Sich selbst führen (Teil 1)

In den vielen letzten Wochen ging es meist immer darum, wie man andere Menschen möglichst erfolgreich führt. Dabei liegt die Grundlage für das Führen Anderer im der Fähigkeit sich selbst gut zu führen.

Eigentlich wollte ich diese Woche darüber schreiben, ob man in Sachen Führung etwas aus der Fussball-WM lernen könne. Vielleicht ja nächste Woche nach dem Endspiel.

Mir ist ein Thema heute viel wichtiger: nämlich selbst fit zu bleiben und das hat mit Selbst-Führung natürlich eine Menge zu tun.

Der Anlass für dieses Thema ist ziemlich akut, denn ein heftiger Fahrradsturz bei einer gemütlichen harmlosen Fahrradtour hat mir eine Schulter-OP, eine Gesichtsfraktur-OP, eine Augen-OP, sowie einen Hörsturz eingebracht. Mir ist das zum ersten Mal in meinem Leben passiert und zum ersten Mal bin ich auch mit unfreiwilligen Auszeiten konfrontiert.  So aus dem „Rennen“ genommen zu werden, während draußen vor den Fenstern der Klinik das Leben weiter rauscht, ist eine seltsame Erfahrung.

Wir werden nie ergründen, ob solche Vorfälle einem „tieferen Sinn“ folgen wie mein Nachbar mir immer wieder einreden möchte oder nicht. Ich habe mir angewöhnt, all das was einem passiert, als Tatsache zu akzeptieren und damit bestmöglich weiter zu leben. Wenn ich etwas in meinem Einflusskreis habe, dann werde ich das tun. Was außerhalb meines Einflusskreises liegt, werde ich in andere kompetente Hände geben und all die Dinge, für die es keine weitere Hilfe gibt, werde ich versuchen einfach zu akzeptieren.

In diesen erzwungen Auszeiten geht es natürlich viel um Fragen wie „wie konnte das passieren?“, „was hätte ich anders machen sollen?“ oder „was werde ich verändern?“.   „Werde ich überhaupt weiter Fahrrad fahren?“   Und schon merkt man, dass man in einem spirituellen Prozess verwoben ist.  In der Spiritualität geht es immer um Sinn-Fragen und die halte ich für elementar wichtig.

Sich die Sinn-Fragen zu stellen und sie sich in Ruhe selbst zu beantworten, ist für mich eine der vier wesentlichen Bausteine für den persönlichen Erfolg als Mensch und natürlich auch in der Rolle der Führungskraft.

In meinen Seminaren mit Führungskräften werde ich am Ende häufig gefragt, was ich denn persönlich für die elementarste Fähigkeit von guter Führung halte und für die Antwort muss ich nicht mehr lange nachdenken:   Die Säge scharf zu halten!  Also die 7. „Habit“ (Gewohnheit“) aus den bekannten „7 Habits of Highly Effective People“. 

Was ist damit gemeint?

Stellen wir uns folgende Situation vor: Ein Mann macht einen gemütlichen Waldspaziergang und so nach einer Stunde begegnet er einem Holzfäller, der gerade dabei ist, mit einer Säge einen Baum zu fällen. Unser Mann schaut dem Arbeiter eine Weile zu und dieser müht sich ordentlich ab.  Irgendwann sagt unser Mann zu ihm:  „Hey, wie wäre es, Sie schärfen mal Ihre Säge, dann geht es danach sicher besser!“.  Der Holzfäller hält kurz inne und ruft zurück  „Geht leider nicht, haben Sie mal gesehen, wie viele Bäume ich heute noch zu fällen habe? – ich hab leider keine Zeit dazu!“

Wir kennen die Botschaft dahinter alle nur zu gut. Wir wissen, wie wichtig es ist, sich Zeit für die eigene Fitness zu nehmen, aber die täglichen Dringlichkeiten haben meist mehr Überzeugungskraft und so passiert es, dass die eigene Säge stumpfer und stumpfer wird.

Das ist an Idiotie ja eigentlich nicht zu übertreffen – finden Sie nicht? Man benötigt Ressourcen für die ständig neuen Ergebnisse die man zu liefern hat, kümmert sich aber zu wenig darum, diese Ressourcen immer wieder zur Verfügung zu haben.

Beim „Säge schärfen“ geht es aber um 4 Dimensionen:

  1. PHYSISCH:   Ich kenne eine Menge Menschen, die sind so beschäftigt, dass sie keine Zeit haben, sich um ihre körperliche Fitness und Gesundheit zu kümmern. Ihre physische Säge wird stumpf. Die Konsequenzen langfristig sind klar.
  2. MENTAL:     Ich kenne eine Menge Menschen, die sind so beschäftigt, dass sie keine Zeit haben, sich ihren Horizont durch Lesen, Lernen, Erfahren, out-of-the-box-Erlebnisse zu erweitern. Sie bleiben im Dunstkreis ihres beschränkten Wissens und Bewusstseins. Ihre mentale Säge wird stumpf.  Die Konsequenzen langfristig sind klar.
  3. SOZIAL:      Ich kenne eine Menge Menschen, die sind so beschäftigt, dass sie keine Zeit haben, sich um ihre wichtigsten Beziehungspartner im Leben – sei es privat oder beruflich – zu kümmern.  Das persönliche Netzwerk wird brüchig. Ihre soziale Säge wird stumpf. Die Konsequenzen langfristig sind klar.
  4. SPIRITUELL:   Ich kenne eine Menge Menschen, die sind so damit beschäftigt schnell eine Leiter hochzurennen, aber sich nie die Zeit nehmen einmal zu überprüfen, ob diese Leiter auch tatsächlich an der richtigen Wand steht.  Sie stellen sich  zu selten die Sinn-Fragen.  Ihre spirituelle Säge wird stumpf. Die Konsequenzen langfristig sind klar.

Welche der 4 Dimensionen halten Sie persönlich für die Wichtigste?

Diese Frage wird in den Seminaren immer wieder diskutiert und man kommt auf kein eindeutiges Ergebnis.

Langfristig gesehen sind alle 4 Dimensionen gleich wichtig.

Stellt sich für uns gute Führungskräfte nur die Frage:

Nehmen wir uns tatsächlich ausreichend Zeit und Kapazität, um alle 4 Dimensionen unserer persönlichen Säge auch scharf zu halten?

Uns ist allen klar, dass es absolut absurd ist, es nicht zu tun.  Und auch hier trennt sich die Spreu vom Weizen im Hinblick auf „die wirklichen Guten“!

Haben Sie schon einmal mit einem Chef zu tun gehabt, dessen Säge in einigen oder gar allen Dimensionen stumpf ist?.  Der häufig müde ist, weil er viel zu viel arbeitet und zu wenig auf körperliche Fitness achtet – oder der so im operativen Geschäft versinkt, dass er schon lange kein Seminar zur Weiterbildung mehr besucht hat – oder der seine Familie und Freunde nur noch vom Hören/Sagen kennt – etc.?

Aber was die anderen tun oder nicht spielt hier überhaupt keine Rolle.

Es zählt einzig und allein die Tatsache, was Sie selbst dafür tun, um Ihre persönliche Säge scharf zu halten.

Meine physische Säge ist im Moment sehr stumpf und meine Möglichkeiten „da draußen“ etwas zu bewirken sind temporär eingeschränkt.

Aber diese erzwungene Auszeit gibt mir auch Gelegenheit die soziale, die mentale und die spirituelle Säge wieder zu schärfen und das gibt mir auch wieder Kraft und Zuversicht auf das was ich noch alles an Projekten mit anderen und all meine Klienten vor habe.

Wenn Sie das Thema des „Säge schärfens“ vertiefend interessiert, dann empfehle ich Ihnen folgendes praktisches Arbeitsbuch: Workbook, oder sie melden sich bei einem der offen 7-Wege-Seminare an. <link>

Um die Kunst des „Sich-Selbst-Führens“ zu lernen, kenne ich kein besseres Programm bislang.

Und vielleicht sind Sie ja auch Fussballfan und bewerten die Erfolge der Teams auch im Hinblick auf die Leistungen ihrer Trainer. Das ist wirklich nicht uninteressant.

Bis nächste Woche!

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