Was tun, wenn es ungemütlich wird?

Menschliches Verhalten wird nicht von Bedingungen diktiert, die der Mensch antrifft, sondern von Entscheidungen, die er selbst trifft. Dem Menschen ist es möglich, zu äußeren Gegebenheiten und inneren Zuständen Stellung zu beziehen, sich so oder so einzustellen, sich so oder anders zu verhalten! .“

Dieses Statement muss man wirklich einmal eine Weile wirken lassen……

Der Autor dieser Zeilen:  Viktor Frankl.
Sein Erfahrungshintergrund:  Insasse in Auschwitz – Familie wurde von Nazis ermordet – weltbekannter Psychotherapeut auf dem Feld der Sinnfindung (Logotherapie).

Sein Buch „Man’s Search for Meaning“ zählt in den USA zu den 10 einflussreichsten Büchern aller Zeiten.

Aber was heißt dieses Statement nun für uns Führungskräfte?

In erster Linie ist es eine Absage an alle Manager, die sich von äußeren Umständen frustrieren lassen und zu reaktivem Verhalten neigen.

Denn konkret übersetzt heißt der Satz von Viktor Frankl:  „was auch immer „Schlimmes“ passiert, Du bist nicht Opfer der Umstände.  Du musst nicht jammern.  Jeder von uns kann seine Haltung zu den Umständen frei wählen. Wir haben immer die Wahl“.

Wenn ich über dieses Thema rede oder schreibe, dann fallen mir viele Workshops mit Führungskräften aus dem mittleren Management ein, die häufig von viel innerem Frust und Lamentiererei geprägt sind.   Die Stimmung ist angespannt und die Kollegen beklagen sich offen über den schlechten Führungsstil von „denen da oben“ oder darüber, wie sprunghaft und unberechenbar mit ihnen umgesprungen wird.

Ach ist die Welt so schlimm und schlecht – und sie, die doch eigentlich nur einen erfolgreichen Job machen wollen, sind mittendrin und Opfer der Umstände.

Ich muss offen zugeben, dass ich dieses Verhalten immer weniger akzeptiere und tolerieren kann.

Natürlich bin ich kein Übermensch und es gibt genug Situationen in denen auch ich in die „Opferrolle“ verfalle und die Umstände beklage.  Zumindest so lange bis ich versuche meinen Einflusskreis zu nutzen und etwas an den Umständen zu verändern. Aber auch das war ein langer Entwicklungsprozess der bis heute nicht abgeschlossen ist – und wohl auch nie abgeschlossen sein wird.

Nur die Vorteile die man dadurch erfährt sind der Hit! Allein das Gefühl und die Erkenntnis, man ist eigentlich immer der Spieler und nicht der Ball der von anderen durch die Gegend gekickt wird, ist eine Erfahrung, die ich uns allen so oft wie es geht nur wünsche.

Und dieses wunderbare Gefühl kann man sich stets selbst generieren, wenn man es nur schafft, etwas inneren Abstand zu den Umständen zu finden und einen kleinen inneren Dialog mit sich zu führen, der dann so ähnlich laufen könnte wie „Komm runter Junge, was regst Du Dich auf. Schau was Du selbst im Einfluss hast und schöpf das aus!“

Dann kommt es z.B. immer häufiger vor, dass man eine Mail die man sonst gern aus Ärger über irgend etwas in die Welt verschickt hat nun nicht mehr verschickt, sondern sie in der „Entwürfe“-Box über Nacht liegen lässt. Und siehe da – am nächsten Morgen wirft man sie getrost und souverän in den Papierkorb und richtet mit seiner Emotionalität des Vortages keinen Schaden mehr an.

Wollen Sie es mit einem Chef zu tun haben, der jammert, sich ständig über die Umstände beklagt und die „Klagekultur“ auch noch anheizt, anstatt eine konstruktive Haltung einzunehmen und aus jeder misslichen Situation wenigstens versuchen das Beste zu machen?

Gute Führung beginnt genau hier – und nirgends sonst!

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