Schlagwort – ein Schritt zu mehr Ordnung

Aufgrund der Pandemie habe ich relativ viel Zeit. Also nutze ich sie, um einmal mehr Ordnung in meinen Systemen zu schaffen.

Ein Zauberwort dabei lautet: Schlagworte!

Vor zwei Jahren bin ich bereits dazu übergegangen, auf meinem PC sämtliche Ordner und Unterordner über Bord zu werfen und nur noch in einem allgemeinen Ordner zu arbeiten. Ein Dateiordner, auf der Cloud gespeichert und derzeit mit über 15.000 Dateien belegt.

Das funktioniert natürlich nur deshalb, weil ich jede Datei mit einem oder mehreren Schlagworten versehen habe. Habe ich also eine Powerpoint-Datei, die ich für meinen Geschäftspartner FranklinCovey einsetze und bei der es sich um die „4 Disziplinen der Umsetzung“ handelt, so bekommt die Datei beim Abspeichern die Schlagworte „FC“ und „4DX“ verspasst. Das Schlagwort „ppt“ habe ich mittlerweile gespart, weil man auch gut über „*.ppt“ selbst im Explorer suchen kann.

Man muss zugeben, dass auf dem MAC die Sache einfacher ist. Aber selbst unter Office und Explorer funktioniert es einigermaßen gut, man muss nur einen Extra-Klick anwenden beim Abspeichern und „Optionen“ verwenden, bevor man den Begriff „Markierung“ für seine Schlagworte verwenden kann. Im Explorer unter der Suchfunktion trägt man dann z.B. ein: „markierung: 4dx fc ppt“ und würde genau die Datei finden, die ich eben erwähnt habe.

Seit ich das so anwende, haben sich meine Suchzeiten und die Zeiten für die Erstellung von Doppelinhalten (weil ich die Vorlage natürlich nicht gefunden hatte) drastisch reduziert.

Gleiches habe ich vor ein paar Wochen bei meinen FOTOS auf dem iPhone (iPAD) angewendet. Die angelegten Fotoalben haben mich immer genervt und ich habe sie so gut wie nie verwendet. Auf der anderen Seite sitzt man mit Freunden zusammen und will spontan ein Foto zeigen und kramt dann in über 12000 Fotos herum und findet nichts.

Auch das hat jetzt mit Schlagworten ein Ende. Zugegeben, es ist jetzt erst einmal ein Aufwand, jedes der 12500 Fotos diesen „Tags“ zuzuordnen – aber es wird sich lohnen. Mein bisheriger Frust und meine Suchstunden der Vergangenheit stehen hier in keinem Zusammenhang.

Die dritte Anwendung liegt in meinem Evernote.

Für alle die es nicht kennen. Evernote ist/war eine gute unabhängige Cloud-Plattform, um Dokumente, Notizen etc. abzuspeichern und zu organisieren. OneNOTE von Microsoft wird ihnen wohl auf Dauer den Rang ablaufen, aber ich benutze es vorwiegend für meine eingescannte Post.

Mein Scanner am Schreibtisch oder die Scan-App auf meinem iPhone sind direkt mit Evernote in Verbindung und jeder Postverkehr wird gescannte und neuerdings mit Schlagworten versehen.

Auch hier wirken die Schlagwörter wahre Wunder.

Jetzt würden mir als Anwendung hierfür nur noch E-Mails fehlen und ich wäre wirklich happy. Derzeit liegt fast alles nur noch in der Inbox, nachdem mich auch das Verwalten von Unterordnern und das Managen von Regeln völlig an den Rande des Wahnsinns getrieben haben.

Wer es sich leisten kann, sollte das Prinzip „Schlagwörter“ ruhig einmal ausprobieren.

Viel Vergnügen und eine glückliche Hand bei der Art und Weise, wie Sie die wertvoll gewonnene Zeit durch die Schlagwortsuche nutzen!

„Europe talks“ – Jochen Wegner und die Wirkung offener Menschen

Beeindruckende Momente sind meist Glücksmomente.

Sie werden bei mir häufig durch die Natur verursacht – aber es gibt auch Menschen, die dies auszuüben vermögen.

Gestern ist mir einer dieser Momente widerfahren und heute früh kurz vor dem Aufstehen wieder – und interessanterweise sind beide Momente mit ein und der selben Person verknüpft. Es geht um Jochen Wegner.

Jochen Wegner ist Chefredakteur von ZEIT online und bis vor ca. drei Monaten war mir dieser Mann völlig unbekannt.

Das änderte sich auf dem Weg in unseren diesjährigen Corona-Sommerurlaub, der uns nicht wie geplant in die Toskana, sondern nach Thüringen verschlagen hat.

Auf der Fahrt hörten wir die Podcast-Aufzeichnung des Bayern2 Mittagsgesprächs an und es ging um die Frage nach den beliebstesten Podcasts im Lande.

Eigentlich dachte ich seit Längerem, dass Podcasts etwas Antiquiertes anhaftet. Es gibt sie schon gefühlt ewig, der Name PODCAST selbst ist furchtbar und wer hört sich denn wirklich Audiokonserven noch an.

Aber ich wurde mal wieder eines Besseren belehrt!

Natürlich ist jeder Anrufer bei einem solchen Thema überzeugt von dem, was sie oder er vorschlägt, aber man kann ja mal offen sein und einige der Vorschläge ausprobieren.

Besonders interessant fand ich das Format „Alles gesagt“ von den beiden ZEIT Leuten Jochen Wegner und Christoph Amend, der das ZEIT Magazin verantwortet.

Deren Idee ist simpel aber bestechend: sie laden einen interessanten Gast zum Interview ein und nur der Gast hat das Recht, das Gespräch durch Nennung eines am Anfang vereinbarten Codewortes zu beenden. Fällt das Codewort, ist das Gespräch schlagartig beendet. (Ulrich Wickert passierte das in seiner herrlich trampeligen Art aus Versehen und nach ca. 13 Minuten war Ende)

So fuhren wir Richtung Thüringen und lauschten gemeinsam dem 3-er Gespräch mit Dunja Hayali, der bekannten ZDF-Moderatorin. Dieses Gespräch begleitete uns auf jeder Autofahrt bin fast wieder zur Heimkehr, denn es dauerte sage und schreibe über 8 Stunden!

Wer jetzt stöhnt und denkt „Meine Güte, 8 Stunden reden und zuhören… völlig ausgeschlossen in unserer schnellen Info-Häppchen-Welt“, der irrt. Es war pures Vergnügen über eine solche lange Strecke Menschen zuzuhören, die etwas zu sagen haben und gesittet und klug miteinander umgehen können.

Jochen Wegner und sein Kollege machen das großartig und ich habe in den letzten Monaten zusammengezählt nun bereits Tage mit den Gesprächen von „Alles gesagt“ verbracht – und – und das halte ich für wesentlich – nicht nur viel gelernt, sondern auch meine Meinung über Menschen geändert.

So ist Alice Schwarzer für mich nicht mehr die Unerträglichkeit in Person, Thomas de Maizère hat sich innerhalb von vier Stunden von einem spröden Politiker zu einem überaus witzigen und klugen Menschen entwickelt und man erkennt , dass hinter der It-Girl-Fassade von Lena Meyer-Landruth ein reifer Charakter steckt.

Nun zurück zu meinen jüngsten Momenten des Beindrucktseins.

Für die Autofahrt zu einem der aktuell dünn gesäten Live-Gespräche mit Kunden schaute ich auf der Gesprächsliste von „Alles gesagt“ nach und stieß einen kleinen inneren Jubelschrei aus, als ich den Namen der jüngsten Episode las: „Yuval Harari“.

Ich habe über ihn schon einmal in einem meiner Texte hier berichtet und die anderthalb Stunden Autofahrt für die Strecke Harmating – Landsberger Straße und retour verflogen wie nichts.

Ich halte diesen Menschen im Moment für den klügsten Geist den ich kenne, weil er es versteht, die Grundprinzipien des Lebens auf sehr einfache Formeln zu bringen, er einen sehr unverstellten Blick auf die Realität hat und/aber dabei den Glauben an die Menschheit dabei nicht verliert.

Auch wenn Christoph Wegner und sein Kollege im Englischen etwas radebrechen, so bin ich ihnen allein für diese dreieinhalbstündige Erfahrung und gut verbrachte Lebenszeit einfach nur dankbar.

Wie mein YouTube-Algorithmus nun so drauf ist, bietet er mir heute Früh einen Mitschnitt eines TED-Vortrages von Jochen Wegner wohl aus dem Jahr 2019 an und dieser Vortrag hat mich so berührt, dass ich es wert halte, darüber zu schreiben und festzuhalten.

Ich will nicht viel verraten – aber es beeindruckt mich zutiefst aus folgenden Gründen:

  1. simple Ideen haben mal wieder große Wirkung
  2. Veränderung entsteht selten allein sondern immer in einem Team (in diesem Fall der Redaktion von ZEIT-online)
  3. Gute Führung bedeutet, kleinen Ideen Raum zur Entfaltung zu geben, auch wenn kein Budget vorhanden ist
  4. Menschliches friedliches Zusammensein ist doch gar nicht so schwer…

Viel Vergnügen beim TED-Talk von Jochen Wegner

Jesus und Dwayne – starke Männer haben immer Konjunktur

Viele Leser wissen mittlerweile, dass ich manchmal sehr irrationale Dinge tue. So auch zuletzt, in dem ich zwei Stunden meiner wertvollen Restlebenszeit mit einem ärgerlichen Film verbracht habe.

Der Film heißt „Skyscraper“ und ist eine Art Remake des von mir heiß geliebten Filmklassikers „Flammendes Inferno“ aus dem Jahr 1974.
Im Flammenden Inferno traten u.a. auf: Steve McQueen, Paul Newman, Faye Dunaway, Fred Astaire und andere echte Kaliber.
In Skyscraper tritt auf: Dwayne Johnson – auch genannt „The Rock“ —— und eigentlich ist damit fast schon alles erzählt.

Ich möchte meine heutigen Gedanken nicht ausschließlich mit einer Filmkritik zubringen, sondern sie drehen sich mehr um den Umstand, wie wir männliche Helden weiterhin glorifizieren und was das mit unserer Gesellschaft eigentlich tut.

Nur soviel zum Verständnis des Films:
Dwayne Johnson spielt einen Sicherheitsingenieur, der im Auftrag eines Hong-Kong-Milliardärs die Einweihung des höchsten Gebäudes der Welt sicherstellen soll. Während dieses Auftrags wohnt die – natürlich – zuckersüße Familie von Dwayne im 90. Stock des über 280 Stockwerke zählenden Hauses, das kurz vor Eröffnung zur bis zum 88. Stock bewohnt wird.
Ein Team von Terroristen legt im 89. Stock Feuer, um den Milliardär in seinem Penthouse oben quasi „auszuräuchern“ und ihn zu zwingen, eine wichtige Datei herauszurücken.
Also, der Wokenkratzer brennt, Dwayne ist nicht zu Hause und seine Familie – zuckersüße Frau mit zuckersüsser Tochter und zuckersüssem Sohn (natürlich mit Asthma) – kommt nicht mehr nach unten.

Der vorhersehbare Plot nimmt seinen Lauf und wer bis zum Ende durchhält, kommt aus dem Lachen kaum noch heraus.

Dwayne schafft es – trotz Beinprothese – einen Auslegerkran hochzuklettern (der natürlich noch zufällig dastand, wie hätte er sonst nach oben kommen können – ist doch klar…), über eine Distanz von ca. 7 Metern mit Anlauf in ein offenes Fenster im 90. Stock zu springen, sich mit seinen 150 kg wie Tom Cruise an glatten Glasfassaden entlang zu hangeln und weitere völlig absurde Manöver zu erbringen, um am Ende in einer Abklatschszene von Rocky I seine Frau und Kinder wieder in die Arme zu schließen.
Einfach schauderhaft und lächerlich.

Ach ja – ich vergaß zu erwähnen. Der Film hat über 150 Millionen Dollar gekostet und weltweit – v.a. in Asien – über 300 Millionen Dollar eingespielt.

Eigentlich könnte man hier die Diskussion über das WARUM einer solchen Produktion sofort beenden.

Dennoch beschäftigt mich vielmehr der Gedanke, warum die Gesellschaft Geschichten über solche überirdischen Figuren wie in Skyscraper produziert – oder ist das gar kein Phänomen der heutigen Zeit?

Ich lese gerade mal wieder ein wenig in dem Buch „Alles was man wissen muss“ von Dietrich Schwanitz und als ich über die Entstehungsgeschichte der Kultur Europas lese, musste ich bei der Geschichte über Jesus genauso schmunzeln wie über Dwayne Johnson.

Jesus war schon ein echter Kerl! Der konnte über Wasser laufen, hat Blinde wieder sehend gemacht und konnte sogar von den Toten auferstehen.

Ich muss also feststellen, hier hat sich wohl in den letzten über 2000 Jahren nicht viel verändert.

Lieben wir diese starken Männer? Brauchen wir sie wirklich als Leitfiguren? Was haben sie was andere nicht haben?
Warum wählen die Menschen Putin? Warum wählen Sie eine Viktor Orban? Warum wählen Sie einen Erdogan? Warum wählen die Brasilianer einen hirnrissigen Menschen wie Herrn Bolsonaro? Und wie konnte es (ich wage ja seinen Namen kaum noch in den Mund zu nehmen) an die Spitze der USA schaffen?

Dieser Glaube „ER wird es schon richten“ ist immer noch ungebrochen! Trotz aller sporadischen Beispiele von Frauen in hohen polititschen Ämtern, ich werde den Eindruck nicht los, dass die starken Männer die über Wasser gehen können und mit Prothesen Auslegerkräne hochkraxeln in unserer Gesellschaft nicht so schnell aussterben.

Schauen Sie sich das Cover vom Manager Magazin aus dem Monat Dezember 2019 – Stichwort: Manager des Jahres 2019 an.

Hier steht er – Jesus – nein – Dwayne – nein – Kaspar Rorsted – ein dänischer Superman, dem die Aufsichtsräte und Shareholder aufgrund seiner vergangenen Wunderleistungen bei Henkel schier die Füße küssen.
Dass dieser Mann die Erfolge bei Henkel auch nicht alleine fabriziert hat, scheint uns nicht zu beschäftigen. Wir lieben diese Heldentypen, die scheinbar zu allem fähig sind und vertrauen uns ihnen fast blind an.

(Anmerkung: er wurde vom Manager Magazin zum Manager des Jahres 2019 gewählt, weil er den Börsenwert von Adidas um 24 Milliarden steigern konnte (+73 Prozent) – das ist übrigens der gleiche Konzern, der als erster für seine Filialen in der Corona-Krise die Mietzahlungen eingestellt hat und nun als eines der ersten Unternehmen den Schutzschild der Bundesregierung in Anspruch nehmen möchte…. — aber das nur nebenbei..)

Aber es werden wohl weiter in der Zukunft Filme mit „echten Männern“ gedreht werden, in denen die Daniel Craigs, Keanu Reeves, Tom Cruises, Dwayne Johnsons, Denzel Washingtons, Bruce Willis‘ etc etc. uns eine Welt vorgaukeln, es gäbe sie wirklich, die „Guten“ starken Männer, die die Welt gut machen wenn man ihnen folgt.

Wann hat das nur ein Ende?

Aus der Reihe „wirklich gute Menschen“ – Theo Schoenaker

Wenn ich jetzt auf die Straße ginge oder gar meine Freunde fragen würde: Kennen Sie Theo Schoenaker, dann wäre die Antwort einhellig: NEIN – wer ist das?

Immerhin bin ich froh, dass er es zu einem Wikipedia-Eintrag geschafft hat.

(Anmerkung: ich kenne übrigens Menschen, die ihren eigenen Wikipedia-Eintrag für Marketing-Zwecke selbst erstellt haben oder erstellen ließen…. einfach widerlich!)

Ich hatte die wirkliche Ehre ihn und sein Frau im Rahmen einer seiner Seminare zum Thema „Individualpsychologie“ kennen zu lernen. Das muss wohl so in den 90ern gewesen sein.

Er ist Holländer, Jahrgang 1932 und hier seine Kurzvita aus Wikipedia:

Theo Schoenaker studierte zunächst Klavier und Oboe. Anschließend absolvierte er kaufmännische Ausbildungen und arbeitete einige Jahre als Fremdsprachenkorrespondent.

Anfang der 1960er Jahre folgte eine Ausbildung zum Logopäden. Er arbeitete zusammen mit seiner Frau Antonia (1930–1994), die ebenfalls Logopädin war, in freier Praxis – vor allem mit erwachsenen Menschen, die stottern. Dies erfolgte zunächst in den Niederlanden, später in Deutschland. Er ist Begründer individualpsychologischer Methoden zur Therapie sozialer Störungen sowie Trainingsmethoden zur Förderung und Schulung der Fähigkeit zur Selbst- und Fremdermutigung.

Schoenaker lebt heute mit seiner Frau Julitta in Genemuiden in den Niederlanden. Er ist weiterhin als Vortragsredner, Autor, Supervisor und individualpsychologischer Berater aktiv

Das Treffen mit ihm ist jetzt so viele Jahre her und ich kann mich bis heute an fast alles erinnern. An seine umwerfende positive Ausstrahlung, an sein wirklich gelebtes „Ja zum Leben“, an seine entwaffnende Freundlichkeit, an seinen unbändigen Willen, den Menschen Mut zu geben ihr eigenes Leben sinnvoll zu gestalten.

Nicht ohne Grund trägt sein Bekanntestes seiner vielen Bücher den Titel „Mut tut gut“.

Wenn man ihn erlebt hat, dann wünschte man sich vielleicht, dass er bekannter wäre – trotz einiger Auszeichnungen die er für sein Lebenswerk erhalten hat. Aber wenn man ihn erleben durfte, dann wird auch gleich klar, dass er das für sein Ego gar nicht braucht.

Theo Schoenaker gehört für mich eben zu den Menschen, die ihren eigenen Weg für sich gefunden haben und einen Beitrag zur positiven Entwicklung der Menschen geleistet haben. Sein Ziel war nie das Haus am Starnberger See oder eine Yacht vor Saint Tropez. Theo ist ein wahrer Menschen- und Naturfreund und damit für mich ganz schlicht: ein guter Mensch!

Bis heute praktiziere ich übrigens eine seiner sehr wirksamen Methoden, um das Beziehungsklima in einer Partnerschaft gesund zu halten.

Die Methode nennt sich „ZÜBAMO“. Er suchte damals nach einem guten Namen, aber weil ihm nichts Gutes einfiel und das Modell in seinem damaligen Wirkungsort Züntersbach im Hessischen einfiel, wurde daraus eben kurzerhand das Züntersbacher Modell – abgekürzt ZÜBAMO.

Ich hoffe, er ist mir nicht böse, wenn ich hier aus meiner Erinnerung den Ablauf kurz schildere:

Wendet man das ZÜBAMO mit seinem Partner an, dann macht man folgendes:

Man sitzt oder liegt nebeneinander – auf dem Sofa, auf Stühlen oder auch morgens oder abends im Bett. Das Nebeneinander ist dabei wichtig, weil man die Gesichtsregungen des Partners während des ZÜBAMOs nicht wahrnehmen möchte.

Man gibt dem ZÜBAMO einen festen zeitlichen Raum – in der Regel 5 Minuten. Ein ZÜBAMO beginnt bei 0 und endet Punkt nach 5 Minuten – egal was passiert….

Was passiert also in dieser Zeit?

Jeder der beiden Partner stellt sich in Gedanken zwei Fragen: „was beschäftigt mich zur Zeit?“ oder „was ist mir klar geworden?“.

Im ZÜBAMO gibt es nun eine wichtige Regel: man spricht lediglich die Antworten auf diese beiden Fragen laut aus in den Raum. Der andere erwidert während des ZÜBAMOs direkt darauf NICHTS!

Die Reihenfolge wer was wann sagt ist dabei unwichtig – das ergibt sich.

Beide haben also z.B. 5 Minuten lang einen geschützten Raum, um die Antworten auf diese beiden zentralen Fragen laut auszusprechen, ohne dass der Partner direkt darauf reagiert.

So das Grundprinzip eines ZÜBAMO.

So kann es passieren, dass vielleicht nur einer der Beiden etwas sagt wie z.B.: „mich beschäftigt in letzter Zeit die Tatsache, dass wir weniger zärtlich miteinander sind als sonst“ und dann ist die restliche Zeit – und 5 Minuten können lang werden – einfach Stille.

Oder es kommen von Beiden mehrere Aussagen wie z.B. „mir ist letzte Woche klar geworden, dass ich mich zuwenig um meine Töchter kümmere“ und der Partner kurz darauf sagt „Mir ist diese Woche mal wieder klar geworden, wie wichtig Du eigentlich für mich bist!“ und er/sie weitersagt „Mich beschäftigt aber auch, ob ich das immer gut genug zum Ausdruck bringe…“

Man gibt also nur eine direkte Antwort auf einer der beiden Fragen: „was beschäftigt mich gerade?“ „Was ist mir klar geworden?“ – also auch kein langer Monolog über die Begründung oder weitere Details, denn das fordert den anderen zwangsläufig zu einer Erwiderung und es ist NICHT Sinn und Zweck während dieser 5 Minuten eine Diskussion zu führen!!

Wichtig ist eben nur, der selbst gesteckte zeitliche Rahmen bleibt aufrecht, man schaut sich nicht an, man gibt keine direkten Erwiderungen. Man hört einfach zu, was der Partner laut in die Welt sagt.

Nach dem ZÜBAMO kann man sich wieder einander zuwenden, diskutiert über das was man gehört hat oder geht manchmal sogar einfach wieder direkt ins Tagesgeschehen über und überlässt dem „großen System“ alles Weitere.

Der Nutzen ist evident. Ein Partnerschaft lebt davon, dass kleine Schwelbrände sich nicht zu einer Feuersbrunst ausweiten. Wichtige oder gar schwierige Dinge dem Partner zu offenbaren ist nicht immer leicht. Es erfordert Mut. Aber um bei Theo’s Leitspruch zu bleiben: MUT TUT GUT!

Und so habe ich diese kleine Übung niemals vergessen und so widme ich meine heutigen Gedanken einem großen guten Menschen!

Danke Theo für Dein Wirken!

Ein Tagtraum – in English

A daydream in the times of Corona – or – how a leader could use the „4 Disciplines of Execution“ in troubling times.

I would feel much better, if a leader like Angela Merkel were to say the following….

„Dear people of Germany, we are in a crisis but we will survive it and I want to tell you about our strategy and how we will execute it, all together…

First, we focus on our wildly important goal (WIG)

„We keep the mortality rate caused by Covid-19 in Germany below 2% until Dec 31, 2020“

Second, we all concentrate and act on 3 lead measures, which will lead us to the WIG:

a) Everybody in Germany keeps a physical distance to any person of at least 1,5 meters in >90% of all human Interactions until April 20th, 2020

b) We increase and maintain the testing rate in Germany of >10000 per day until Dec 31st, 2020

c) We increase the number of intensive care beds with ventilators from currenty 28.031 to 75.000 until July 1st, 2020

Third, we have created a scoreboard, so that everybody in this country knows, whether we are winning or losing

Fourth, we will hold us all accountable and meet Mondays, Wednesdays and Fridays for a WIG-Huddle at 8pm for 5 minutes at the beginning of the Tagesschau on the program ARD to check our progress and to enable us to make own commitments to reach our goal! 

We can do this!“

As I said, I would feel much better… 

Heinz-Christian und das Fundament von allem – Glaubwürdigkeit

Und wieder ist es angebracht, sich dem Thema „Vertrauen“ näher zu widmen. Österreich steckt in einer Staatskrise. Die Kosten und all die weiteren negativen Auswirkungen auf das Land und auf Europa sind überhaupt noch nicht abzusehen. Und was hat das Ganze verursacht? Das Verhalten einer einzigen Person!

In diesem Fall ist es Heinz-Christian Strache, ehemaliger Vizekanzler und Vorsitzender der FPÖ in Österreich.
Was hat der Mann in den letzten Jahren nicht alles versucht, um sich persönlich und seine eigene Partei als die einzig wahrhaft moralische, vertrauenswürdige Instanz in Österreich darzustellen. „Wir sind die wahrhaft Guten und die anderen sind diejenigen, die im Filz und Klüngel nichts weiterbringen…“
Überrascht sollte nach Betrachten des Videos eigentlich niemand sein. Im Grunde weiß man es – man hat halt arg zu selten eine ungefilterte Innensicht in die Gespräche hinter den Kulissen. Das ist mit diesen Videoausschnitten nun anders.

Korruption ist der Tod jeder lebendigen, prosperierenden Gesellschaft – und was wir hier sehen ist typische Korruption: Vorteilsnahme zum Wohle der eigenen Ziele – gleichgültig, welche Auswirkungen das auf das Ganze hat – auch wenn noch gar nicht klar ist, ob und wieviel von dem Gesagten tatsächlich umgesetzt wurde.

Besonders schlimm ist es nun, dass er die zweite Geissel unser heutigen Welt vorantreibt: die Opferhaltung. Anstatt Demut walten zu lassen, geht er sofort in die Opferrolle und macht andere für sein jetziges Schicksal verantwortlich. Das ist nicht nur schäbig, sondern animiert seine Anhänger und Gefolgsleute es ihm gleichzutun, womit die Spaltung in der Gesellschaft weiter vorangetrieben wird.

Wir alle wissen, wie schwierig es ist, die persönliche Glaubwürdigkeit aufrecht zu erhalten. Jeder Leser des Buches „Schnelligkeit durch Vertrauen“ weiß auch, dass diese Vertrauenswürdigkeit von vier Faktoren abhängt: Resultate / Fähigkeiten / Integrität und Absicht.
Und wir wissen, wie schnell man seine Vertrauenswürdigkeit verspielen kann. Ich habe diese Erfahrung in verschiedenen Bereichen meines Lebens oft genug erlebt.

Ginge es einem Heinz-Christian Strache glaubhaft darum, Vertrauen zurückzugewinnen, so könnte er aus dem besagten Buch z.B. lernen, dass es insgesamt 13 Vertrauensregeln gibt (in Wahrheit sind es 14, wenn man „vergeben“ noch hinzunimmt), aus denen er eine glaubhafte Strategie für den Wiederaufbau seiner Reputation entwickeln könnte.

Nur ist in diesen 13 (14) Vertrauensregeln nichts zu lesen, andere für sein Schicksal verantwortlich zu machen (so wie er es leider in einem typischen Reflex aller Populisten tut)

Aus meiner Sicht kämen folgende Regeln für ihn zum Einsatz:

  • ehrlich sein („ich habe das alles gesagt – gleichgültig wie die Belgeitumstände waren)
  • Fehler eingestehen. (Sich bei ALLEN Betroffenen spürbar glaubhaft entschuldigen – u.a. bei allen von ihm beim Namen genannten Personen – gleichgültig derer Hintergründe)
  • verzeihen (das zweifelhafte Verhalten der Auftraggeber des Videos und das Verhalten des Spiegels und der SZ nicht in den Vordergrund stellen und nachsichtig sein)
  • sich verbessern (das kann er nur ab jetzt zeigen)
  • Verantwortung übernehmen (die Verantwortung bei sich lassen (und nicht Alkohol, Schwüle etc. beschwichtigend anführen / von allen Ämtern zurücktreten, um weiteren Schaden am System zu vermeiden)
  • sich der Realität stellen (es ist bewiesen, ich kann mich da nicht rausreden)
  • Transparenz erzeugen (glaubhaft darlegen, dass es diesen Verein nicht gibt und keine Schattenspenden geflossen sind)

Von diesen sieben Verhaltensregeln hat er zwei zur Hälfte bedient (Fehler eingestehen und Verantwortung übernehmen) – ob er die anderen Hebel nutzt, werden wir sehen. Persönlich bin ich da allerdings skeptisch.

Echte Größe in der Niederlage oder in der Aufdeckung schäbigen Verhaltens (vor dem wir alle nicht gefeit sind) zu zeigen, ist ein (zu) seltenes Gut.

Aber ich gebe meine Zuversicht nicht auf, dass es in unserer Welt der „Image-Bewahrung“ nicht völlig untergeht.

England und die Hoffnung

Neben der Katastrophe Donald Trump ist der Brexit ein weiterer Indikator dafür, dass die Welt in Bezug auf Synergie und kreative Kooperation in die falsche Richtung marschiert. Ist das wirklich so? Ein Erfahrungsbericht an der Basis – der leider leider nicht repräsentativ ist. Aber wer weiß..

Ich war über das Wochenende in England und wir haben uns zum ersten Mal „Cotswolds“ angeschaut – eine wunderschöne Region westlich von Oxford. Englische Ortschaften wie man sie nur aus den Bilderbüchern kennt. Viel Natur. Stilvolle Pubs. Viele wunderschöne Landsitze.

Als ich am Donnerstag Abend in London ankam und nach Jahrzehnten so etwas wie einen Nostalgierundgang am Leicester Square unternommen habe, konnte ich zunächst zum ersten Mal die Brexit-Befürworter etwas verstehen. Ich lief durch diese Stadt und hatte das Gefühl „wozu braucht man hier eigentlich den Rest von Europa?“ Man ist hier auf einer Insel und ich kann sofort nachvollziehen, dass es schon seit Jahrzehnten (wenn nicht sogar noch viel länger) diesen Graben durch das Volk gibt, ob sie nun zu Europa gehören oder nicht.

Während der kurzen Zeit am Wochenende in der englischen Provinz, trafen wir auf unsere beiden Bed&Breakfast Gastgeber. Einer war sehr indifferent in Bezug auf den Brexit, der zweite aus dem Örtchen Bath war klarer Gegner davon.
Man kann dem Thema auch wirklich schlecht ausweichen – gleichwohl die Diskussionen über diesen merkwürdigen Vorgang auf der Insel kurz blieben, weil man deutlich merkt, dass es die Bürger furchtbar nervt und die beiden Gastgeber es auch nicht mehr direkt beeinflussen können.

Was uns aber dann vielmehr beeindruckt hat, war die Tatsache, dass beide Gastgeber einen direkt Bezug zu Stephen Covey und seinen „7 Habits“ haben.

Bei unserem Farmer in Stow-on-the-Water stand das Buch im Bücherregal und als wir ihn darauf ansprachen, leuchteten seinen Augen und er erzählte uns von seinen Umsetzungserfahrungen damit und zeigte uns noch seine aktuelle Literatur, die allesamt mit dem Weg zu mehr Erwachsensein zu tun haben.

Als wir den wunderbaren Platz der Ashcomb-Farm verließen, waren wir richtig beseelt von der Erfahrung, wo man den 7 Habits so auf der Welt überall begegnet.
Aber es sollte noch besser kommen.

Der Gastgeber des Bloomfield House in Bath entpuppte sich beim Frühstücksgespräch als absoluter Kenner der „7 Habits“ und er berichtete von seinen Versuchen, Ende der 90er das Thema „Nachhaltigkeit“ mit dem damaligen Lizenzhalter von FranklinCovey in England zu verknüpfen (was leider nicht gelang).

Er war völlig aus dem Häuschen, dass wir beide aktiv für FranklinCovey arbeiten und es entspann sich ein herrlicher Austausch über all das, was momentan im Leben so gut oder so schief läuft.

Viele Menschen kann man an zwei Tagen nicht treffen – aber dass wir bei unseren Gastgebern ausschließlich auf Menschen trafen, die die Ideen von Covey versuchen zu leben und umzusetzen – die an das „WIR“ und nicht an das „ICH“ oder gar „DU BIST SCHULD“ – glauben – die das Große und Ganze im Blick haben und versuchen universelle Prinzipien zu leben, anstatt irgendwelchen Moden und Oberflächlichkeiten nachzujagen – das hat uns tief beeindruckt.

Auch wenn das Land sich letztlich für den Brexit entscheiden sollte, so bleibt die Hoffnung, dass es genug Menschen dort gibt, die den Glauben an echte Synergien nicht aufgeben und trotz aller künftigen Grenzen versuchen, sich erwachsen zu verhalten und ihren guten Charakter zu entwickeln.

Beide Briten waren der Meinung, dass die Befolgung von natürlichen Gesetzen (Prinzipien) auf Dauer der einzig gangbare Weg für uns alle sein kann.

Ich kann nur jeden auffordern, der die „7 Wege zur Effektivität“ gut findet, sie aktiv weiterzutragen und versuchen eine Veränderungsperson zu werden – so wie Daniel von der Ashcomb Farm in Stow und Robert vom Bloomfield House in Bath.


Und wem die „7 Wege“ letztlich doch egal sein sollten, der kann an beiden Orten eine wunderbare Zeit mit wunderbaren Gastgebern erleben.

Die Kunst mit Reizen umzugehen……

Diese Woche las ich im jüngsten Spiegel wirklich erschütternde Berichte von Krankenpflegern, Notärzten, Feuerwehrleuten, Call-Center Mitarbeiterinnen über die Art und Weise, wie schnell und wie oft sie für ihre Arbeit ohne Vorwarnung von anderen Menschen beleidigt oder gar tätlich angegriffen werden.

Eine Notarztmannschaft wird von einem gutsituierten BMW-Fahrer auf übelste Weise beschimpft, weil der Notarztwagen für den Einsatz bei einer Frau mit Herzinfarkt die Fahrbahn soweit blockierte, dass er nicht vorbeikam. Nachbarn waren kurz davor die Polizei zu holen, so sehr tobte dieser Mensch. PS: die Frau konnte gerettet werden.

Bahnbedienstete bleiben in den ersten Minuten nach einer Durchsage über Zugverspätungen vorsichtshalber in ihren Kabinen. Praktisch kein Schaffner, welcher nicht bereits von Reisenden auf unflätigste Art beschimpft oder gar tätlich angegriffen worden ist.

Und alle Betroffenen berichten davon, dass die Tendenz zunimmt.

Volkes Zorn wächst!

Verroht unsere Gesellschaft? Immer mehr Studien und viele Aussagen von Psychologen scheinen das zu bestätigen.

Vor über zehn Jahren unterhielt ich mich mit einem Psychologen über die „7 Wege zur Effektivität“. Seine Grundmeinung war zusammengefasst: „Mir gefällt dieser Ansatz sehr, allerdings befürchte ich, dass er insofern etwas Idealistisches hat, weil über 80% der Menschen über den Weg 1 (pro-aktiv sein) nicht hinauskommen!“

Mir erschien diese Aussage damals zu kühn, doch muss ich mittlerweile feststellen, dass die Bedeutung des allerersten Weges aus meiner Sicht immer mehr wächst.

Früher war für mich das Reiz-Reaktion-Prinzip eher eine Selbstverständlichkeit und ich sah die Themen „Das Wichtigste zuerst“ oder „Synergien schaffen“ als die eigentlichen Hürden zu einem dauerhaften Erfolg und Zufriedenheit an. Aber je älter ich werde merke ich, es ist der Umgang mit externen Reizen, bei dem irgendwie alles anfängt.

Reize haben wir ständig um uns herum. Gemeint sind damit all die Einflüsse, die uns emotional aufwühlen, weil irgendetwas nicht so läuft, wie wir uns das vorgestellt haben. (Denken Sie an den BMW-Fahrer)

Der Reiz ist da (Zug hat Verspätung, Fahrbahn gesperrt, Hilfe vom Call center kann nicht adhoc erledigt werden, irgend eine E-Mail ärgert uns…. etc.) und die negativen Gefühle kochen hoch…… soweit noch alles normal….. schließlich sind wir Menschen mit Empfindungen und keine seelenlose Roboter.

Entscheidend ist aber, wie man nach Eintreffen des Reizes nun handelt – und hier gibt es wohl zwei große Alternativen: 1. Man handelt noch während der Emotion oder 2. man wartet mit dem Handeln, bis die Emotion abgekühlt ist und entscheidet dann in Ruhe über die nächste Aktion (vielleicht reagiert man dann auch gar nicht….)

Dies setzt voraus, dass es zwischen Reiz und Reaktion einen Raum gibt, in dem man die Wahl hat. Wir wissen mittlerweile, dass das Prinzip der freien Wahl überhaupt in Zweifel gezogen wird und zumindest ein Großteil der Entscheidungen vom Gehirn automatisch ablaufen.

Dennoch glaube ich daran, dass man in vielen Situationen nach Eintreffen des Reizes die berühmte „Pausentaste“ drücken kann und mit der Handlung abwartet. Dann steht man nämlich in der Straße mit seinem BMW, muss zu einem dringenden Termin (man ist vermutlich mal wieder zu spät losgefahren) und jetzt blockiert dieser Notarztwagen die Durchfahrt. Könnte der BMW-Fahrer auch nach einer kurzen Gefühlswallung nicht innerlich die Pausentaste drücken und sich den Gesamtkontext der Situation vergegenwärtigen? Was würde sich dann verändern, wenn er mit etwas mehr Ruhe seine Situation mit der eines totkranken Mitmenschen ins Verhältnis setzt?

Wir können das natürlich nicht beantworten, weil Menschen entscheiden wie sie entscheiden – aber soweit das möglich ist, halte ich es für absolut relevant und notwendig, dass das Prinzip der „Pausentaste“ den Menschen wieder näher gebracht wird und sie sie wieder häufiger einsetzen.

Natürlich geht das Problem tiefer, denn man muss sich letztlich fragen: was veranlasst eine so hochentwickelte Gesellschaft wie die unsrige so dünnhäutig und empfindlich zu werden?  War das nicht der Plan, sich soweit von den Mindestanforderungen für das Überleben zu entfernen, dass man in Ruhe seiner Bestimmung nachgehen kann?

Haben Sie nicht auch den Eindruck, dass die Menschen um Sie herum immer häufiger jammern und über ihr Leid klagen? Wird nicht schneller nach einem Richter oder einer Instanz gerufen, um für Ordnung zu sorgen?

Meine persönliche Meinung ist, dass die Empfindlichkeit daher rührt, dass wir mittlerweile sehr wohl wahrnehmen, wie hoch wir als Gesellschaft bereits gestiegen sind und das Gefühl der Stagnation (wohin sollte man sich auch noch hinentwickeln…) uns langsam in Unruhe oder gar Angst versetzt.

Wir haben viel zu verlieren. Niemand garantiert uns irgendetwas mehr. Die Versprechen der Politik greifen nicht mehr („die Renten sind sicher“). Es herrscht das Gefühl der Zerbrechlichkeit.

Möglicherweise liegen die Ursachen für die Reizbarkeit noch tiefer, aber ich denke, mit diesem Ansatz kommt man schon sehr weit.

Was kann man also tun, um sich von dieser Aufgeregtheit nicht anstecken zu lassen?
Mein Tipp: Weg 7 täglich in der Früh anwenden: Die Säge zu schärfen. Ein wenig für den Körper tun, eine Kleinigkeit lesen, seine Liebsten bewusst wahrnehmen und mit ihnen konzentriert interagieren und eine kurze sprituelle Tagesplanung machen.

Ich könnte wetten, dass unser lieber erwähnter BMW-Fahrer sich völlig anders verhalten würde…..

Das Schicksal von Gerry Weber – Micromanagement Teil 2

Ich lese aufmerksam Geschichten über das Schicksal von Unternehmen. Ich habe eine besondere Beziehung zu diesen Institutionen, denn sie befriedigen Bedürfnisse von Menschen und liefern die Steuereinnahmen, die für die gesunde Entwicklung einer Nation relevant sind.

Rund um die Stadt Halle in Westfalen wird es bald viele traurige Menschen geben, denn das örtliche Unternehmes-Flagschiff – Gerry Weber – hat Insolvenz angemeldet. Was soll nun werden aus dem Standort, dem übergroßen Logistikzentrum, den vielen Dienstleistungseinrichtungen die von der Firma gelebt haben, dem weltweit beachteten Vorbereitungstennisturnier für Wimbledon?

Noch ist die Sache nicht entschieden, doch man weiß bereits eine Menge über die Umstände des Niedergangs des deutschen Modehauses. Und im Zentrum steht der Patriarch – wie sollte es auch anders sein – namens Gerhard Weber.

Er gründete als typischer deutscher Unternehmer sein erstes Modegeschäft in den 80er Jahren, entwarf stilvolle Frauenmode und legte mit der Verpflichtung von Steffi Graf seinen ersten – und letztlich größten – Marketing-Coup auf die Bretter der deutschen Wirtschaft.

Ich finde den Aufstieg von Unternehmen faszinierend – aber noch faszinierender finde ich es, wenn der Aufstieg in einen dauerhaften Erfolg umgemünzt werden kann. Dies ist Gerard Weber wohl nicht gelungen.

Letztlich lassen sich hier für unser Forum zwei Dinge lernen:

1. „Ohne Gerhard geht es nicht“

Kann man den Insiderberichten glauben, dann ging ohne Gerhard Weber im Unternehmen gar nichts. Überall mischte er sich in das operative Geschehen ein und gilt somit auch als ein Paradebeispiel für das Thema „Micromanagement“. Diese Sorte Führungskräfte gefallen sich in dem Gefühl, dass sie die wichtigste Rolle im Gelingen des Unternehmens darstellen. Keine relevante Entscheidung ohne ihr Zutun. Immer und überall gleichzeitig auftauchen und nach dem Rechten sehen. Zwar zog er sich in den letzten Jahren – er ist heute immerhing 77 Jahre alt – in den Aufsichtsrat zurück, doch sagt ein Zitat von ihm viel über seine Einstellung aus: „Ich bin immer da, wenn die mich rufen!“

Und gerufen haben sie wohl oft in der Firmenzentrale. Die Staffelübergabe an seine beiden Söhne gilt als gescheitert und die Abhängigkeit vom Patriarchen ist offenbar immer noch übergroß.

2. Fehlentscheidungen

Neben dem Führungsverhalten des Eigentümers spielen gravierende Fehlentscheidungen des Unternehmers einer Rolle, die natürlich widerum mit seinem Führungsverhalten zu tun haben. Wenn man schnell wächst, steigt einem der Erfolg und die Anerkennung des Umfelds leicht zu Kopf. Wahrscheinlich hätte der bodenständige Gerhard bei der Gründung seines ersten Geschäfts noch verduzt die Augen gerollt, wenn man ihn gefragt hätte, ob er mal 1 Milliarde Umsatz damit machen möchte.
Viele Jahre später haben seine Augen bei dieser Vorstellung geglänzt und das bricht ihm letztlich das Genick.

Mir kommt dabei sofort die altbekannte Geschichte von der Gans und den goldenen Eiern in den Sinn:
Ein Bauer kommt morgens in den Stall und stellt fest, dass seine Gans ein Ei aus purem Gold gelegt hat. Fassungslos geht er damit zum Juwelier und lässt sich die Echtheit bestätigen und macht es zu Geld. Mit seinen Taschen voller Scheine kann er den nächsten Morgen gar nicht abwarten und – siehe da – seine Gans hatte wiederum ein goldenes Ei gelegt und so nahm die Geschichte über die nächsten Tage und Wochen seinen Lauf. Unser Bauer wurde reicher und reicher und irgendwann wurde die Gier so groß, dass er nicht mehr den ganzen Tag auf das nächste Ei warten wollte. „Das muss sich doch beschleunigen lassen“ dachte er sich, als er mit einem großen Messer am Morgen in den Stall ging, die Gans aufschlitzte, um alle goldenen Eier auf einmal herauszuholen.
Leider befand sich in ihr kein Ei – aber das spielte auch keine Rolle mehr, denn die Gans war tot und ab diesem Moment waren die goldenen Eier Geschichte und das Imperium des Bauern begann seinen Niedergang.

Die Geschichte der Gans und ihren goldenen Eiern ist das Paradebeispiel für die Definition von EFFEKTIVITÄT. Effektiv ist jemand, der die RICHTIGEN Entscheidungen trifft, die einen auch in Zukunft noch Entscheidungen treffen lassen.

Gerhard Weber war offenbar so geblendet von seiner Gier, möglichst schnell eine Milliarde Umsatz zu machen, dass er folgende wesentliche Fehler machte:
– er konzentrierte sich auf den raschen Ausbau der Geschäfte, anstatt innovative Kreationen zu entwickeln. Irgendwann galt Gerry Weber selbst unter Senioren als altbacken.
– er investierte in ein übergroßes Logistikzentrum
– er verschlief den Online-Handel
– mit den Zukäufen anderer Firmen hat er sich schnell übernommen

Natürlich machen Unternehmen strategische Fehler, doch eine aggressive Wachstumsstrategie muss besonders gut gemanaged werden und hier waren die Fähigkeiten des „Allmächtigen“ irgendwann erschöpft.

Jetzt muss er zuschauen, wie sein Lebenswerk zerbricht und möglicherweise in seine Einzelteile zerlegt wird.

Dennoch ziehe ich den Hut vor so viel Unternehmergeist – aber ich hätte ihm gewünscht, er hätte z.B. die „7 Wege zur Effektivität“ irgendwann einmal gelesen und sich mit dem 8. Weg beschäftigt – von der Effektivität zur wahren Größe. Dann hätte er gelernt, wie man das Micromanagement aufgibt und andere fähige Menschen um sich herum wachsen lässt. Dann wäre ihm womöglich einiges erspart geblieben.

Je größer ein Unternehmen wird, desto mehr muss die Verantwortung aufgeteilt werden und desto mehr sind Fähigkeiten rund um die Schaffung von synergetischen Lösungen gefragt.

Die Micromanager haben eine Weile Erfolg – aber dauerhaft, sprich effektiv, ist das einfach nicht.

 

Eine Ode an die Selbst-Disziplin

Disziplin – oder besser – die Selbstdisziplin ist eines der spannendsten Themen mit denen Führungskräfte – und natürlich nicht nur die – zu kämpfen haben. Der Grad der Ablenkung nimmt auch gerade durch die neuen Technologien ein bedrohliches Ausmaß an.

Schauen wir mal, wie Wikipedia die Selbstdisziplin überhaupt definiert:

“Selbstdisziplin oder Selbstbeherrschung bezeichnet ein stetiges und eigenkontrolliertes Verhalten, das einen Zustand aufrechterhält oder herbeiführt, indem es Anstrengungen aufwendet, die den Ablenkungen von einer Zielvorgabe entgegenwirken.

Mehrere Langzeitstudien der letzten Jahrzehnte ergaben, dass das in Tests und Untersuchungen ermittelte Maß der Fähigkeit zur Selbstdisziplin in der Kindheit ein sicheres Indiz war für vielfältigen Erfolg im späteren Erwachsenenleben”.

Anders ausgedrückt: wer die Selbstdisziplin nicht schon in der Kindheit mitbekommen hat, der tut sich im Erwachsenenleben deutlich schwerer (ich kann ein Lied davon singen).

Aber – gemäß des Beitrags von letzter Woche – gebe ich die Zuversicht der Besserung nicht auf….

Man stelle sich also vor, man hätte die Selbst-Disziplin…..

  • sein Handy an einem anderen Ort zu laden als am Nachttisch
  • die E-Mails erst nach dem Frühstück mit seiner Familie zu checken
  • Sonntag am frühen Abend seine Wochenplanung zu machen
  • nicht einzuschlafen, ohne dem Partner eine Gute Nacht zu wünschen
  • sich “die eine Sache” (auf die es wirklich ankommt) für den Tag zu überlegen (damit man wenigstens eine wesentliche Sache erledigt hat…)
  • die Ideen für Einkäufe gleich in eine Einkaufslistenapp zu schreiben
  • Hemden und Pullis ordentlich zusammenzulegen (liebe Güte spart das Zeit und verbessert die Optik…)
  • Schlüssel, Handy, Brille, Geldbörse an einen fixen Ort zu Hause zu legen
  • Schlüssel, Handy, Geldbörse an einem Ort zu haben, wenn man unterwegs ist
  • den Kühlschrank täglich checken, ob etwas am Verderben ist
  • nach dem (Zahn-)Arzttermin gleich den nächsten zur Routineuntersuchung ausmachen
  • seine wichtigsten Ziele wöchentlich zu checken und sich ein Commitment zur Zielerreichung für die Woche zu setzen (und einzuhalten)
  • wenn man zusammen ausgeht, nur ein Handy zur Sicherheit und Navigation mitnehmen
  • täglich genug Wasser zu trinken

Würde das das Leben tatsächlich eher einschränken oder mehr Freiheiten verschaffen?

Würde das das Leben langweiliger machen (weil man nicht mehr so viele Reizpunkte hat?)

Ich glaube jedenfalls an den Satz: “Freedom is in the Discipline” …. und ich liebe Freiheitsgrade…..