„Europe talks“ – Jochen Wegner und die Wirkung offener Menschen

Beeindruckende Momente sind meist Glücksmomente.

Sie werden bei mir häufig durch die Natur verursacht – aber es gibt auch Menschen, die dies auszuüben vermögen.

Gestern ist mir einer dieser Momente widerfahren und heute früh kurz vor dem Aufstehen wieder – und interessanterweise sind beide Momente mit ein und der selben Person verknüpft. Es geht um Jochen Wegner.

Jochen Wegner ist Chefredakteur von ZEIT online und bis vor ca. drei Monaten war mir dieser Mann völlig unbekannt.

Das änderte sich auf dem Weg in unseren diesjährigen Corona-Sommerurlaub, der uns nicht wie geplant in die Toskana, sondern nach Thüringen verschlagen hat.

Auf der Fahrt hörten wir die Podcast-Aufzeichnung des Bayern2 Mittagsgesprächs an und es ging um die Frage nach den beliebstesten Podcasts im Lande.

Eigentlich dachte ich seit Längerem, dass Podcasts etwas Antiquiertes anhaftet. Es gibt sie schon gefühlt ewig, der Name PODCAST selbst ist furchtbar und wer hört sich denn wirklich Audiokonserven noch an.

Aber ich wurde mal wieder eines Besseren belehrt!

Natürlich ist jeder Anrufer bei einem solchen Thema überzeugt von dem, was sie oder er vorschlägt, aber man kann ja mal offen sein und einige der Vorschläge ausprobieren.

Besonders interessant fand ich das Format „Alles gesagt“ von den beiden ZEIT Leuten Jochen Wegner und Christoph Amend, der das ZEIT Magazin verantwortet.

Deren Idee ist simpel aber bestechend: sie laden einen interessanten Gast zum Interview ein und nur der Gast hat das Recht, das Gespräch durch Nennung eines am Anfang vereinbarten Codewortes zu beenden. Fällt das Codewort, ist das Gespräch schlagartig beendet. (Ulrich Wickert passierte das in seiner herrlich trampeligen Art aus Versehen und nach ca. 13 Minuten war Ende)

So fuhren wir Richtung Thüringen und lauschten gemeinsam dem 3-er Gespräch mit Dunja Hayali, der bekannten ZDF-Moderatorin. Dieses Gespräch begleitete uns auf jeder Autofahrt bin fast wieder zur Heimkehr, denn es dauerte sage und schreibe über 8 Stunden!

Wer jetzt stöhnt und denkt „Meine Güte, 8 Stunden reden und zuhören… völlig ausgeschlossen in unserer schnellen Info-Häppchen-Welt“, der irrt. Es war pures Vergnügen über eine solche lange Strecke Menschen zuzuhören, die etwas zu sagen haben und gesittet und klug miteinander umgehen können.

Jochen Wegner und sein Kollege machen das großartig und ich habe in den letzten Monaten zusammengezählt nun bereits Tage mit den Gesprächen von „Alles gesagt“ verbracht – und – und das halte ich für wesentlich – nicht nur viel gelernt, sondern auch meine Meinung über Menschen geändert.

So ist Alice Schwarzer für mich nicht mehr die Unerträglichkeit in Person, Thomas de Maizère hat sich innerhalb von vier Stunden von einem spröden Politiker zu einem überaus witzigen und klugen Menschen entwickelt und man erkennt , dass hinter der It-Girl-Fassade von Lena Meyer-Landruth ein reifer Charakter steckt.

Nun zurück zu meinen jüngsten Momenten des Beindrucktseins.

Für die Autofahrt zu einem der aktuell dünn gesäten Live-Gespräche mit Kunden schaute ich auf der Gesprächsliste von „Alles gesagt“ nach und stieß einen kleinen inneren Jubelschrei aus, als ich den Namen der jüngsten Episode las: „Yuval Harari“.

Ich habe über ihn schon einmal in einem meiner Texte hier berichtet und die anderthalb Stunden Autofahrt für die Strecke Harmating – Landsberger Straße und retour verflogen wie nichts.

Ich halte diesen Menschen im Moment für den klügsten Geist den ich kenne, weil er es versteht, die Grundprinzipien des Lebens auf sehr einfache Formeln zu bringen, er einen sehr unverstellten Blick auf die Realität hat und/aber dabei den Glauben an die Menschheit dabei nicht verliert.

Auch wenn Christoph Wegner und sein Kollege im Englischen etwas radebrechen, so bin ich ihnen allein für diese dreieinhalbstündige Erfahrung und gut verbrachte Lebenszeit einfach nur dankbar.

Wie mein YouTube-Algorithmus nun so drauf ist, bietet er mir heute Früh einen Mitschnitt eines TED-Vortrages von Jochen Wegner wohl aus dem Jahr 2019 an und dieser Vortrag hat mich so berührt, dass ich es wert halte, darüber zu schreiben und festzuhalten.

Ich will nicht viel verraten – aber es beeindruckt mich zutiefst aus folgenden Gründen:

  1. simple Ideen haben mal wieder große Wirkung
  2. Veränderung entsteht selten allein sondern immer in einem Team (in diesem Fall der Redaktion von ZEIT-online)
  3. Gute Führung bedeutet, kleinen Ideen Raum zur Entfaltung zu geben, auch wenn kein Budget vorhanden ist
  4. Menschliches friedliches Zusammensein ist doch gar nicht so schwer…

Viel Vergnügen beim TED-Talk von Jochen Wegner:

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Vertrauensregel No. 6 – bzw. – die Bahn zeigt mal wieder, wie es nicht geht…

Wie wir mittlerweile wissen, gibt es 14 Regeln wie man Vertrauen schaffen kann. Da Vertrauen der aus meiner Sicht elementarste Wert im Zusammenspiel zwischen Menschen ist, sollte man sich die 14 Regeln immer mal wieder zu Gemüte führen.

Heute also die No. 6 “Transparenz schaffen”.

Ich war optimistisch. Alle Zeitangaben in meinem Bahn-Portal für die Zugfahrt von Deisenhofen nach Haltern am See standen auf einem beruhigendem +0.

Heute sollte es ins Ruhrgebiet gehen. Gemäß aller Vorerfahrungen fahre ich solche Strecken nur noch mit möglichst wenig Umstiegen. Heute sollten es nur zwei Zugwechsel geben – von der S-Bahn am Münchner Hauptbahnhof in den ICE nach Essen und vom ICE in eine Regionalbahn nach Haltern.

So stand ich also pünktlich am Bahnhof Deisenhofen und wartete auf den Meridian, der mich in 20 Minuten zum Hauptbahnhof bringen sollte – Ankunft 13:40 – genug Zeit also, um den ICE mit meiner 1.Klasse-Sitzreservierung zu erreichen.

Die Anzeigen am Bahnhof zeigten keinerlei Verspätungen an – doch wurde ich misstrauisch, als um 13:20 zur Abfahrtzeit die BOB Richtung Tegernsee auf meinem Gleis 3 stand und sich nicht von der Stelle bewegte.

Mir war gleich klar, dass hier etwas nicht stimmte. Das größte Problem in einem solchen Moment ist, dass man keine Information erhält. Man wartet – Minute für Minute – und man ahnt, dass das mit der geplanten Reise schon aber der ersten Minute nichts wird.

Nach knapp 10 Minuten Warten gab es nur noch eine Möglichkeit: hinüber hetzen zum Gleis 1 und wenigstens die S-Bahn Richtung Hauptbahnhof erwischen. Die Chance meinen ICE um 13:55 zu erreichen war dahin.

Ich blieb erstaunlich ruhig – was will man als Reisender auch machen?

So stand ich also um 13:59 an Gleis 22 und vom ICE war nichts mehr zu sehen.

Jetzt war ich doch sauer und zum ersten Mal hatte ich den unstillbaren Drang meinem Ärger über die Informationspolitik an geeigneter Stelle abzulassen. Dies traf heute einen jungen Kollegen am Servicepoint am Hauptbahnhof.

Ich schilderte ihm den Vorgang und machte ihm deutlich, dass er Kraft seines Amtes doch bitte den Bedarf nach besserer Information an geeignete Stelle weitergeben solle.

Das Problem von vielen der Servicemitarbeiter der Bahn ist, dass sie selbst meist Weiterlesen

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