Wir brauchen eine neue Erzählung!

Ich lese mal wieder ein für mich interessantes Buch: „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ von Yuval Noah Harari.

Zwar habe ich erst die beiden ersten Lektionen hinter mir, doch muss ich zugeben, dass sie mich sehr beschäftigen.

Die erste Lektion heißt „Desillusionierungdas Ende der Geschichte wurde vertagt“ und die Zweite hat den Titel „Arbeit – wenn Du erwachsen wirst, hast Du vielleicht keinen Job“.

In der zweiten Lektion beschäftigt mich am meisten die Aussage, dass der Mensch zwei wesentliche Fähigkeiten besitzt: körperliche und kognitive Fähigkeiten. Immer wieder wird diskutiert, ob die Technisierung nicht zu einer Massenarbeitslosigkeit führt. Bislang ist das nicht der Fall – im Gegenteil – die Zahl der Arbeitsplätze wächst stetig – allerdings nicht in körperlichen Berufen – hier haben uns die Maschinen längst den Rang abgelaufen – sondern in kognitiven Berufen. Noch haben die Menschen hier gegenüber den Maschinen einen klaren Vorteil. Und wieder wird diskutiert, ob die kommende Digitalisierung zu einer Massenarbeitslosigkeit führt und nun gibt es wieder zwei Lager: die einen sagen – „nein! warum auch – die Vergangenheit hat ja gezeigt, dass es immer anders kommt.“ Die anderen sagen – „und ob! denn diesmal ist alles anders! Wenn die Machine uns nicht nur die körperlichen Tätigkeiten abnimmt, sondern mit dem Fortschreiten der Künstlichen Intelligenz auch noch die kognitiven Fähigkeiten ersetzt werden, dann bleibt für schlicht nichts mehr zu tun!“.

Ich fürchte – die zweite Fraktion hat Recht und wenn man die verschiedenen Beispiele die Harari aus den Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz beschreibt zu Gemüte führt, dann kann einem wirklich anders werden.

Und das bringt mich nun zurück zur Einstiegslektion, in der er über die aktuelle Desillusionierung der Menschen philosophiert.

Seine zentrale Lektion hier: Menschen lieben Erzählungen – insbesondere solche, die ihnen Orientierung für das Leben geben. Die wohl bekannteste und einflussreichste Erzählung für einen Großteil der Menschheit ist und war die Bibel – zumindest bis zur Aufklärung.

Harari bringt nun für unsere heutige Zeit – frei wiedergegeben – eine sehr treffende Aussage:

1930 standen den Menschen (primär in der entwickelten Welt) drei Erzählungen für ein erfolgreiches Leben zur Auswahl: der Faschismus, der Kommunismus und der Liberalismus.“

Spätestens mit Che Guevara gab es nur noch zwei ernst zu nehmende Erzählungen: den Kommunismus und den Liberalismus.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gab es in den letzten 30 Jahren nur noch eine relevante Erzählung – die des Liberalismus. Scheinbar hat es sich durchgesetzt, dass die Freiheit des Menschen und der damit verbundene ungezügelte Kapitalismus das non-plus-ultra für die positive Entwicklung der Menschen hin zu Wohlstand und Zufriedenheit darstellt.

2018 hat sich auch diese Erzählung mehr oder weniger in Luft aufgelöst! Die Freiheitsgrade in allen Lebensbereichen bringen offenbar alles in Schieflage. Die Schere zwischen Arm und Reich wächst dramatisch, die Unternehmen tun alles, um Steuern zu vermeiden, die für die gesunde Entwicklung von Staaten aber unablässig sind und der allgemeine Anspruch jedes Menschen in unserer zivilisierten Welt „ich darf alles“ (z.B. zum Shoppen über das Wochenende nach Dubai fliegen) bringt unsere Ökologie an seine für uns spürbaren Grenzen.

Harari hat meines Erachtens recht, wenn er sagt, heute haben wir Menschen keine Erzählung mehr zur Hand, die uns eine überzeugende Orientierung liefert – es kommt noch schlimmer! Wir haben nicht nur keine Orientierung, sondern die galoppierende Digitalisierung beraubt uns gleichzeitig auch noch die Hoffnung auf ausreichend Beschäftigung.

Dieser Cocktail aus zwei Elementen macht uns zu schaffen und schürt bei vielen Menschen Ängste und Desillusionierung. Bahn frei für Populisten, um aus dieser Angst Kapital zu schlagen. Willkommen in der kollektiven Gemütslage im April 2019!

Hararis Lektion 1 mit dem Kapitel „Desillusionierung“ hat einen Schwachpunkt! Er fordert völlig zu Recht eine neue Erzählung für uns Menschen ein und zwar eine, welche auch die Bedrohung durch die kommende Digitalisierung einbindet – nur – er selbst liefert hierfür keinerlei Ansätze…

Dabei glaube ich, dass sie bereits existiert!

Ich bin in einem konservativen Wertegerüst aufgewachsen. Meine Eltern haben CDU gewählt, mein Vater war Werksleiter und der Glaube an die Kombination „geht es der Wirtschaft gut – geht es den Menschen gut“ war übermächtig.

Später wurde ich viele Jahre lang Wähler der Liberalen und hatte wirklich den Glauben, der Liberalismus setzt sich weltweit durch.

Ich kann es selbst kaum glauben – aber im letzten Jahr habe ich zum ersten Mal in meinem Leben grün gewählt und würde es im Moment wieder tun.

Und ich denke – es steht klar im Zusammenhang mit der eben beschriebenen These von Harari.

Nachdem der Faschismus – der Kommunismus – und nun – der Liberalismus als heilbringende Erzählung sich verabschiedet haben bzw. sich gerade verabschieden – bleibt aus meiner Sicht nur eine Erzählung übrig: die des „Prinzipialismus“ ( 🙂 . Vielleicht sollte ich noch an der Wortschöpfung arbeiten). Wenn das noch etwas werden soll auf dieser Welt, dann müssen wir uns nach Dingen richten, die universell und zeitlos sind: Prinzipien bzw. Quasi-Grundgesetze eben.

Der Liberalismus ist dabei, die Gans zu schlachten, die eigentlich goldene Eier legt. Die Gans steht dabei für den Planeten und die Umwelt als Grundvoraussetzung für irdisches Leben. Unser Wahn nach den goldenen Eiern zu streben und dabei die Gans umzubringen, bringt uns an den Rand der Existenz – und das muss aufhören!

Die Gans zu erhalten ist eines von solchen Grundprinzipien, um die es letztlich geht, welche in die Köpfe und die Gewohnheiten der Menschen hineingetragen werden müssen.

Der Prinzipialismus muss uns Menschen anleiten, Prinzipien für ein nachhaltiges Leben in den Mittelpunkt unseres Handelns zu stellen – auch wenn das bedeutet, dass es mit empfindlichen Einschränkungen unserer heutigen Lebensweise einhergehen wird und muss.

Denken wir darüber nach, wie eine Erzählung über das Leben mit Prinzipien aussehen kann…. es wird Zeit!

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Die Kunst mit Reizen umzugehen……

Diese Woche las ich im jüngsten Spiegel wirklich erschütternde Berichte von Krankenpflegern, Notärzten, Feuerwehrleuten, Call-Center Mitarbeiterinnen über die Art und Weise, wie schnell und wie oft sie für ihre Arbeit ohne Vorwarnung von anderen Menschen beleidigt oder gar tätlich angegriffen werden.

Eine Notarztmannschaft wird von einem gutsituierten BMW-Fahrer auf übelste Weise beschimpft, weil der Notarztwagen für den Einsatz bei einer Frau mit Herzinfarkt die Fahrbahn soweit blockierte, dass er nicht vorbeikam. Nachbarn waren kurz davor die Polizei zu holen, so sehr tobte dieser Mensch. PS: die Frau konnte gerettet werden.

Bahnbedienstete bleiben in den ersten Minuten nach einer Durchsage über Zugverspätungen vorsichtshalber in ihren Kabinen. Praktisch kein Schaffner, welcher nicht bereits von Reisenden auf unflätigste Art beschimpft oder gar tätlich angegriffen worden ist.

Und alle Betroffenen berichten davon, dass die Tendenz zunimmt.

Volkes Zorn wächst!

Verroht unsere Gesellschaft? Immer mehr Studien und viele Aussagen von Psychologen scheinen das zu bestätigen.

Vor über zehn Jahren unterhielt ich mich mit einem Psychologen über die „7 Wege zur Effektivität“. Seine Grundmeinung war zusammengefasst: „Mir gefällt dieser Ansatz sehr, allerdings befürchte ich, dass er insofern etwas Idealistisches hat, weil über 80% der Menschen über den Weg 1 (pro-aktiv sein) nicht hinauskommen!“

Mir erschien diese Aussage damals zu kühn, doch muss ich mittlerweile feststellen, dass die Bedeutung des allerersten Weges aus meiner Sicht immer mehr wächst.

Früher war für mich das Reiz-Reaktion-Prinzip eher eine Selbstverständlichkeit und ich sah die Themen „Das Wichtigste zuerst“ oder „Synergien schaffen“ als die eigentlichen Hürden zu einem dauerhaften Erfolg und Zufriedenheit an. Aber je älter ich werde merke ich, es ist der Umgang mit externen Reizen, bei dem irgendwie alles anfängt.

Reize haben wir ständig um uns herum. Gemeint sind damit all die Einflüsse, die uns emotional aufwühlen, weil irgendetwas nicht so läuft, wie wir uns das vorgestellt haben. (Denken Sie an den BMW-Fahrer)

Der Reiz ist da (Zug hat Verspätung, Fahrbahn gesperrt, Hilfe vom Call center kann nicht adhoc erledigt werden, irgend eine E-Mail ärgert uns…. etc.) und die negativen Gefühle kochen hoch…… soweit noch alles normal….. schließlich sind wir Menschen mit Empfindungen und keine seelenlose Roboter.

Entscheidend ist aber, wie man nach Eintreffen des Reizes nun handelt – und hier gibt es wohl zwei große Alternativen: 1. Man handelt noch während der Emotion oder 2. man wartet mit dem Handeln, bis die Emotion abgekühlt ist und entscheidet dann in Ruhe über die nächste Aktion (vielleicht reagiert man dann auch gar nicht….)

Dies setzt voraus, dass es zwischen Reiz und Reaktion einen Raum gibt, in dem man die Wahl hat. Wir wissen mittlerweile, dass das Prinzip der freien Wahl überhaupt in Zweifel gezogen wird und zumindest ein Großteil der Entscheidungen vom Gehirn automatisch ablaufen.

Dennoch glaube ich daran, dass man in vielen Situationen nach Eintreffen des Reizes die berühmte „Pausentaste“ drücken kann und mit der Handlung abwartet. Dann steht man nämlich in der Straße mit seinem BMW, muss zu einem dringenden Termin (man ist vermutlich mal wieder zu spät losgefahren) und jetzt blockiert dieser Notarztwagen die Durchfahrt. Könnte der BMW-Fahrer auch nach einer kurzen Gefühlswallung nicht innerlich die Pausentaste drücken und sich den Gesamtkontext der Situation vergegenwärtigen? Was würde sich dann verändern, wenn er mit etwas mehr Ruhe seine Situation mit der eines totkranken Mitmenschen ins Verhältnis setzt?

Wir können das natürlich nicht beantworten, weil Menschen entscheiden wie sie entscheiden – aber soweit das möglich ist, halte ich es für absolut relevant und notwendig, dass das Prinzip der „Pausentaste“ den Menschen wieder näher gebracht wird und sie sie wieder häufiger einsetzen.

Natürlich geht das Problem tiefer, denn man muss sich letztlich fragen: was veranlasst eine so hochentwickelte Gesellschaft wie die unsrige so dünnhäutig und empfindlich zu werden?  War das nicht der Plan, sich soweit von den Mindestanforderungen für das Überleben zu entfernen, dass man in Ruhe seiner Bestimmung nachgehen kann?

Haben Sie nicht auch den Eindruck, dass die Menschen um Sie herum immer häufiger jammern und über ihr Leid klagen? Wird nicht schneller nach einem Richter oder einer Instanz gerufen, um für Ordnung zu sorgen?

Meine persönliche Meinung ist, dass die Empfindlichkeit daher rührt, dass wir mittlerweile sehr wohl wahrnehmen, wie hoch wir als Gesellschaft bereits gestiegen sind und das Gefühl der Stagnation (wohin sollte man sich auch noch hinentwickeln…) uns langsam in Unruhe oder gar Angst versetzt.

Wir haben viel zu verlieren. Niemand garantiert uns irgendetwas mehr. Die Versprechen der Politik greifen nicht mehr („die Renten sind sicher“). Es herrscht das Gefühl der Zerbrechlichkeit.

Möglicherweise liegen die Ursachen für die Reizbarkeit noch tiefer, aber ich denke, mit diesem Ansatz kommt man schon sehr weit.

Was kann man also tun, um sich von dieser Aufgeregtheit nicht anstecken zu lassen?
Mein Tipp: Weg 7 täglich in der Früh anwenden: Die Säge zu schärfen. Ein wenig für den Körper tun, eine Kleinigkeit lesen, seine Liebsten bewusst wahrnehmen und mit ihnen konzentriert interagieren und eine kurze sprituelle Tagesplanung machen.

Ich könnte wetten, dass unser lieber erwähnter BMW-Fahrer sich völlig anders verhalten würde…..

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Das Schicksal von Gerry Weber – Micromanagement Teil 2

Ich lese aufmerksam Geschichten über das Schicksal von Unternehmen. Ich habe eine besondere Beziehung zu diesen Institutionen, denn sie befriedigen Bedürfnisse von Menschen und liefern die Steuereinnahmen, die für die gesunde Entwicklung einer Nation relevant sind.

Rund um die Stadt Halle in Westfalen wird es bald viele traurige Menschen geben, denn das örtliche Unternehmes-Flagschiff – Gerry Weber – hat Insolvenz angemeldet. Was soll nun werden aus dem Standort, dem übergroßen Logistikzentrum, den vielen Dienstleistungseinrichtungen die von der Firma gelebt haben, dem weltweit beachteten Vorbereitungstennisturnier für Wimbledon?

Noch ist die Sache nicht entschieden, doch man weiß bereits eine Menge über die Umstände des Niedergangs des deutschen Modehauses. Und im Zentrum steht der Patriarch – wie sollte es auch anders sein – namens Gerhard Weber.

Er gründete als typischer deutscher Unternehmer sein erstes Modegeschäft in den 80er Jahren, entwarf stilvolle Frauenmode und legte mit der Verpflichtung von Steffi Graf seinen ersten – und letztlich größten – Marketing-Coup auf die Bretter der deutschen Wirtschaft.

Ich finde den Aufstieg von Unternehmen faszinierend – aber noch faszinierender finde ich es, wenn der Aufstieg in einen dauerhaften Erfolg umgemünzt werden kann. Dies ist Gerard Weber wohl nicht gelungen.

Letztlich lassen sich hier für unser Forum zwei Dinge lernen:

1. „Ohne Gerhard geht es nicht“

Kann man den Insiderberichten glauben, dann ging ohne Gerhard Weber im Unternehmen gar nichts. Überall mischte er sich in das operative Geschehen ein und gilt somit auch als ein Paradebeispiel für das Thema „Micromanagement“. Diese Sorte Führungskräfte gefallen sich in dem Gefühl, dass sie die wichtigste Rolle im Gelingen des Unternehmens darstellen. Keine relevante Entscheidung ohne ihr Zutun. Immer und überall gleichzeitig auftauchen und nach dem Rechten sehen. Zwar zog er sich in den letzten Jahren – er ist heute immerhing 77 Jahre alt – in den Aufsichtsrat zurück, doch sagt ein Zitat von ihm viel über seine Einstellung aus: „Ich bin immer da, wenn die mich rufen!“

Und gerufen haben sie wohl oft in der Firmenzentrale. Die Staffelübergabe an seine beiden Söhne gilt als gescheitert und die Abhängigkeit vom Patriarchen ist offenbar immer noch übergroß.

2. Fehlentscheidungen

Neben dem Führungsverhalten des Eigentümers spielen gravierende Fehlentscheidungen des Unternehmers einer Rolle, die natürlich widerum mit seinem Führungsverhalten zu tun haben. Wenn man schnell wächst, steigt einem der Erfolg und die Anerkennung des Umfelds leicht zu Kopf. Wahrscheinlich hätte der bodenständige Gerhard bei der Gründung seines ersten Geschäfts noch verduzt die Augen gerollt, wenn man ihn gefragt hätte, ob er mal 1 Milliarde Umsatz damit machen möchte.
Viele Jahre später haben seine Augen bei dieser Vorstellung geglänzt und das bricht ihm letztlich das Genick.

Mir kommt dabei sofort die altbekannte Geschichte von der Gans und den goldenen Eiern in den Sinn:
Ein Bauer kommt morgens in den Stall und stellt fest, dass seine Gans ein Ei aus purem Gold gelegt hat. Fassungslos geht er damit zum Juwelier und lässt sich die Echtheit bestätigen und macht es zu Geld. Mit seinen Taschen voller Scheine kann er den nächsten Morgen gar nicht abwarten und – siehe da – seine Gans hatte wiederum ein goldenes Ei gelegt und so nahm die Geschichte über die nächsten Tage und Wochen seinen Lauf. Unser Bauer wurde reicher und reicher und irgendwann wurde die Gier so groß, dass er nicht mehr den ganzen Tag auf das nächste Ei warten wollte. „Das muss sich doch beschleunigen lassen“ dachte er sich, als er mit einem großen Messer am Morgen in den Stall ging, die Gans aufschlitzte, um alle goldenen Eier auf einmal herauszuholen.
Leider befand sich in ihr kein Ei – aber das spielte auch keine Rolle mehr, denn die Gans war tot und ab diesem Moment waren die goldenen Eier Geschichte und das Imperium des Bauern begann seinen Niedergang.

Die Geschichte der Gans und ihren goldenen Eiern ist das Paradebeispiel für die Definition von EFFEKTIVITÄT. Effektiv ist jemand, der die RICHTIGEN Entscheidungen trifft, die einen auch in Zukunft noch Entscheidungen treffen lassen.

Gerhard Weber war offenbar so geblendet von seiner Gier, möglichst schnell eine Milliarde Umsatz zu machen, dass er folgende wesentliche Fehler machte:
– er konzentrierte sich auf den raschen Ausbau der Geschäfte, anstatt innovative Kreationen zu entwickeln. Irgendwann galt Gerry Weber selbst unter Senioren als altbacken.
– er investierte in ein übergroßes Logistikzentrum
– er verschlief den Online-Handel
– mit den Zukäufen anderer Firmen hat er sich schnell übernommen

Natürlich machen Unternehmen strategische Fehler, doch eine aggressive Wachstumsstrategie muss besonders gut gemanaged werden und hier waren die Fähigkeiten des „Allmächtigen“ irgendwann erschöpft.

Jetzt muss er zuschauen, wie sein Lebenswerk zerbricht und möglicherweise in seine Einzelteile zerlegt wird.

Dennoch ziehe ich den Hut vor so viel Unternehmergeist – aber ich hätte ihm gewünscht, er hätte z.B. die „7 Wege zur Effektivität“ irgendwann einmal gelesen und sich mit dem 8. Weg beschäftigt – von der Effektivität zur wahren Größe. Dann hätte er gelernt, wie man das Micromanagement aufgibt und andere fähige Menschen um sich herum wachsen lässt. Dann wäre ihm womöglich einiges erspart geblieben.

Je größer ein Unternehmen wird, desto mehr muss die Verantwortung aufgeteilt werden und desto mehr sind Fähigkeiten rund um die Schaffung von synergetischen Lösungen gefragt.

Die Micromanager haben eine Weile Erfolg – aber dauerhaft, sprich effektiv, ist das einfach nicht.

 

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Die Sache mit den guten Vorsätzen

Willkommen zurück im Neuen Jahr!

Ca. die Hälfte meiner Freunde und Bekannten nehmen sich immer noch konkrete Vorsätze für das Neue Jahr vor. Die andere Hälfte war schon einmal auf dem Trip und hat es mittlerweile aufgegeben. Viel zu frustrierend.

Und in der Tat – zunächst fühlt man sich wohl bei dem Gedanken, etwas Sinnvolles in seinem Leben für sich zu verändern – aber der Frust über das Scheitern wiegt letztlich stärker.

Wie lässt sich das vermeiden?

Da ich in der Regel nur Dinge empfehle, die ich selbst ausprobiert habe, möchte ich heute über ein Erfolgserlebnis berichten.

Im Jahr 2017 war ich erkältungs- und grippebedingt für ca. 20 Tage körperlich schlecht drauf. Das heißt nicht, dass ich die Zeit bettlägerig verbracht hätte, aber die Tage konnte ich in Bezug auf Stimmung, Laune und Arbeitsqualität mehr oder weniger abschreiben.

Das konnte in 2018 nicht so bleiben! – also schon war er geboren, der gute Vorsatz für’s nächste Jahr: mehr Bewegung, gesündere Ernährung, mehr Schlaf, bessere Planung etc etc.

Hätte ich meinen Vorsatz auf diesem Niveau belassen, würde ich heute mit 100%iger Sicherheit nicht von einem Erfolgserlebnis berichten können.

Hinter einer konsequenten Umsetzung stecken vier Grundgesetze und wenn ich jedem Grundgesetz einen Punkt gebe, dann kann ein erfolgreicher Jahresvorsatz demnach maximal 4 Punkte ergattern.

Den Vorsatz, wie ich ihn eben beschrieben habe – und der dürfte für 90% aller Jahresvorsätze repräsentativ sein – kommt aber nur auf einen halben Punkt (!) und das ist der Grund, warum er gescheitert wäre!

Grundgesetz der Umsetzung No 1: Fokus auf ein messbares Ergebnisziel

Ein Ziel liefert den eigentlich Nutzen, um den es in Wahrheit geht. Ohne ein solches Ziel, Weiterlesen

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Die Kraft der Wertschätzung

Ich habe einen “blind spot” – ich gebe es unumwunden zu!

Ich respektiere offensichtlich nicht jeden Menschen in dem Maße, wie es sich eigentlich gehört – und das hat natürlich wie immer im Leben seine Konsequenzen.

Meine beiden Töchter haben mich schon früher immer mal im Restaurant darauf aufmerksam gemacht, ich solle nicht so unleidlich sein, wenn es mal nicht so schnell geht, wie ich mir das vorstelle. Und das stimmt schon – ich habe hohe Ansprüche an Aufmerksamkeit mir gegenüber wenn ich im Cafe oder im Restaurant sitze. Allerdings nicht die ganze Zeit! Nur am Anfang und am Ende. Ich möchte, dass ich schnell bedient werde und das Bestellte möglichst zügig kommt und ich möchte nicht lange auf die Rechnung warten. Ist das denn zuviel verlangt? Ich finde, da kann man schon mal grimmig werden, wenn eines der drei genannten Dinge nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle.

Im Grunde berührt das den Kern aller menschlichen Konflikte: Dinge laufen nicht so, wie man das wünscht oder braucht! (ein Hoch auf die Menschen, die mit dieser “Lücke” zwischen Wunsch und Wirklichkeit souverän umgehen können!!)

Aber heute bleibe ich einfach mal beim Thema Servicepersonal.

Die beste Geschichte, die mir in diesem Zusammenhang jemals passierte, spielte sich in einem China-Restaurant ab. Ich wollte ein Bier nachbestellen und winkte ewig lange dem Kellner zu. Als er mich nach einer gefühlten Ewigkeit endlich wahrnahm, strahlte er mich aus der Entfernung an, winkte mir freundlich zurück und ging an einen anderen Tisch.

Ich habe ein echtes Problem – ich gebe es hier zu: ich werde im Restaurant oder im Cafe gern vom Servicepersonal übersehen. Es passiert immer wieder, dass Tische, die später besetzt werden, früher bedient werden als meiner. Ein furchtbares Gefühl!

Darunter leide ich sehr und ich habe schon überlegt, ob ich mich in Therapie begeben sollte….

Aber im Ernst…. es beschäftigt mich und ich habe mir eine plausible Erklärung jahrelang gebastelt, die mich etwas getröstet hat: ich bin einfach zu nett! Ich meinte zu beobachten, dass die Gäste, die streng mit dem Personal umgehen, auch prompt bedient wurden, während ich mit meiner Nettigkeit schlicht in der Aufmerksamkeit untergehe.

So ist das mit den netten Menschen – die kommen nie richtig zum Zuge. Traurig eigentlich!

Und so vergingen die Jahre zwischen Leid und innerem Trost , bis mich meine Frau vor ein paar Wochen darauf aufmerksam machte, dass ich mit dem Servicepersonal sehr oft keinen Blickkontakt aufnehme – weder beim Bestellen noch beim Bezahlen oder bei anderen Interaktionen. Nicht immer – aber doch sehr oft!

Das gab mir zu Denken! Warum tue ich das nicht? Warum kann ich so oft dem Servicepersonal nicht direkt und offen in die Augen schauen? Fühle ich mich insgeheim in der Kunden-Dienstleistersituation als Kunde einfach als wichtiger und vergesse plötzlich Weiterlesen

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Die 5 Ebenen der Führung – oder – wer folgt mir eigentlich, und warum?

Ich bin ja stets auf der Suche nach ganz praktischen Hilfestellungen, die es Managern ermöglicht in ihrer Führungsrolle zu wachsen. Am Flughafen von Newark bin ich mal wieder fündig geworden: ein kleines unscheinbares Büchlein mit dem vielsagenden Titel “How successful people lead” von John C. Maxwell. Wie gemacht für einen 6-stündigen Rückflug, bei dem ich ohnehin nicht schlafen kann.

Um es gleich vorweg zu nehmen – mir gefällt der Ansatz von ihm, denn er ist recht logisch, übersichtlich und weitestgehend stimmig – zumindest nach einem ersten 4-Augen-Check durch mich und meinen lieben Mitstreiter in Sachen “Führung” Harald.

Er spricht von 5 Ebenen der Führung:

Unterste Ebene: POSITION – die Menschen folgen Ihnen nur aufgrund Ihrer Position. Sie sind der Boss und deshalb müssen sie Ihnen folgen, um Konsequenzen zu umgehen.

(Wie hoch ist wohl der Prozentsatz von Managern, denen der Großteil der Belegschaft nur aus diesem Grunde freiwillig folgen??)

Ebene 2: ERLAUBNIS – die Menschen folgen Ihnen in erster Linie aufgrund dem guten persönlichen Verhältnis zwischen Ihnen und ihrem Mitarbeiter/ihrer Mitarbeiterin. Irgendwie haben sie es geschafft, eine gute Beziehung zu dem Menschen aufzubauen und dieser Mensch “erlaubt” Ihnen damit die Führung. Sie oder er will es.

Ebene 3: RESULTATE – die Menschen folgen Ihnen in erster Linie aufgrund der Ergebnisse, die Sie in der Vergangenheit mit der Organisation erreicht haben. Menschen lieben es, Teil einer “Gewinner”-Organisation zu sein.

Ebene 4: MITARBEITER ENTWICKLUNG – die Menschen folgen Ihnen in erster Linie für das, was Sie ihnen gegeben haben. Manager, die Menschen gefördert und entwickelt haben, haben selten Probleme, dass MitarbeiterInnen ihnen folgen. Weiterlesen

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Mein bester Moment

Es gibt besondere Momente im Leben – und diese kommen meist mit außergewöhnlichen Gefühlsregungen einher. So geschehen auch in einem großen Konferenzraum einer deutschen Fabrik eines amerikanischen Nahrungsmittelherstellers.

Im Raum befand sich die höchste deutsche Managementriege des Konzerns und sie erwarteten eine fünfzehnminütige Präsentation über die Ergebnisse einer Initiative, die der damalige Fabrikleiter in einer Nacht-und-Nebel-Aktion einführte, um die Performance der Fabrik signifikant zu steigern.

Ich saß als Gast der Veranstaltung in der Nähe des Podiums und konnte sehr gut beobachten, wie die Manager-Riege etwas erstaunt dreinblickte, als der Fabrikleiter Jake (von dem noch die Rede sein wird) nach einer kurzen Begrüßung das Wort an einen seiner Schichtleiter in der Fabrik abgab. So etwas hat es scheinbar in diesen Sphären noch nicht gegeben – anders konnte ich mir das Raunen im Raum nicht erklären.

Ich kannte den Schichtleiter sehr gut aus unserer gemeinsamen Projektarbeit der letzten Wochen und aus einem „7 Habits Kurs“, den der Fabrikleiter vor der besagten Initiative zur Steigerung der Performance als Grundlage für die Veränderungen in der Fabrik für alle Mitarbeiter durchführen ließ.

Da stand er nun – zum ersten Mal in seinem Leben vor einer Riege Entscheidungsträger in Anzug, Schlips und gewienerten Schuhen. Der Raum war totenstill und meine eigene Anspannung konnte ich nur durch einen Griff zum Wasserglas etwas besänftigen. Und dann geschah etwas, was ich den Rest meines Lebens nicht vergessen werde.

Der Mann der noch nie in seinem Leben vor so einem Gremium eine Präsentation hielt, ging zunächst zum Flipchart, nahm einen Stift, und seine allerersten Worte waren: „Meine Herren, was ist das Ergebnis dieser Gleichung?“ während er mit einer Riesenschrift „1 + 1 = ?“ auf das Papier malte.

Fast hätte ich mich am Wasser verschluckt und die Augen der Manager wurden immer größer. Irgendwo aus den hinteren Reihen kam die Antwort „2“ und unser Schichtleiter lächelte und sagte „das dachte ich bisher auch, aber das stimmt nicht immer“.

Und so begann er seine Präsentation und ich sah niemanden mehr verstohlen auf sein Handy schauen, um die neuesten E-Mails abzurufen. Sie alle schauten nach vorne und waren gespannt auf das, was unser Schichtleiter zu berichten hatte.

Er erzählte davon, wie er zum ersten Mal mit den „4 Disziplinen der Umsetzung“ in Berührung kam. Er hatte schon viele Initiativen in seiner Zeit in der Firma kommen und gehen sehen. Aber dieser Ansatz erschien ihm von Anfang an plausibel. Er erzählte davon, wie er von seinem Abteilungsleiter in einer Sitzung für alle Schichtleiter das Abteilungs-WIG , also das absolut wichtigste strategische Ziel, abgeleitet vom WIG der Fabrik vorgestellt bekam und nun vor der Aufgabe stand, für sein Team der Mehl-Verpackung Weiterlesen

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Ist die Säge stumpf, ist der Weg zum Opfer nicht weit…

Sie sind unter uns. Es gibt sie. Sie tragen sogar Anzug und Krawatte und sie gelten eigentlich als die Stützen ihrer Unternehmen:  die nicht unerhebliche Zahl an „Opfern“ in der Riege der Management-Etage.   Sie sind in meiner Rolle schnell zu entdecken: sie sitzen als mittlere Manager entweder gefrustet oder angriffslustig in Seminaren und beschweren sich hörbar während der Mittagessen entweder über die unfähigen Vorstände oder über die unfähigen Management-Berater, die mal wieder angeblich unnötigerweise das Unternehmen auf den Kopf stellen.

Sie sind unter uns. Es gibt nämlich noch welche! Sie tragen auch Anzug und Krawatte und gelten erst Recht als die Stützen ihrer Unternehmen: die Opfer in der obersten Führungsriege eines Unternehmens. Sie sind auch schnell zu entdecken: sie sitzen mit Dir beim Mittagessen oder in Einzelcoachings und jammern über die schlechten Ergebnisse und die Unfähigkeiten ihrer mittleren Manager und der Belegschaft. Sie lamentieren über die Marktentwicklung und darüber, dass sie niemanden mehr haben, der sie in ihren Problemen versteht.

Opfer sind wohl überall in den Unternehmen – und das macht sie wohl nicht sonderlich erfolgreicher….

Nun ist das mit der Opferhaltung ja so eine Sache. So ganz kann man sich ja nicht davon freisprechen.

Gerade letzte Woche war ich wieder Opfer pur. Jedenfalls habe ich meiner spontanen Enttäuschung freien Lauf gelassen und absolut destruktiv gehandelt.  Was war passiert?

Zu meiner Ehrenrettung muss ich vorausschicken, dass das Drama schon am Vorabend begann. Ich liebe es, abends nach einem Seminartag eine Runde Klavier zu spielen – natürlich nur sofern das Seminarhotel auch ein funktionsfähiges Instrument zur Verfügung hat.  Gestern hatten sie — aber — ich durfte nicht!  „Nein – das ginge nicht“, verriet mir der Concierge, „das sei das einzige Stück in diesem Hotel, das der Hotelmanagerin gehören würde. Sie wäre nicht da und er dürfe niemanden ranlassen“. Das war ein herber Schlag für meinen Stolz. Wenn die beiden nur wüssten, wie ich meinen eigenen Flügel zu Hause hege und pflege – aber nein – der Mann traute seinem Gast nicht über den Weg.  (Dass ich den ganzen Tag über den Wert von „Vertrauen“ referiert hatte, konnte er natürlich nicht ahnen…)

Am nächsten Morgen also schickte ich – wie ich das häufig tue – eine Bitte zum Ausdrucken eines Dokuments für meine Seminarteilnehmer per E-Mail an die Rezeption.  In freudiger Erwartung ging ich kurze Zeit später dort hin und fragte die nette Dame (die mich wegen eines Telefonats ewig lange warten ließ) nach der Fertigstellung der Ausdrucke. Sie verdrehte die Augen und gab mir mit knappen Worten zu verstehen, dass sie leider nicht befugt wäre, die E-Mails einzusehen – ihr fehle das notwendige Passwort.

Da war es dann um meine Geduld geschehen und ich machte aufgebracht am Absatz kehrt und zeigte der armen Dame mit meiner Körpersprache sehr deutlich, welch Leid sie gerade über mir ausgekippt hatte.

Opfer sein ist wahnsinnig einfach. Es gibt uns für den Moment auch eine unheimliche Erleichterung, wenn man sich herrlich über den Unbill des Lebens emotional auslassen kann.  Das Dumme: helfen tut das nun mal gar nichts.

In diesem Fall hatte ich keine Ausdrucke für meine Übung, hatte schlechte Laune, die sich Gott sei Dank nicht im Seminar niederschlug und die Dame der Rezeption hat sich sicher auch nicht gut gefühlt und ist vermutlich nicht sonderlich motiviert ihren nächsten Gästen entgegengetreten.

Wir kennen diese Zustände alle und machen das häufig an unserem Charakter fest.  Bei manchen Menschen scheint der Spalt zwischen Reiz und Reaktion von Natur her einfach enger zu sein, als bei anderen souveräneren Gemütern.

Aber einen Faktor übersehen wir leicht:  die Hemmschwelle zur destruktiven emotionalen Handlung wird erheblich niedergedrückt durch unsere Unfähigkeit, uns Zeit zum Säge schärfen zu nehmen.

Wenn mich jemand fragt, auf was man sich konzentrieren sollte, um Zufriedenheit und Erfolg im Leben am ehesten abzusichern oder zu ermöglichen, dann ist es, seine „Säge scharf“ zu halten, wie das Stephen R. Covey in seinem Literatur-Klassiker sehr einprägsam genannt hat.

Das bedeutet, sich a)physisch (Körper, Gesundheit) , b) mental (Wissen),  c) sozial (wichtige Beziehungen und d) spirituell (ist das alles sinnvoll was ich mache) fit zu halten.

Es gibt immer wieder lange Diskussionen darüber, welche der vier Dimensionen eigentlich die Wichtigste sei.

Die Antwort: „Alle gleich – aber das spielt eigentlich keine Rolle, denn für das Säge schärfen nimmt sich sowieso so gut wie niemand ausreichend Zeit…“

Dabei ist das Unterlassen einer scharfen persönlichen Säge der sicherste Weg in die Opferhaltung.

Die These ist einfach:

  • wenn ich körperlich schlecht beieinander bin (wenig geschlafen, schlecht gegessen, wenig Sport gemacht etc.) bin ich definitiv gereizter.  Die Hemmschwelle zur emotionalen Reaktion ist wesentlich niedriger.
  • wenn ich nicht dazu komme, mich mental weiterzuentwickeln und meinen Horizont zu erweitern, sondern immer nur im gleichen Saft schmore, werde ich früher oder später dünnhäutiger, denn ich spüre unterbewusst, dass ich langsam den Anschluß an die Entwicklungen um mich herum verliere.
  • wenn ich wegen Zeitmangel nicht dazu komme, die Beziehungen zu den wichtigsten Menschen in meinem Leben – sei es privat wie beruflich – nicht in Schuss halten zu können, werde ich dünnhäutiger und emotional angreifbarer für die Störfeuer aus dem Alltag
  • und nicht zuletzt,  wenn ich das Gefühl habe, dass die Leiter auf der ich gerade hochmarschiere an der falschen Wand steht, dann macht mich das im täglichen Wirbelwind auch nicht gerade souveräner.

Zusammengefasst:  ist die Säge stumpf, ist der Weg zum Opfer nicht weit.

Dabei ist das Säge schärfen in allen vier Dimensionen vollständig in unserem persönlichen Einfluss!

Was will man eigentlich mehr??? Da ist ein großer Hebel zu mehr Zufriedenheit und kaum einer nutzt ihn!!

Warum nicht?    Ach ja, da war doch was..   ——  „ich hab ja keine Zeit!“  und   „sich aufregen ist ja zudem so schön leicht!“

Wie konnte ich das jetzt nur wieder übersehen?  Entschuldigung meine Leser. War nur so ein netter Gedanke.

Gehen wir lieber wieder Feuer löschen und uns in langweiligen Meetings anöden und dabei nebenbei unwichtige E-Mails bearbeiten…

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Der Moment der Wahrheit – oder – wie man täglich unnötige Niederlagen einsteckt

Der Satz aus meiner Schulzeit den ich nie vergesse, war stets in die Schulbank eingekritzelt und lautete:  „Hier kämpfte ich gegen den Schlaf, und verlor!“

Für mich ist dieser Satz ein Sinnbild für die kleinen Kämpfe die wir täglich ausfechten. Diese kleinen Momente, in denen wir Entscheidungen fällen. Entscheidungen die darüber befinden, ob wir nun etwas wirklich Wichtiges machen, oder doch nur wieder einer Dringlichkeit hinterher laufen.

Heute möchte ich allen eine kleine „Wunderwaffe“ im Kampf gegen die ständigen Ablenkungen an die Hand geben, die es uns ermöglicht, wenigstens einigermaßen unsere wichtigsten Prioritäten nicht unter die Räder kommen zu lassen.

Letztes Wochenende saß ich am Schreibtisch und war dabei, meine Monatsabrechnung vorzubereiten. Es gibt nun einmal Dinge, die sind wichtig – machen aber nicht unbedingt Spaß. Da saß ich also und wühlte in meinen Belegen.  Da klopfte es an der Tür und mein lieber Nachbar Moritz stand im Spalier. Er fragte mich, ob ich ihm beim Transport einer Couch helfen könne – allein wäre es ihm zu schwer.

Was machte der liebe Andreas? Guter Freund wie er ist, stand er auf und transportierte die Couch an seinen gewünschten Platz. Dabei ergab es sich, dass er sich zum Kaffee einladen ließ und ein schönes Stündchen mit seinen Nachbarn verbrachte.  Auf dem Weg zurück in die Wohnung kam er über sein Terrasse und bemerkte das sprießende Unkraut und den Berg Blätter, der sich in der Terrassenecke auftürmte. Schnell mal alles in Ordnung bringen und dann weiter machen. Dass am Ende seiner Arbeiten seine anderen lieben Nachbarn ihn zum Gläschen Wein auf deren Terrasse einlud sei nur am Rande erwähnt. Jedenfalls verstrich die Zeit und als unser Protagonist und Lebenskünstler in seine Wohnung zurückkam, wurde es schon dunkel und die Sportschau schickte sich an, das Bundesligafinale zu übertragen. Das war es dann mit dem produktiven Samstag, schließlich kam zu allem Überfluss danach auch noch der European Song Contest….  (Das Ergebnis können Sie sich ausmalen:  Der HSV ist immer noch nicht abgestiegen, Deutschland hat 0 Punkte kassiert und meine Monatsabrechnung liegt heute noch auf dem Tisch…)

Was ich mit dieser kleinen (wahren) Begebenheit nur ausdrücken möchte, ist die situative Unfähigkeit, im richtigen Moment das Richtige zu tun – dabei ist das manchmal so einfach….

Im Moment als der gute Moritz an die Tür klopfte war der Moment der Wahrheit — im Englischen klingt das fast noch besser:  „the moment of truth“.

In diesem Moment der Wahrheit hätte ich die Wahl gehabt, die berühmte Pausentaste zu drücken.  Aber nein – ich lasse den kleinen Spalt zwischen Stimulus (es klopft) und Reaktion (was ich dann tue) ungenutzt und lasse meiner Hilfsbereitschaft freien Lauf.   Dabei hätte ich die Option gehabt, eine kleine Pause zu machen, bevor ich mich entscheide.  Ich hätte einfach mal kurz in mich gehen können.  Ich hätte darüber hinaus erst einmal eine klärende Frage stellen können.  Ich hätte ihn also fragen können, ob das in einer Stunde auch noch möglich wäre. Oder ich hätte ihn fragen können, ob er noch andere Alternativen sähe, denn ich bin gerade mit einer wichtigen Angelegenheit beschäftigt.

Die erste Pause – das Durchschnaufen – und die ein oder zwei klärenden Fragen danach hätten zwei Dinge bewirkt:  Moritz bemerkt, dass ich mich mit seinem Ansinnen auseinandersetze und nicht einfach Nein sage – und – ich habe genug eigene Zeit, die für mich RICHTIGE Entscheidung zu treffen. Erst jetzt kann ich nämlich entscheiden: gehe ich gleich mit ihm mit, oder später oder gar nicht. Und selbst, wenn er die Fragen mit „nein“ beantwortet hätte, hätte ich ein besseres Gewissen, selbst „Nein“ zu seinem Ansinnen zu sagen, und mich wieder meiner geplanten Monatsabrechnung zuzuwenden.

Vielleicht werden einige Leser jetzt denken, ich würde die Nachbarschaftsbeziehung durch eine Enttäuschung belasten. Aber es gibt nun mal ein sehr wirksames Gegenargument:  Wer verliert eigentlich, wenn man den dringlichen Ablenkungen immer nachgibt und jeder E-Mail, jedem Telefonat, jeder SMS, jedem „Andreas, hast Du mal 5 Minuten?“ hinterherläuft?

Antwort:  ALLE verlieren!!  Nicht nur ich verliere, weil meine eigene wichtige Angelegenheit auf der Strecke bleibt, sondern auf Dauer auch alle um mich herum, weil ich Souveränität verliere, den wichtigen Dingen früher oder später unter Druck hinterher hetzen muss, ich müde werde und meine „Performance“ in Qualität und Quantität meiner Arbeit zwangsläufig sinkt. Dann verlieren alle.

Und das muss man sich immer vor Augen führen: Wen man sich nicht ausreichend die Zeit für die wirklich wichtigen Dinge selbst nimmt, dann verlieren alle!

Seit ich mir diese simple Formel:  Dringliches Anliegen – Pause – Frage – Entscheidung   mehr bewusst mache und sie immer öfter anwende, seit dem geht es mir einfach besser.  Ich erledige wichtige Dinge häufiger als früher und Moritz wird merken, dass ich nicht immer „Nein“-sage, sondern situativ die RICHTIGE Entscheidung treffe. Komischerweise hat mein Umfeld damit kein Problem.

Der nächste Moment der Wahrheit kommt so sicher wie das Amen in der Kirche!

 

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Die Macht der Pausentaste

Sie ist einfach nicht totzukriegen – zum Glück!  Die Pausentaste!

Das Schöne an der Pausentaste bei meinen technischen Geräten –  im Gegensatz zur Stopp-Taste –  ist ja, dass man am selben Punkt weitermachen kann, an dem man aufgehört hat.   Bei der Pause geht es also nie darum, etwas zu beenden, sondern lediglich eine Unterbrechung herbeizuführen.

Wenn wir sie an unseren technischen Geräten verwenden, dann nehmen wir uns meist notgedrungen Zeit für andere Arten von Unterbrechungen wie,  auf’s Klo gehen, ein Telefonat zu beantworten oder auf eine Anfrage von außen zu reagieren.

Aber die Pausentaste hat ihre größte Wirkung in unserem Alltag und ich bin immer wieder froh, wenn sie in unser Bewusstsein gelangt – auch wenn man sie nicht immer so nennt.

Im Augenblick heißt sie „Achtsamkeit“.

Gerade sitze ich im Zug zurück nach München und lese einen interessanten Artikel in der Frankfurter Sonntagszeitung über dieses angebliche neue Phänomen, dessen Ursprünge schon Jahrtausende alt ist.  In der FAS geht es bei der Überschrift „Der erleuchtete Angestellte“ darum, dass Banker meditieren, die Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank Yoga machen und ganze Abteilungen sich in sogenannter Achtsamkeit üben.  So versuche der Kapitalismus, fernöstliche Spiritualität für seine Zwecke auszubeuten.  Könne das funktionieren? so der Artikel.

Und gestern las ich in einem wirklich mehr als zeitgenössischem Blatt namens „flow“ ein Interview mit Mark Wiliams, einem Psychologieprofessor an der Universität Oxford, der die „Mindfulness-Based Cognitive Based Therapy“ erfunden hat.  Ein Training für mehr Achtsamkeit, das Menschen hilft, das Leben gelassener und unbesorgter zu meistern und Dinge weniger negativ zu sehen. Er ist wohl auf diesem Gebiet ein Vorreiter in der wissenschaftlichen Welt.

Die Achtsamkeit ist ständig um uns herum – und das ist wohl gut so. Wundern Sie sich also nicht, Weiterlesen

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