Totengräber SUV – oder – wie man den Ast abschneidet, auf dem man sitzt

Der Ansporn für diesen Blog kam mir in der ersten Januar-Woche im Urlaub beim Einkaufen: ich lief auf der Straße, anstatt auf dem Fußgängerweg. Und das Interessante dabei ist, ich mache das zu Hause auch immer öfter. Nicht gerade auf einer Hauptverkehrsstraße, aber ich nehme mir immer mehr die Freiheit, mich von den Autos nicht mehr an den Rand drängen zu lassen!

Das klingt jetzt auf den ersten Blick vielleicht nicht weltbewegend – und doch glaube ich, dass ich bereits Teil einer umumkehrbaren Bewegung bin: die Macht der Autos in unserem Leben wird gebrochen – langsam aber sicher! Der Mensch erobert sich seinen sicheren und sauberen und lebenswerten Raum zurück – und die Autoindustrie ist auch noch selbst dafür verantwortlich!

Vor Jahren las ich ein hochinteressantes Buch von xxxxx über das Verschwinden von Zivilisationen und deren Hauptursachen. Unvergessen war mir ein Satz in Bezug auf den Niedergang der Zivilisation auf den Osterinseln im südlichen Pazifik.

Der Autor zitiert einen Geschichtsprofessor der während einer Vorlesung den Ausspruch tat: “Es muss einen einzelnen Menschen auf den Osterinseln gegeben haben, der den letzten Baum auf den Inseln fällte. Was hat er dabei gedacht oder empfunden? Oder hat er überhaupt etwas gedacht oder empfunden?”

Die Crux der Bevölkerung war, dass ihr Leben von der Existenz der Bäume abhing. Nicht nur für Brennholzzwecke, sondern primär als Material zum Bau von Einbaum-Booten, die zum lebenswichtigen Fischfang dienten.

Irgendwann war der letzte Baum gefällt und in Ermangelung von Booten (die auf hoher See immer mal wieder sanken) und von seichten Küstengewässern gingen die Menschen auf der Insel halt dazu über, sich gegenseitig aufzuessen, was man landläufig als Kanibalismus bezeichnet.

Es wird nicht mehr lange dauern und es werden eine Reihe von namhaften Automobilherstellern von der Bildfläche verschwinden. Das Auto in seiner herkömmlichen Form schafft sich selbst ab. Die Zahl der leistungsstarken, übergroßen SUVs die auf immer weniger freien Platz in den Gemeinden und Städten losgelassen werden, wächst unaufhörlich. Damit wächst der Widerstand. Gleichzeitig schwindet die gesellschaftliche Faszination für das Vehikel, welches für mich und meine Vorgeneration der Ausdruck von Freiheit und Wohlstand bedeutete.

Heute bedeutet Wohlstand, sich wieder frei bewegen zu können und nicht vom Auto an den Rand gedrängt zu werden. Man will nicht mehr ständig auf der Hut sein müssen sein Leben zu verlieren, wenn man im Straßenverkehr nur einen falschen Schritt macht. Man will seine Zeit nicht mehr mit der Suche nach einem Parkplatz vergeuden und man will frische Luft atmen. Und selbst das Elektroauto wird keine dauerhafte Lösung sein, weil unser ökologisches Wissen und unser Verstand mittlerweile so ausgebildet ist, dass wir die Problematik der Energieerzeugung und der Probleme mit der Batterieherstellung längst nicht mehr bagetellisieren.

Und was machen die Automobilhersteller? Sie bauen weiter und weiter die falschen Dinge. Sie ergötzen sich an neuen Rekordabsatzzahlen (VW) und versprechen gleichzeitig, sich auf die gesellschaftlichen Entwicklungen einstellen zu wollen. Wenn sie das schaffen, das wäre das aller Ehre wert, aber ich hege meinen Zweifel. Gerade ist der neue Q8 von Audi auf den Markt gekommen. Ein Monster von einem Auto und es tut mir leid, sie “fällen einen Baum nach dem anderen” bis der Raum so klein und der Widerstand so hoch ist, bis sie von der Bildfläche verschwinden.

Natürlich wird das menschliche Bedürfnis nach individueller Bewegung von A nach B bleiben und somit wird jemand bereit stehen, dieses Bedürfnis geschickt zu bedienen, aber wie viele der heutigen Automobilhersteller da noch dabei sein werden, wird sich zeigen.

In jedem Falle freue ich mich über dieses Stück Anarchie, gemütlicher über eine Straße zu schlendern als früher. Ich freue mich auf die Pläne der Städte, den Fahrrädern und Fußgängern wieder mehr Raum zu verschaffen und die Dominanz der Autos und LKWs im urbanen Lebensraum zu brechen.

Ich bin gespannt, was sich die Autobosse einfallen lassen, um den Kanibalismus möglichst lange hinauszuzögern.

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