mich gerade?“ „Was ist mir klar geworden?“ – also auch kein langer Monolog über die Begründung oder weitere Details, denn das fordert den anderen zwangsläufig zu einer Erwiderung und es ist NICHT Sinn und Zweck während dieser 5 Minuten eine Diskussion zu führen!!

Wichtig ist eben nur, der selbst gesteckte zeitliche Rahmen bleibt aufrecht, man schaut sich nicht an, man gibt keine direkten Erwiderungen. Man hört einfach zu, was der Partner laut in die Welt sagt.

Nach dem ZÜBAMO kann man sich wieder einander zuwenden, diskutiert über das was man gehört hat oder geht manchmal sogar einfach wieder direkt ins Tagesgeschehen über und überlässt dem „großen System“ alles Weitere.

Der Nutzen ist evident. Ein Partnerschaft lebt davon, dass kleine Schwelbrände sich nicht zu einer Feuersbrunst ausweiten. Wichtige oder gar schwierige Dinge dem Partner zu offenbaren ist nicht immer leicht. Es erfordert Mut. Aber um bei Theo’s Leitspruch zu bleiben: MUT TUT GUT!

Und so habe ich diese kleine Übung niemals vergessen und so widme ich meine heutigen Gedanken einem großen guten Menschen!

Danke Theo für Dein Wirken!

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Touchdown – Die Macht der kleinen Veränderungen

Das Klima bei mir zu Hause wird noch besser als es ohnehin schon war! Doch dazu etwas später……

Ich befasse mich ja nun lange genug mit der Kunst der Umsetzung. Dabei spielen die Themen Disziplin und Engagement eine große Rolle.

Um das Engagement eines Teams oder der ganzen Belegschaft hochzuhalten, funktioniert das am besten mit einem anschaulichen Scoreboard. Andernfalls werden alle durch den Alltag abgelenkt und jeder rennt dahin, wo er gerade meint, am dringendsten gebraucht zu werden.

Eines meiner Lieblingsscoreboards sehen Sie hier:

Die Organisation krankte an dem Umstand, dass sie zu viele Projekte gleichzeitig aktiv hatten – und – was sie noch viel mehr drückte – sie brachten kaum ein Projekt wirklich zu Ende! Den Geld- und Motivationsverlust der Organisation an neuen Projekten zu arbeiten, können Sie sich vorstellen.

Eine große Veränderung brachte das gezeigte Scoreboard. Es zeigt ein Spielfeld, welches dem Feld eines American Footballspieles ähnelt. Seit Einführung des Scoreboards lässt die Organisation nur drei aktive Projekte „auf’s Spielfeld“. Man sieht sofort, wie weit sie gediehen sind. Projekt 1 ist noch in der Startphase mit ca. 10% Erfüllung, Projekt 2 liegt bei ca. 40% Umsetzungsgrad und Projekt 3 steht bei über 70% Projekterfolg.

Spannend ist nun rechts die Auswechselbank. Hier sitzen die nächsten Projekte die auf ihre Umsetzung warten. Und raten Sie mal, wann eines dieser Projekte aufs Spielfeld gelassen wird? Natürlich nur, wenn eines der drei aktuellen Projekte den „Touchdown“ schafft – also tatsächlich wie geplant beendet wird!

Das hat dann auch zur Folge, dass viele Teile der Organisation helfen, die Projekte auch wirklich über die Ziellinie zu schieben, andernfalls fristen ihre eigenen Projektvorhaben weiter das Reservistendasein.

Ich begeistere mich seit wenigen Jahren für American Football und die Zielstrebigkeit mit der versucht wird, das Ei in die gegnerische Endzone zu befördern, ist absolut faszinierend. Da kann ein Team nur Zentimeter von der Touchdown-Zone entfernt sein und trotzdem kann es passieren, dass alle Anstrengungen der letzten Minuten um überhaupt so weit zu kommen nutzlos sind, wenn es der gegnerischen Defensive es doch noch gelingt, das angreifende Team zurückzuschlagen und die Spielrichtung umzukehren.

Die Fähigkeit, Projekte oder Strategien auch tatsächlich zu Ende zu führen, ist einer der wesentlichsten Erfolgsfaktoren von Firmen, die lange erfolgreich bleiben. (Unvergessen die Greenwell-Studie von Harvard)

Machen wir die Dinge auch wirklich fertig, wenn wir sie schon begonnen haben!

Und so ziehe ich langsam eine Schleife zu meiner Situation zu Hause, die mich sehr glücklich macht: es herrscht eine Ordnung, Übersichtlichkeit und Sauberkeit, die ich noch nie in meinem Leben hatte. (Meine leider schon verstorbene Mutter würde mir diesen Satz kaum glauben……)

Und……was noch viel wichtiger ist…..mir geht es toll damit.

Zurückzuführen ist das auf eine kleine, aber feine Verhaltensveränderung meinerseits, welche inspiriert wurde durch einen schönen TED-Vortrag von Stephen Duneier mit dem schönen Titel „How to achieve your most ambitious goals“

Eindrucksvoll – oder?

Was man mit einer kleinen, aber konsequenten Veränderung alles erreichen kann….

Meine jüngste Verhaltensveränderung zu Hause (und nun auch im Job) ist simpel – aber wirkungsvoll: „Andreas, bringe die Dinge zu Ende!“.

„Touchdown“ eben…

Und so fängt das morgens damit an, dass ich erst anfange etwas Neues zu machen, wenn alle Spuren meines Anziehprozesses wirklich beseitigt sind.

Oder ich setze mich nach dem Mittagessen erst dann an den Schreibtisch zum Arbeiten, wenn die Küche picobello ist.

Oder wenn ich ein Bild an der Wand angebracht habe, fange ich erst dann etwas Anderes an, wenn auch wirklich jedes Werkzeug an seinem Platz, jede Verpackung entsorgt und der Staub vom Dübelbohren abgesaugt ist. (ach ja… nicht zu vergessen, auch den Staubsauger wieder auf seinen angestammten Platz zurückzubringen —- vorher wäre kein „Touchdown“)

Ich könnte jetzt weiter berichten von meiner neuen Gewohnheit, nach einem Workshop gleich das Protokoll zu schreiben und sofort meine Rechnung samt Belegen zusammenzufassen und und und…

Im Grunde ist es eine kleine Veränderung. Ein Tick mehr Disziplin und Konsequenz, aber die Auswirkungen auf mein Wohlbefinden und meine übrigen Arbeitsergebnisse sind enorm.

Was ist Ihre kleine Veränderung, die viel bringen würde?

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Beispiel Synergie – zwei Polizisten verändern die Welt

Auf meiner Rückfahrt vom Tegernsee hörte ich durch Zufall in Bayern 2 eine Reportage über den Verein Nepalhilfe-Beilngries. Ich war danach für eine Weile kaum ansprechbar, weil mich dieser Bericht und die Geschichte von Karl und Michael Rebele, zwei Gendarmen aus Bayern, so berührt hat.

Ich merke manchmal an mir ein inneres Zögern wenn es darum geht größere soziale Ideen oder Projekte aufzugreifen, weil ich gewaltigen Respekt vor der Aufgabe und v.a. gewaltigen Respekt vor möglichen finanziellen Problemen für mich sehe.

Und dann höre ich die Geschichte von zwei „einfachen“ Polizisten, die es mit viel Kreativität, Disziplin und Einsatz seit 1992 geschafft haben, mehrere Schulen und Kinderkrankenhäuser in Nepal aufzubauen. Und dann ärgere ich mich über meine Vorbehalte und Ängste und bewundere gleichzeitig mal wieder die Leistungen, zu denen Menschen selbst mit wenig Mitteln fähig sind.

Eines zeigt diese Geschichte jedoch auch:

Große Initiativen beginnen meist klein und wachsen. Tolle Initiativen hängen auch von glücklichen Fügungen ab.

Begonnen hat die Geschichte der beiden „Helden“ dieser kleinen Geschichte mit einer ganz normalen Urlaubsreise und einer Trekking-Tour durch Nepal. Aufgeschlossen wie sie waren, haben sie Kontakte geknüpft und auch einen Mann getroffen, dessen Traum es war in seinem Dorf eine Schule zu bauen. Die Polizisten überlegten sich, wie sie helfen konnten, machten erste Diavorträge und sammelten darüber ihre ersten 3.000 DM.

Diese überwiesen sie an den Nepalesen und – jetzt kommt der Faktor „Glück“ ins Spiel – dieser Mensch bestätigte seine Vertrauenswürdigkeit und die Schule wurde tatsächlich gebaut. Ohne dieses erste Erfolgserlebnis, wäre der Verein wohl nie entstanden.

Der Rest ist schrittweises Wachstum und Geschichte. Mittlerweile sind über den Verein 25 Schulen in Nepal erfolgreich errichtet worden und ein Ende ist nicht absehbar.

Der Verein wird mit minimalem Aufwand betrieben und die Rebeles sind trotz ihres Erfolgs völlig am Boden geblieben. Ihre Reisen nach Nepal finanzieren sie über die Verkäufe von Kalendern und die Erträge aus Flohmärkten. Alle Spenden gehen direkt in die Schul- und Kinderhospiz-Projekte.

Wer Lust auf eine schöne Geschichte hat die zeigt, wie kreative Kooperation wirklich funktioniert, der schaut sich einfach mal die Homepage an unter : https://www.nepalhilfe-beilngries.de/startseite/….

oder schaut sich einen etwas älteren Film aus dem Jahr 1998 in Youtube unter: https://youtu.be/RgNzY_DOGHc

oder Ihr hört Euch den Radio-Bericht auf Bayern 2 hier an: https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/nahaufnahme/zukunft-fuer-kinder-im-himalaya-die-nepalhilfe-beilngries-baut-schulen-und-krankenhaeuse-100.html

Synergie ist keine Illusion! Chapeau!

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Ein Tagtraum – in English

A daydream in the times of Corona – or – how a leader could use the „4 Disciplines of Execution“ in troubling times.

I would feel much better, if a leader like Angela Merkel were to say the following….

„Dear people of Germany, we are in a crisis but we will survive it and I want to tell you about our strategy and how we will execute it, all together…

First, we focus on our wildly important goal (WIG)

„We keep the mortality rate caused by Covid-19 in Germany below 2% until Dec 31, 2020“

Second, we all concentrate and act on 3 lead measures, which will lead us to the WIG:

a) Everybody in Germany keeps a physical distance to any person of at least 1,5 meters in >90% of all human Interactions until April 20th, 2020

b) We increase and maintain the testing rate in Germany of >10000 per day until Dec 31st, 2020

c) We increase the number of intensive care beds with ventilators from currenty 28.031 to 75.000 until July 1st, 2020

Third, we have created a scoreboard, so that everybody in this country knows, whether we are winning or losing

Fourth, we will hold us all accountable and meet Mondays, Wednesdays and Fridays for a WIG-Huddle at 8pm for 5 minutes at the beginning of the Tagesschau on the program ARD to check our progress and to enable us to make own commitments to reach our goal! 

We can do this!“

As I said, I would feel much better… 

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Vom Saulus zum Paulus – die Entwicklung von Markus S.

Man kommt aus dem Staunen manchmal nicht heraus. Ich kann beileibe nicht behaupten, dass ich jemals ein Fan von Markus Söder gewesen wäre. Sollte sich das ändern?

Es schaut danach aus! Und ich bin nicht traurig darüber!

Markus Söder war für mich immer der Inbegriff des gewitzten, gerissenen Politk-Karrieristen. Überall präsent. Provozierend. Anbiedernd. Selbstverliebt. Und ohne Scham ausdrückend, was sein Ziel ist: an die Spitze zu kommen.

Ich konnte ihn mir immer vor dem geistigen Auge vorstellen, wie er permanent die Stammtische und Hinterzimmer der Landräte abklapperte um Schritt für Schritt sein Unterstützungsnetzwerk in Bayern auszubauen und abzusichern. Schließlich braucht man in einer Demokratie Mehrheiten um etwas zu erreichen oder umzusetzen.

Das Geschäft versteht Markus.

Zwischenzeitlich tat er mir fast leid. Was hat er sich angestrengt um aus dem Schatten seines „Übervaters“ Horst herauszukommen oder sich der Konkurrenz von der Ilse zu entledigen. Letzteres fiel ihm leicht. Sie war eben doch zu wenig ambitioniert und zu loyal ihrem Horst gegenüber. Markus war das egal. Er wollte unbedingt an die Spitze und wenn man wirklich so quengelig ist, dann sagen selbst die größten Gegner irgendwann: „jetzt lassen wir ihn halt mal machen“ (kleinlaut: „außerdem haben wir keinen Besseren“).

Und dann kam das große Wunder!

Kaum in den Schuhen als Ministerpräsident entpuppt er sich zu einem brauchbaren Führer eines Landes. Nicht mehr übertrieben bissig. Mehr zuhörend. Bereit, das konservative Land zu modernisieren und weiter leistungsfähig zu machen.

Er führt ein relativ junges und ausgeglichen besetztes Kabinett, er scheint den Blick für die langfristigen Notwendigkeiten zu haben (Stichwort „Artenvielfalt“ und Naturschutz) und er hat sich aus meiner Sicht bislang keinerlei grobe Schnitzer geleistet.

Seinen nächsten Schritt zur guten Führungsfigur scheint er nun in der Corona-Krise zu tun.

Er ist zwar nicht übertrieben mutig (der Kurz in Österreich ist mutiger), aber er handelt letztlich doch konsequent und – und das ist eben für eine akzeptierte Führungskraft enorm wichtig – er kommuniziert gut.

Er ist klar in der Aussage. Für alle verständlich. Er gibt den Eindruck, dass er hinter allen Entschlüssen selbst dahintersteht und die Verantwortung übernimmt. Er bleibt ruhig und besonnen.

Selbst politische Gegner zollen ihm Respekt für sein Krisenmanagement und es würde mich nicht wundern, wenn er, sofern ihm keine Fehler unterlaufen, seinen Einfluss in der deutschen Politik weiter ausweitet.

Er hat dabei einen Riesenvorteil: er ist extrem erfahren im politischen Geschäft und man merkt, dass ihm die Politik liegt und Spaß macht. Er macht für mich den Eindruck, als wäre jemand „angekommen“.

Im Moment wollte ich tatsächlich niemand anders an der Spitze meines jetzigen Heimatbundeslandes wissen – weder eine Ilse Aigner, noch einen Herrn Zimmermann, noch einen Freiherr von… , noch eine Katharina Schulze…

….dass er das geschafft hat, davor ziehe ich im Moment mal den Hut!

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Heinz-Christian und das Fundament von allem – Glaubwürdigkeit

Und wieder ist es angebracht, sich dem Thema „Vertrauen“ näher zu widmen. Österreich steckt in einer Staatskrise. Die Kosten und all die weiteren negativen Auswirkungen auf das Land und auf Europa sind überhaupt noch nicht abzusehen. Und was hat das Ganze verursacht? Das Verhalten einer einzigen Person!

In diesem Fall ist es Heinz-Christian Strache, ehemaliger Vizekanzler und Vorsitzender der FPÖ in Österreich.
Was hat der Mann in den letzten Jahren nicht alles versucht, um sich persönlich und seine eigene Partei als die einzig wahrhaft moralische, vertrauenswürdige Instanz in Österreich darzustellen. „Wir sind die wahrhaft Guten und die anderen sind diejenigen, die im Filz und Klüngel nichts weiterbringen…“
Überrascht sollte nach Betrachten des Videos eigentlich niemand sein. Im Grunde weiß man es – man hat halt arg zu selten eine ungefilterte Innensicht in die Gespräche hinter den Kulissen. Das ist mit diesen Videoausschnitten nun anders.

Korruption ist der Tod jeder lebendigen, prosperierenden Gesellschaft – und was wir hier sehen ist typische Korruption: Vorteilsnahme zum Wohle der eigenen Ziele – gleichgültig, welche Auswirkungen das auf das Ganze hat – auch wenn noch gar nicht klar ist, ob und wieviel von dem Gesagten tatsächlich umgesetzt wurde.

Besonders schlimm ist es nun, dass er die zweite Geissel unser heutigen Welt vorantreibt: die Opferhaltung. Anstatt Demut walten zu lassen, geht er sofort in die Opferrolle und macht andere für sein jetziges Schicksal verantwortlich. Das ist nicht nur schäbig, sondern animiert seine Anhänger und Gefolgsleute es ihm gleichzutun, womit die Spaltung in der Gesellschaft weiter vorangetrieben wird.

Wir alle wissen, wie schwierig es ist, die persönliche Glaubwürdigkeit aufrecht zu erhalten. Jeder Leser des Buches „Schnelligkeit durch Vertrauen“ weiß auch, dass diese Vertrauenswürdigkeit von vier Faktoren abhängt: Resultate / Fähigkeiten / Integrität und Absicht.
Und wir wissen, wie schnell man seine Vertrauenswürdigkeit verspielen kann. Ich habe diese Erfahrung in verschiedenen Bereichen meines Lebens oft genug erlebt.

Ginge es einem Heinz-Christian Strache glaubhaft darum, Vertrauen zurückzugewinnen, so könnte er aus dem besagten Buch z.B. lernen, dass es insgesamt 13 Vertrauensregeln gibt (in Wahrheit sind es 14, wenn man „vergeben“ noch hinzunimmt), aus denen er eine glaubhafte Strategie für den Wiederaufbau seiner Reputation entwickeln könnte.

Nur ist in diesen 13 (14) Vertrauensregeln nichts zu lesen, andere für sein Schicksal verantwortlich zu machen (so wie er es leider in einem typischen Reflex aller Populisten tut)

Aus meiner Sicht kämen folgende Regeln für ihn zum Einsatz:

  • ehrlich sein („ich habe das alles gesagt – gleichgültig wie die Belgeitumstände waren)
  • Fehler eingestehen. (Sich bei ALLEN Betroffenen spürbar glaubhaft entschuldigen – u.a. bei allen von ihm beim Namen genannten Personen – gleichgültig derer Hintergründe)
  • verzeihen (das zweifelhafte Verhalten der Auftraggeber des Videos und das Verhalten des Spiegels und der SZ nicht in den Vordergrund stellen und nachsichtig sein)
  • sich verbessern (das kann er nur ab jetzt zeigen)
  • Verantwortung übernehmen (die Verantwortung bei sich lassen (und nicht Alkohol, Schwüle etc. beschwichtigend anführen / von allen Ämtern zurücktreten, um weiteren Schaden am System zu vermeiden)
  • sich der Realität stellen (es ist bewiesen, ich kann mich da nicht rausreden)
  • Transparenz erzeugen (glaubhaft darlegen, dass es diesen Verein nicht gibt und keine Schattenspenden geflossen sind)

Von diesen sieben Verhaltensregeln hat er zwei zur Hälfte bedient (Fehler eingestehen und Verantwortung übernehmen) – ob er die anderen Hebel nutzt, werden wir sehen. Persönlich bin ich da allerdings skeptisch.

Echte Größe in der Niederlage oder in der Aufdeckung schäbigen Verhaltens (vor dem wir alle nicht gefeit sind) zu zeigen, ist ein (zu) seltenes Gut.

Aber ich gebe meine Zuversicht nicht auf, dass es in unserer Welt der „Image-Bewahrung“ nicht völlig untergeht.

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Wir brauchen eine neue Erzählung!

Ich lese mal wieder ein für mich interessantes Buch: „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ von Yuval Noah Harari.

Zwar habe ich erst die beiden ersten Lektionen hinter mir, doch muss ich zugeben, dass sie mich sehr beschäftigen.

Die erste Lektion heißt „Desillusionierungdas Ende der Geschichte wurde vertagt“ und die Zweite hat den Titel „Arbeit – wenn Du erwachsen wirst, hast Du vielleicht keinen Job“.

In der zweiten Lektion beschäftigt mich am meisten die Aussage, dass der Mensch zwei wesentliche Fähigkeiten besitzt: körperliche und kognitive Fähigkeiten. Immer wieder wird diskutiert, ob die Technisierung nicht zu einer Massenarbeitslosigkeit führt. Bislang ist das nicht der Fall – im Gegenteil – die Zahl der Arbeitsplätze wächst stetig – allerdings nicht in körperlichen Berufen – hier haben uns die Maschinen längst den Rang abgelaufen – sondern in kognitiven Berufen. Noch haben die Menschen hier gegenüber den Maschinen einen klaren Vorteil. Und wieder wird diskutiert, ob die kommende Digitalisierung zu einer Massenarbeitslosigkeit führt und nun gibt es wieder zwei Lager: die einen sagen – „nein! warum auch – die Vergangenheit hat ja gezeigt, dass es immer anders kommt.“ Die anderen sagen – „und ob! denn diesmal ist alles anders! Wenn die Machine uns nicht nur die körperlichen Tätigkeiten abnimmt, sondern mit dem Fortschreiten der Künstlichen Intelligenz auch noch die kognitiven Fähigkeiten ersetzt werden, dann bleibt für schlicht nichts mehr zu tun!“.

Ich fürchte – die zweite Fraktion hat Recht und wenn man die verschiedenen Beispiele die Harari aus den Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz beschreibt zu Gemüte führt, dann kann einem wirklich anders werden.

Und das bringt mich nun zurück zur Einstiegslektion, in der er über die aktuelle Desillusionierung der Menschen philosophiert.

Seine zentrale Lektion hier: Menschen lieben Erzählungen – insbesondere solche, die ihnen Orientierung für das Leben geben. Die wohl bekannteste und einflussreichste Erzählung für einen Großteil der Menschheit ist und war die Bibel – zumindest bis zur Aufklärung.

Harari bringt nun für unsere heutige Zeit – frei wiedergegeben – eine sehr treffende Aussage:

1930 standen den Menschen (primär in der entwickelten Welt) drei Erzählungen für ein erfolgreiches Leben zur Auswahl: der Faschismus, der Kommunismus und der Liberalismus.“

Spätestens mit Che Guevara gab es nur noch zwei ernst zu nehmende Erzählungen: den Kommunismus und den Liberalismus.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gab es in den letzten 30 Jahren nur noch eine relevante Erzählung – die des Liberalismus. Scheinbar hat es sich durchgesetzt, dass die Freiheit des Menschen und der damit verbundene ungezügelte Kapitalismus das non-plus-ultra für die positive Entwicklung der Menschen hin zu Wohlstand und Zufriedenheit darstellt.

2018 hat sich auch diese Erzählung mehr oder weniger in Luft aufgelöst! Die Freiheitsgrade in allen Lebensbereichen bringen offenbar alles in Schieflage. Die Schere zwischen Arm und Reich wächst dramatisch, die Unternehmen tun alles, um Steuern zu vermeiden, die für die gesunde Entwicklung von Staaten aber unablässig sind und der allgemeine Anspruch jedes Menschen in unserer zivilisierten Welt „ich darf alles“ (z.B. zum Shoppen über das Wochenende nach Dubai fliegen) bringt unsere Ökologie an seine für uns spürbaren Grenzen.

Harari hat meines Erachtens recht, wenn er sagt, heute haben wir Menschen keine Erzählung mehr zur Hand, die uns eine überzeugende Orientierung liefert – es kommt noch schlimmer! Wir haben nicht nur keine Orientierung, sondern die galoppierende Digitalisierung beraubt uns gleichzeitig auch noch die Hoffnung auf ausreichend Beschäftigung.

Dieser Cocktail aus zwei Elementen macht uns zu schaffen und schürt bei vielen Menschen Ängste und Desillusionierung. Bahn frei für Populisten, um aus dieser Angst Kapital zu schlagen. Willkommen in der kollektiven Gemütslage im April 2019!

Hararis Lektion 1 mit dem Kapitel „Desillusionierung“ hat einen Schwachpunkt! Er fordert völlig zu Recht eine neue Erzählung für uns Menschen ein und zwar eine, welche auch die Bedrohung durch die kommende Digitalisierung einbindet – nur – er selbst liefert hierfür keinerlei Ansätze…

Dabei glaube ich, dass sie bereits existiert!

Ich bin in einem konservativen Wertegerüst aufgewachsen. Meine Eltern haben CDU gewählt, mein Vater war Werksleiter und der Glaube an die Kombination „geht es der Wirtschaft gut – geht es den Menschen gut“ war übermächtig.

Später wurde ich viele Jahre lang Wähler der Liberalen und hatte wirklich den Glauben, der Liberalismus setzt sich weltweit durch.

Ich kann es selbst kaum glauben – aber im letzten Jahr habe ich zum ersten Mal in meinem Leben grün gewählt und würde es im Moment wieder tun.

Und ich denke – es steht klar im Zusammenhang mit der eben beschriebenen These von Harari.

Nachdem der Faschismus – der Kommunismus – und nun – der Liberalismus als heilbringende Erzählung sich verabschiedet haben bzw. sich gerade verabschieden – bleibt aus meiner Sicht nur eine Erzählung übrig: die des „Prinzipialismus“ ( 🙂 . Vielleicht sollte ich noch an der Wortschöpfung arbeiten). Wenn das noch etwas werden soll auf dieser Welt, dann müssen wir uns nach Dingen richten, die universell und zeitlos sind: Prinzipien bzw. Quasi-Grundgesetze eben.

Der Liberalismus ist dabei, die Gans zu schlachten, die eigentlich goldene Eier legt. Die Gans steht dabei für den Planeten und die Umwelt als Grundvoraussetzung für irdisches Leben. Unser Wahn nach den goldenen Eiern zu streben und dabei die Gans umzubringen, bringt uns an den Rand der Existenz – und das muss aufhören!

Die Gans zu erhalten ist eines von solchen Grundprinzipien, um die es letztlich geht, welche in die Köpfe und die Gewohnheiten der Menschen hineingetragen werden müssen.

Der Prinzipialismus muss uns Menschen anleiten, Prinzipien für ein nachhaltiges Leben in den Mittelpunkt unseres Handelns zu stellen – auch wenn das bedeutet, dass es mit empfindlichen Einschränkungen unserer heutigen Lebensweise einhergehen wird und muss.

Denken wir darüber nach, wie eine Erzählung über das Leben mit Prinzipien aussehen kann…. es wird Zeit!

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England und die Hoffnung

Neben der Katastrophe Donald Trump ist der Brexit ein weiterer Indikator dafür, dass die Welt in Bezug auf Synergie und kreative Kooperation in die falsche Richtung marschiert. Ist das wirklich so? Ein Erfahrungsbericht an der Basis – der leider leider nicht repräsentativ ist. Aber wer weiß..

Ich war über das Wochenende in England und wir haben uns zum ersten Mal „Cotswolds“ angeschaut – eine wunderschöne Region westlich von Oxford. Englische Ortschaften wie man sie nur aus den Bilderbüchern kennt. Viel Natur. Stilvolle Pubs. Viele wunderschöne Landsitze.

Als ich am Donnerstag Abend in London ankam und nach Jahrzehnten so etwas wie einen Nostalgierundgang am Leicester Square unternommen habe, konnte ich zunächst zum ersten Mal die Brexit-Befürworter etwas verstehen. Ich lief durch diese Stadt und hatte das Gefühl „wozu braucht man hier eigentlich den Rest von Europa?“ Man ist hier auf einer Insel und ich kann sofort nachvollziehen, dass es schon seit Jahrzehnten (wenn nicht sogar noch viel länger) diesen Graben durch das Volk gibt, ob sie nun zu Europa gehören oder nicht.

Während der kurzen Zeit am Wochenende in der englischen Provinz, trafen wir auf unsere beiden Bed&Breakfast Gastgeber. Einer war sehr indifferent in Bezug auf den Brexit, der zweite aus dem Örtchen Bath war klarer Gegner davon.
Man kann dem Thema auch wirklich schlecht ausweichen – gleichwohl die Diskussionen über diesen merkwürdigen Vorgang auf der Insel kurz blieben, weil man deutlich merkt, dass es die Bürger furchtbar nervt und die beiden Gastgeber es auch nicht mehr direkt beeinflussen können.

Was uns aber dann vielmehr beeindruckt hat, war die Tatsache, dass beide Gastgeber einen direkt Bezug zu Stephen Covey und seinen „7 Habits“ haben.

Bei unserem Farmer in Stow-on-the-Water stand das Buch im Bücherregal und als wir ihn darauf ansprachen, leuchteten seinen Augen und er erzählte uns von seinen Umsetzungserfahrungen damit und zeigte uns noch seine aktuelle Literatur, die allesamt mit dem Weg zu mehr Erwachsensein zu tun haben.

Als wir den wunderbaren Platz der Ashcomb-Farm verließen, waren wir richtig beseelt von der Erfahrung, wo man den 7 Habits so auf der Welt überall begegnet.
Aber es sollte noch besser kommen.

Der Gastgeber des Bloomfield House in Bath entpuppte sich beim Frühstücksgespräch als absoluter Kenner der „7 Habits“ und er berichtete von seinen Versuchen, Ende der 90er das Thema „Nachhaltigkeit“ mit dem damaligen Lizenzhalter von FranklinCovey in England zu verknüpfen (was leider nicht gelang).

Er war völlig aus dem Häuschen, dass wir beide aktiv für FranklinCovey arbeiten und es entspann sich ein herrlicher Austausch über all das, was momentan im Leben so gut oder so schief läuft.

Viele Menschen kann man an zwei Tagen nicht treffen – aber dass wir bei unseren Gastgebern ausschließlich auf Menschen trafen, die die Ideen von Covey versuchen zu leben und umzusetzen – die an das „WIR“ und nicht an das „ICH“ oder gar „DU BIST SCHULD“ – glauben – die das Große und Ganze im Blick haben und versuchen universelle Prinzipien zu leben, anstatt irgendwelchen Moden und Oberflächlichkeiten nachzujagen – das hat uns tief beeindruckt.

Auch wenn das Land sich letztlich für den Brexit entscheiden sollte, so bleibt die Hoffnung, dass es genug Menschen dort gibt, die den Glauben an echte Synergien nicht aufgeben und trotz aller künftigen Grenzen versuchen, sich erwachsen zu verhalten und ihren guten Charakter zu entwickeln.

Beide Briten waren der Meinung, dass die Befolgung von natürlichen Gesetzen (Prinzipien) auf Dauer der einzig gangbare Weg für uns alle sein kann.

Ich kann nur jeden auffordern, der die „7 Wege zur Effektivität“ gut findet, sie aktiv weiterzutragen und versuchen eine Veränderungsperson zu werden – so wie Daniel von der Ashcomb Farm in Stow und Robert vom Bloomfield House in Bath.


Und wem die „7 Wege“ letztlich doch egal sein sollten, der kann an beiden Orten eine wunderbare Zeit mit wunderbaren Gastgebern erleben.

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Die Kunst mit Reizen umzugehen……

Diese Woche las ich im jüngsten Spiegel wirklich erschütternde Berichte von Krankenpflegern, Notärzten, Feuerwehrleuten, Call-Center Mitarbeiterinnen über die Art und Weise, wie schnell und wie oft sie für ihre Arbeit ohne Vorwarnung von anderen Menschen beleidigt oder gar tätlich angegriffen werden.

Eine Notarztmannschaft wird von einem gutsituierten BMW-Fahrer auf übelste Weise beschimpft, weil der Notarztwagen für den Einsatz bei einer Frau mit Herzinfarkt die Fahrbahn soweit blockierte, dass er nicht vorbeikam. Nachbarn waren kurz davor die Polizei zu holen, so sehr tobte dieser Mensch. PS: die Frau konnte gerettet werden.

Bahnbedienstete bleiben in den ersten Minuten nach einer Durchsage über Zugverspätungen vorsichtshalber in ihren Kabinen. Praktisch kein Schaffner, welcher nicht bereits von Reisenden auf unflätigste Art beschimpft oder gar tätlich angegriffen worden ist.

Und alle Betroffenen berichten davon, dass die Tendenz zunimmt.

Volkes Zorn wächst!

Verroht unsere Gesellschaft? Immer mehr Studien und viele Aussagen von Psychologen scheinen das zu bestätigen.

Vor über zehn Jahren unterhielt ich mich mit einem Psychologen über die „7 Wege zur Effektivität“. Seine Grundmeinung war zusammengefasst: „Mir gefällt dieser Ansatz sehr, allerdings befürchte ich, dass er insofern etwas Idealistisches hat, weil über 80% der Menschen über den Weg 1 (pro-aktiv sein) nicht hinauskommen!“

Mir erschien diese Aussage damals zu kühn, doch muss ich mittlerweile feststellen, dass die Bedeutung des allerersten Weges aus meiner Sicht immer mehr wächst.

Früher war für mich das Reiz-Reaktion-Prinzip eher eine Selbstverständlichkeit und ich sah die Themen „Das Wichtigste zuerst“ oder „Synergien schaffen“ als die eigentlichen Hürden zu einem dauerhaften Erfolg und Zufriedenheit an. Aber je älter ich werde merke ich, es ist der Umgang mit externen Reizen, bei dem irgendwie alles anfängt.

Reize haben wir ständig um uns herum. Gemeint sind damit all die Einflüsse, die uns emotional aufwühlen, weil irgendetwas nicht so läuft, wie wir uns das vorgestellt haben. (Denken Sie an den BMW-Fahrer)

Der Reiz ist da (Zug hat Verspätung, Fahrbahn gesperrt, Hilfe vom Call center kann nicht adhoc erledigt werden, irgend eine E-Mail ärgert uns…. etc.) und die negativen Gefühle kochen hoch…… soweit noch alles normal….. schließlich sind wir Menschen mit Empfindungen und keine seelenlose Roboter.

Entscheidend ist aber, wie man nach Eintreffen des Reizes nun handelt – und hier gibt es wohl zwei große Alternativen: 1. Man handelt noch während der Emotion oder 2. man wartet mit dem Handeln, bis die Emotion abgekühlt ist und entscheidet dann in Ruhe über die nächste Aktion (vielleicht reagiert man dann auch gar nicht….)

Dies setzt voraus, dass es zwischen Reiz und Reaktion einen Raum gibt, in dem man die Wahl hat. Wir wissen mittlerweile, dass das Prinzip der freien Wahl überhaupt in Zweifel gezogen wird und zumindest ein Großteil der Entscheidungen vom Gehirn automatisch ablaufen.

Dennoch glaube ich daran, dass man in vielen Situationen nach Eintreffen des Reizes die berühmte „Pausentaste“ drücken kann und mit der Handlung abwartet. Dann steht man nämlich in der Straße mit seinem BMW, muss zu einem dringenden Termin (man ist vermutlich mal wieder zu spät losgefahren) und jetzt blockiert dieser Notarztwagen die Durchfahrt. Könnte der BMW-Fahrer auch nach einer kurzen Gefühlswallung nicht innerlich die Pausentaste drücken und sich den Gesamtkontext der Situation vergegenwärtigen? Was würde sich dann verändern, wenn er mit etwas mehr Ruhe seine Situation mit der eines totkranken Mitmenschen ins Verhältnis setzt?

Wir können das natürlich nicht beantworten, weil Menschen entscheiden wie sie entscheiden – aber soweit das möglich ist, halte ich es für absolut relevant und notwendig, dass das Prinzip der „Pausentaste“ den Menschen wieder näher gebracht wird und sie sie wieder häufiger einsetzen.

Natürlich geht das Problem tiefer, denn man muss sich letztlich fragen: was veranlasst eine so hochentwickelte Gesellschaft wie die unsrige so dünnhäutig und empfindlich zu werden?  War das nicht der Plan, sich soweit von den Mindestanforderungen für das Überleben zu entfernen, dass man in Ruhe seiner Bestimmung nachgehen kann?

Haben Sie nicht auch den Eindruck, dass die Menschen um Sie herum immer häufiger jammern und über ihr Leid klagen? Wird nicht schneller nach einem Richter oder einer Instanz gerufen, um für Ordnung zu sorgen?

Meine persönliche Meinung ist, dass die Empfindlichkeit daher rührt, dass wir mittlerweile sehr wohl wahrnehmen, wie hoch wir als Gesellschaft bereits gestiegen sind und das Gefühl der Stagnation (wohin sollte man sich auch noch hinentwickeln…) uns langsam in Unruhe oder gar Angst versetzt.

Wir haben viel zu verlieren. Niemand garantiert uns irgendetwas mehr. Die Versprechen der Politik greifen nicht mehr („die Renten sind sicher“). Es herrscht das Gefühl der Zerbrechlichkeit.

Möglicherweise liegen die Ursachen für die Reizbarkeit noch tiefer, aber ich denke, mit diesem Ansatz kommt man schon sehr weit.

Was kann man also tun, um sich von dieser Aufgeregtheit nicht anstecken zu lassen?
Mein Tipp: Weg 7 täglich in der Früh anwenden: Die Säge zu schärfen. Ein wenig für den Körper tun, eine Kleinigkeit lesen, seine Liebsten bewusst wahrnehmen und mit ihnen konzentriert interagieren und eine kurze sprituelle Tagesplanung machen.

Ich könnte wetten, dass unser lieber erwähnter BMW-Fahrer sich völlig anders verhalten würde…..

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