Vertrauensregel No. 14: Am Beispiel Horst Seehofer

Es gibt viele mögliche Gründe, warum Menschen in Führungspositionen kommen.  In den meisten Fällen gibt es genau einen Grund, warum sie ihre Führungsposition wieder verlieren: sie liefern keine Resultate!

Wir reden im Rahmen von „Vertrauen schaffen“ insgesamt von 14 individuellen Möglichkeiten gegenüber anderen Menschen Vertrauen aufzubauen.  Ich gebe der Regel „Resultate erzielen“ bewusst die abschließende No. 14, weil sie aus meiner Sicht die größte individuelle Kraft besitzt von allen. Last but not least!

Die Welt ist voller Hoffnungen und Versprechungen.

Die Politiker tun es spätestens in den Wahlkämpfen, die eigenen Kinder tun es, wenn sie mal wieder schlechte Noten mit nach Hause bringen und Stein und Bein schwören, dass sie sich im nächsten Schuljahr auf den Hosenboden setzen, die Chefs tun es, wenn sie Führungskräfte oder Fachkräfte austauschen oder neu besetzen, immer in der Hoffnung: „der oder die wird es schon richten“, wir alle tun es in unseren Business-Funktionen, wenn wir die Jahresziele in Empfang nehmen und munter davon ausgehen, dass wir das schon irgendwie hinbekommen.

Wochen und Monate später bekommt jeder dann eine Bilanz vorgelegt:  entweder von den Wählern, oder vom nächsten Zeugnis, oder von den Betriebsergebnissen.

Würde es eine Studie über die Bilanz all dieser Hoffnungen und Versprechungen geben, ich glaube, sie käme zu sehr ernüchternden Ergebnissen.

Die jüngste Lachnummer die mir zum Thema „Resultate liefern“ einfällt, Weiterlesen

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Manchmal wird mir schlecht….

Beim Lesen von Nachrichten oder Berichten über Auswirkungen schlechten Managements wird mir meist dann übel, wenn ich mir gleichzeitig  dann die passenden Unternehmenswebseiten dazu anschaue. 
So jüngst geschehen im Fall der insolventen Firma IMTECH.

Das sind dann so Momente, in dem mir in der Rolle eines Unternehmensentwicklers sich ein temporäres Gefühl der Sinnlosigkeit einschleicht, weil alle Unternehmen mittlerweile gerade auch durch Leute wie uns „gelernt“ haben, was zu einem großartigen Unternehmen eben so dazugehört und dies auch entsprechend werbewirksam auf den Webseiten präsentiert (Ergebnisse, Erfolg, Werte, Philosophie, Vision, Partnerschaft (da ist es wieder, das verdammte Wort…))

Zum Hintergrund:  IMTECH ist hauptverantwortlich u.a. für den Bau der berühmt-berüchtigten Entrauchungsanlage am neuen Berliner Flughafen samt Verlegung Millionen Kilometer von Kabeln — beides einer der Hauptgründe für das Totalversagens diesen deutschen Vorzeigeprojekts.

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Der FC Bayern München – auf ewig an der Spitze? (Teil 2)

Als ich den ersten Teil im Februar 2014 beendete, war ich skeptisch….  und ich bin es leider immer noch!

Was mache ich mir hier eigentlich Gedanken? Die Bayern sind in der Zwischenzeit zweimal überlegen Deutscher Meister geworden und sind zweimal ins Halbfinale der Champions-League  und des deutschen Pokals gekommen. Also jetzt mal piano könnte man sagen.

Aber bevor ich meine weitere Skepsis begründe kurz ein paar Worte, warum gerade der Fussball für mich eine herrliche Plattform für unsere Führungsthemen sind:

  • Es gibt verschieden Ligen in denen man spielen kann.  Das gibt es im Business ganz genauso – nehmen wir z.B. die 30 DAX-Unternehmen oder die TOP 3 Unternehmensberatungen.
  • Es geht immer um Ergebnisse von Mannschaften, die im Wettkampf mit anderen Teams errungen werden müssen.  Das ist im Business genauso – in einem Markt treten ständig Unternehmen gegeneinander an und es gibt die jährlichen Gewinner und Verlierer.
  • Der primäre Fokus liegt auf der aktuellen Spielzeit – der dauerhafte Erfolg ist zwar wünschenswert und jeder will ihn, aber in Wahrheit fokussiert man sich immer von Saison auf Saison.  Im Business mit den Geschäftsjahren  ist das praktisch gleich.
  • Die (Männer)-Welt starrt Woche für Woche auf die aktuelle Tabelle als quasi einzig selig machende Referenz über Erfolg und Misserfolg.  Mit dem täglichen Starren auf die DAX-Entwicklung in allen Medien ist das nicht anders
  • Der Erfolg ist nur schwer kalkulierbar und selbst die besten Kicker treffen mal den Pfosten.
  • Der Erfolg der Mannschaften wird primär an der Rolle der Trainer festgemacht. Im Business sind es die Geschäftsführer und die CEO’s.  Alle drei Rollen sind die wichtige Führungsaufgaben und in ihrer Halbwertszeit was die Verweildauer in den Jobs angeht, gut miteinander vergleichbar.

Der FC Bayern München bleibt auf weiteres das Aushängeschild des deutschen Spitzenfussballs – daran würden auch 2-3 schlechtere Jahre nichts ändern.  Aber wie sieht es in zehn Jahren aus?  Das ist die Frage, die mich etwas umtreibt…

Der große Vorteil der Bayern ist im Moment, Weiterlesen

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Es geht doch…

Johann Wittmann kann stolz auf sich sein!

Der Mann ist 62 und wird sicher wieder bald aus den kleinen Schlagzeilen verschwinden.  Drei Jahre noch und dann ist Schluß. Dann verabschiedet er sich in die wohlverdiente Rente.  Das nächste Großprojekt das er noch hätte stemmen können wird wohl erst in zehn Jahren realisiert werden. Zu dem Zeitpunkt ist er – so Gott will – nur noch Benutzer seiner Werke.

Johann Wittmann hat Bemerkenswertes geleistet.  Er hat die letzten drei großen Tunnelprojekte am Münchener Mittlernen Ring als Bauleiter verantwortet.  Und was soll man sagen:  Jedes Projekt, selbst das jüngste Megaprojekt, die Untertunnelung des Luise-Kieselbachplatzes an der Autobahnauffahrt nach Garmisch, ist erfolgreich zu Ende geführt worden:  Früher als vorgesehen und günstiger als budgetiert — und das bei mehrjährigen Bauzeiten und Millionenbudgets.

Das muss man dem Mann erst einmal nachmachen!

Anlässlich seines jüngsten Coups gibt es viele Gazetten, die ein Interview mit ihm führen wollen, doch Wittmann wiegelt ab. Ihm liegt die öffentliche Bühne nicht – die überlässt er lieber den Politikern, die sich nun im Glanze des Erfolgsprojekts gern vor die Kameras stellen.  Irgendwo in den hinteren Reihen wird er stehen und sich seinen Teil denken.

Fragt man sein Umfeld nach seinem Erfolgsrezept, so sind dies:   Weiterlesen

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Rohrkrepierer

Großbritannien hat heute verkündet, dass sie keine finanzielle Unterstützung für das neue Hilfspaket an die Griechen leisten werden, mit dem Beisatz „Das ist ein Rohrkrepierer!“

Die Haltung der Briten gefällt mir insofern, weil die Wahrscheinlichkeit, dass sich die gefundene jüngste Lösung in dieser unsäglichen Auseinandersetzung tatsächlich als Rohrkrepierer herausstellt, extrem hoch ist.  Das hat plausible Gründe.

In meinem Berufsleben trifft man immer und immer wieder auf ein großes Wort, welches mit P anfängt und mit artnerschaft aufhört. So sehr ich die Bedeutung dieses Wortes liebe, so sehr verabscheue ich mittlerweile die Verwendung dieses Wortes in der Wirtschaft und in der Politik.

Es gibt ein wirklich bedeutendes Unternehmen in Österreich, welches sich erlaubt, einen ihrer drei Kernwerte „Partnerschaft“ zu nennen. Das sieht dann konkret so aus, dass man nach über zehn Jahren erfolgreicher Projektzusammenarbeit mit diesem Unternehmen eines Tages einem Einkäufer gegenüber sitzt, der einem kalt lächelnd verkündet (nachdem man mit seinem 3-köpfigen Projektteam bereits auf Vertrauensbasis drei Monate Prozessoptimierungsarbeit geleistet hat) „Herr Maron, entweder Sie reduzieren Ihre Tagessätze um 50%, oder sie können die Bezahlung der letzten drei Monate Ihres Teams vergessen.“

Oder nehmen wir das Thema „IT-Outsourcing“ – das Business mit dem ich groß geworden bin. Da sitzt man sich mit dem Kunden gegenüber und redet ständig von Partnerschaft, während in unseren Anbieter-Köpfen nur Worte wie „großer Umsatz bei viel Profit auf Dauer“ etc. umherschwirrten, und unser Kunde so Dinge wie „Kosteneinsparung bei höherer Qualität“ etc. im eigentlichen Sinn hat. Der alte bekannte Unterschied zwischen VERHANDLUNGSPOSITION und TATSÄCHLICHER ABSICHT. (Anmerkung: nach über 10 Jahren im Outsourcing-Business habe ich viele Outsourcing-Deals erlebt, aber niemals eine gegenseitig befruchtende Partnerschaft)

Wir Menschen lügen angeblich permanent – so auch in Verhandlungen im Business. Alle wollen Partnerschaften, weil man weiß, dass sie auf Dauer besser sind, als alleine zu werkeln – aber wir wollen immer nur einseitig die Vorteile daraus ziehen und sind nicht bereit, den Preis für eine gute Partnerschaft zu zahlen. Weiterlesen

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Der Versuch einer Definition

Gibt es den Unterschied zwischen Management und Führung?

Die Frage ist gar nicht so klar zu beantworten, denn v.a. der Begriff des „Managements“ wird überlicherweise viel breiter verstanden, als der Begriff der „Führung“.

Noch nie habe ich in den Führungsseminaren erlebt, dass jemand den Begriff „Leadership“ mit dem üblichen Tagesgeschäft in Zusammenhang gebracht hätte.  Auf der anderen Seite, gibt es viele, die im Begriff „Management“ viele der eigentlichen Führungsaspekte abgedeckt sehen.

Die regelmäßigen Leser des Blogs werden wissen, dass ich persönlich die Definition von Peter Drucker übernommen habe:  „You Manage Things, and things don’t have the power to choose — but you lead people, and they have the power to choose“.

Wir müssen tagtäglich viel managen – sprich organisieren:  unsere Projekte, unsere Budgets, unsere Logistik, unsere Aufgaben, unsere Ressourcen etc. pp —  und es gibt wahrlich viele (auch gute) Manager auf dieser Welt.

Aber wie viele gute Führungskräfte gibt es dazu im Vergleich?

Jedenfalls habe ich noch niemanden getroffen, der behaupten würde, es gäbe mehr gute Führungskräfte als Manager – und dieser Einschätzung schließe ich mich nach den Erfahrungen der letzten 25 Jahre unumwunden an.  In der Zeit vor meiner Selbstständigkeit hatte ich 8 Chefs. Davon würde ich gerade einmal zwei als wirklich gute Führungskräfte betiteln.  Bei ihnen konnte man sehen, wie die Welt um sie herum sich positiv entwickelte, incl. meiner eigenen Person, wofür ich ihnen ewig dankbar bin.  Die anderen 6 waren brauchbare Manager – mehr aber auch nicht.

Warum so wenig Manager sich zu großartigen Führungskräften entwickeln, kann auch damit zu tun haben, dass den meisten gar nicht wirklich klar ist, was Führung eigentlich heißt.  Ich habe in den letzten Jahren viele Definitionsansätze gelesen und interpretiert – aber seit dem Ereignis mit Jon Stewart und dem Leserkommentar damals bei YouTube, hat sich meine Definition von Führung im Moment auf folgende Aussage festgelegt:

Leadership bedeutet…
„…eine realistische Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu generieren und diese mit dem vollen Engagement der Menschen umzusetzen“

Wie viele der Manager können das von sich behaupten?

Muss man dafür geboren sein?

Nein – das kann man wirklich alles lernen…

…sofern man das Interesse hat, als eine wirkliche Führungskraft in Erinnerung bleiben zu wollen…(und davon gibt es leider auch weniger, als diejenigen, denen es nur um Status und ihre Statussymbole geht)

Was ist Ihre Definition von Führung?

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Glaube – oder die Geschichte des Mädchens mit der roten Jacke

Gestern beim Frühstück mit meiner Tochter hatte ich mal wieder einen sehr emotionalen Moment. Wir unterhielten uns über unseren geplanten Urlaub, als plötzlich von meiner Zufallsplaylist das Musik-Thema von „Schindlers Liste“ erklang.  (hier zum Anhören)

Es gibt für mich keinen bewegenderen Film als dieses Meisterwerk von Steven Spielberg und es gibt kaum eine gelungenere Filmmusik dazu, als die von John Williams.

Es gibt in dem Film eine Schlüsselszene, die sich sofort vor meinen Augen abspielte. Die Kamera betrachtet von einem Hügel aus, wie das Ghetto von Krakau von den Juden gesäubert wird. Der Film ist in schwarz-weiß, und bei all dem unsäglichen Nazi-Chaos das man in anderen Filmen schon hundertfach gesehen hat, läuft plötzlich ein kleiner roter Punkt durch die Straßen. Die Kamera fährt näher an den Punkt heran und es ist ein vielleicht 4 jähriges Mädchen mit roter Jacke, das verängstigt umherläuft.  Sie wird kaum beachtet von den Schlächtern und flieht in einen Hauseingang. Sie stapft tapfer alleine eine Treppe hinauf, geht durch eine offene Wohnungstür ins Innere der Wohnung und kriecht unter ein Bett. Es ist ihre Zuflucht und da liegt sie auf dem Bauch – hält sich die Ohren zu und die Tränen laufen aus den riesigen Kindsaugen über ihr verängstigtes Gesicht.

Eine Stunde später im Film ist der Kommandant von Krakau von oberster Stelle aus angewiesen, die vergrabenen Leichen des Massakers wieder auszugraben und samt und sonders zu verbrennen. Ein Leiterwagen nach dem anderen mit Leichenstapeln fährt durchs Bild, während Oskar Schindler mit Amon Göth, dem Lagerleiter die nächsten Aktionen bespricht.  Auf einem der Leiterwägen lugt eine rote verschmutzte Jacke hervor und spätestens an dieser Stelle, kann ich meine Emotionen nicht mehr unterdrücken.

„Was tun sich Menschen nur gegenseitig an?“ „Warum sind sie zu so etwas in der Lage?“

Das waren die beiden Fragen, die ich am Frühstückstisch dann gerade so hervorbrachte. Dabei fielen mir sofort zwei weitere aktuelle Beispiele an:  der Terroranschlag am Strand in Tunesien und der Anschlag auf die baptistische Kirche  in Charleston.

„Warum tun Menschen das?“

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Vertrauensregel Nr. 8 – am Beispiel Jon Stewart

Sie kennen Jon Stewart nicht?  Dann sollten Sie ihn sich hier einmal anschauen <videolink> bevor Sie weiterlesen!

Ich kann mich noch erinnern an den Tag vor über 13 Jahren, an dem ein Seminarleiter an uns Teilnehmer eine Frage richtete, die da lautete:  „Was fehlt Euch in dieser Welt am meisten?“

Ich brauchte eine kleine Weile, bis mir zwei Dinge in den Kopf kamen, die auch heute noch  kämen, würde man mir dieselbe Frage stellen. Nämlich – WEITBLICK und FREUDE.

Der Grund ist einfach:  ich sehe viel zu viele Menschen (insbesondere Führungskräfte), die  viel zu kurzfristig denken und agieren. Ziele werden immer kurzfristiger. Quartalsdenken. Visionen sind out-of-fashion.  Und Freude gibt es auch viel zu selten. Es herrscht zu viel Stress und Angst und die wird kompensiert durch Spaßaktivitäten. Doch Spaß ist etwas völlig anderes als Freude!  Freude geht viel tiefer. Wenn man sich freut, dann geht so richtig das Herz auf.  Wenn die Tochter ihre ersten Schritte macht. Oder am Meer einen Sonnenuntergang mit seinem liebsten Menschen im Arm zu erleben. Oder ein Buch zu lesen, was den Horizont erweitert.  Mit Spaß hat das nichts zu tun – weil viel zu oberflächlich.

Heute nach über 13 Jahren kommt bei dieser Frage noch ein dritter Wert hinzu:  VERTRAUEN.

Wer diesen Blog regelmäßig lesen sollte, der wird natürlich feststellen, dass dies für mich ein ganz elementarer Baustein im Leben und gerade in der Welt guter Führung ist.

Das erste bemerkenswerte Buch zu diesem Thema stammt vor Jahren von Reinhard Sprenger und heißt „Vertrauen führt“.  Er war – im deutschsprachigen Raum in jedem Fall – der erste, der meines Wissens griffig und überzeugend diesen Erfolgsfaktor schlechthin beschrieben hatte.  Das zweite Buch was es an dieser Stelle zu erwähnen gilt, ist „Schnelligkeit durch Vertrauen“ – geschrieben vom Sohn von Steven R. Covey.
Ich werde immer mal wieder gefragt, warum ich so viel mit den Covey-Sachen mache und der Grund ist immer noch der selbe wie vor 13 Jahren: weil es auf der Welt keine andere Organisation gibt, die so konsequent und professionell versucht, Vertrauen und gute Führung in diese Welt zu tragen wie FranklinCovey.

Sie werden sich nun fragen, warum das Thema heute „Regel No.8“ heißt.

Durch das Buch Weiterlesen

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Ist die Säge stumpf, ist der Weg zum Opfer nicht weit…

Sie sind unter uns. Es gibt sie. Sie tragen sogar Anzug und Krawatte und sie gelten eigentlich als die Stützen ihrer Unternehmen:  die nicht unerhebliche Zahl an „Opfern“ in der Riege der Management-Etage.   Sie sind in meiner Rolle schnell zu entdecken: sie sitzen als mittlere Manager entweder gefrustet oder angriffslustig in Seminaren und beschweren sich hörbar während der Mittagessen entweder über die unfähigen Vorstände oder über die unfähigen Management-Berater, die mal wieder angeblich unnötigerweise das Unternehmen auf den Kopf stellen.

Sie sind unter uns. Es gibt nämlich noch welche! Sie tragen auch Anzug und Krawatte und gelten erst Recht als die Stützen ihrer Unternehmen: die Opfer in der obersten Führungsriege eines Unternehmens. Sie sind auch schnell zu entdecken: sie sitzen mit Dir beim Mittagessen oder in Einzelcoachings und jammern über die schlechten Ergebnisse und die Unfähigkeiten ihrer mittleren Manager und der Belegschaft. Sie lamentieren über die Marktentwicklung und darüber, dass sie niemanden mehr haben, der sie in ihren Problemen versteht.

Opfer sind wohl überall in den Unternehmen – und das macht sie wohl nicht sonderlich erfolgreicher….

Nun ist das mit der Opferhaltung ja so eine Sache. So ganz kann man sich ja nicht davon freisprechen.

Gerade letzte Woche war ich wieder Opfer pur. Jedenfalls habe ich meiner spontanen Enttäuschung freien Lauf gelassen und absolut destruktiv gehandelt.  Was war passiert?

Zu meiner Ehrenrettung muss ich vorausschicken, dass das Drama schon am Vorabend begann. Ich liebe es, abends nach einem Seminartag eine Runde Klavier zu spielen – natürlich nur sofern das Seminarhotel auch ein funktionsfähiges Instrument zur Verfügung hat.  Gestern hatten sie — aber — ich durfte nicht!  „Nein – das ginge nicht“, verriet mir der Concierge, „das sei das einzige Stück in diesem Hotel, das der Hotelmanagerin gehören würde. Sie wäre nicht da und er dürfe niemanden ranlassen“. Das war ein herber Schlag für meinen Stolz. Wenn die beiden nur wüssten, wie ich meinen eigenen Flügel zu Hause hege und pflege – aber nein – der Mann traute seinem Gast nicht über den Weg.  (Dass ich den ganzen Tag über den Wert von „Vertrauen“ referiert hatte, konnte er natürlich nicht ahnen…)

Am nächsten Morgen also schickte ich – wie ich das häufig tue – eine Bitte zum Ausdrucken eines Dokuments für meine Seminarteilnehmer per E-Mail an die Rezeption.  In freudiger Erwartung ging ich kurze Zeit später dort hin und fragte die nette Dame (die mich wegen eines Telefonats ewig lange warten ließ) nach der Fertigstellung der Ausdrucke. Sie verdrehte die Augen und gab mir mit knappen Worten zu verstehen, dass sie leider nicht befugt wäre, die E-Mails einzusehen – ihr fehle das notwendige Passwort.

Da war es dann um meine Geduld geschehen und ich machte aufgebracht am Absatz kehrt und zeigte der armen Dame mit meiner Körpersprache sehr deutlich, welch Leid sie gerade über mir ausgekippt hatte.

Opfer sein ist wahnsinnig einfach. Es gibt uns für den Moment auch eine unheimliche Erleichterung, wenn man sich herrlich über den Unbill des Lebens emotional auslassen kann.  Das Dumme: helfen tut das nun mal gar nichts.

In diesem Fall hatte ich keine Ausdrucke für meine Übung, hatte schlechte Laune, die sich Gott sei Dank nicht im Seminar niederschlug und die Dame der Rezeption hat sich sicher auch nicht gut gefühlt und ist vermutlich nicht sonderlich motiviert ihren nächsten Gästen entgegengetreten.

Wir kennen diese Zustände alle und machen das häufig an unserem Charakter fest.  Bei manchen Menschen scheint der Spalt zwischen Reiz und Reaktion von Natur her einfach enger zu sein, als bei anderen souveräneren Gemütern.

Aber einen Faktor übersehen wir leicht:  die Hemmschwelle zur destruktiven emotionalen Handlung wird erheblich niedergedrückt durch unsere Unfähigkeit, uns Zeit zum Säge schärfen zu nehmen.

Wenn mich jemand fragt, auf was man sich konzentrieren sollte, um Zufriedenheit und Erfolg im Leben am ehesten abzusichern oder zu ermöglichen, dann ist es, seine „Säge scharf“ zu halten, wie das Stephen R. Covey in seinem Literatur-Klassiker sehr einprägsam genannt hat.

Das bedeutet, sich a)physisch (Körper, Gesundheit) , b) mental (Wissen),  c) sozial (wichtige Beziehungen und d) spirituell (ist das alles sinnvoll was ich mache) fit zu halten.

Es gibt immer wieder lange Diskussionen darüber, welche der vier Dimensionen eigentlich die Wichtigste sei.

Die Antwort: „Alle gleich – aber das spielt eigentlich keine Rolle, denn für das Säge schärfen nimmt sich sowieso so gut wie niemand ausreichend Zeit…“

Dabei ist das Unterlassen einer scharfen persönlichen Säge der sicherste Weg in die Opferhaltung.

Die These ist einfach:

  • wenn ich körperlich schlecht beieinander bin (wenig geschlafen, schlecht gegessen, wenig Sport gemacht etc.) bin ich definitiv gereizter.  Die Hemmschwelle zur emotionalen Reaktion ist wesentlich niedriger.
  • wenn ich nicht dazu komme, mich mental weiterzuentwickeln und meinen Horizont zu erweitern, sondern immer nur im gleichen Saft schmore, werde ich früher oder später dünnhäutiger, denn ich spüre unterbewusst, dass ich langsam den Anschluß an die Entwicklungen um mich herum verliere.
  • wenn ich wegen Zeitmangel nicht dazu komme, die Beziehungen zu den wichtigsten Menschen in meinem Leben – sei es privat wie beruflich – nicht in Schuss halten zu können, werde ich dünnhäutiger und emotional angreifbarer für die Störfeuer aus dem Alltag
  • und nicht zuletzt,  wenn ich das Gefühl habe, dass die Leiter auf der ich gerade hochmarschiere an der falschen Wand steht, dann macht mich das im täglichen Wirbelwind auch nicht gerade souveräner.

Zusammengefasst:  ist die Säge stumpf, ist der Weg zum Opfer nicht weit.

Dabei ist das Säge schärfen in allen vier Dimensionen vollständig in unserem persönlichen Einfluss!

Was will man eigentlich mehr??? Da ist ein großer Hebel zu mehr Zufriedenheit und kaum einer nutzt ihn!!

Warum nicht?    Ach ja, da war doch was..   ——  „ich hab ja keine Zeit!“  und   „sich aufregen ist ja zudem so schön leicht!“

Wie konnte ich das jetzt nur wieder übersehen?  Entschuldigung meine Leser. War nur so ein netter Gedanke.

Gehen wir lieber wieder Feuer löschen und uns in langweiligen Meetings anöden und dabei nebenbei unwichtige E-Mails bearbeiten…

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Ist die Produktivität über Technologie weiter steigerbar?

Ich oute mich heute mal wieder!  Seit gestern trage ich eine Apple Watch an meinem Handgelenk und erwarte natürlich, dass sie mein Leben völlig zum Positiven entwickelt! Nach einem Tag lässt sich schon sagen: Das wird wohl nix! 

Technologie ist im Grunde immer ein Heilsversprechen. Zweifellos haben viele Technologien unglaubliche Produktivitätsschübe vollbracht. Ich wohne auf dem Land und kein Mensch käme mehr auf die Idee, die großen Wiesen noch mit einer Sense zu bearbeiten. Vielmehr beobachte ich Riesen-Trecker, die binnen zwei Stunden Riesenareale  an Wiesen wie einen englischen Rasen sauber abmähen.

Das ist Produktivitätszuwachs in Reinkultur. Was früher 10 Leute in 3 Tagen geschafft haben, schafft heute ein einzelner Mensch in zwei Stunden. Von der automatischen Nachbearbeitung mal ganz zu schweigen.

Den ersten Produktivitätsschub gab es vor ca 300 Jahren mit der Fortentwicklung vieler Werkzeuge.  Den zweiten riesigen Produktivitätsschub gab es mit der Industrialisierung und der Einführung von Maschinenbau (Incl. Fahrzeuge) und Elektrotechnik.  Die dritte große technische Revolution vollzieht sich mit der Mikroelektronik und der vollständigen Digitalisierung unserer Welt.

Doch wird diese dritte Phase einen ähnlichen Produktivitätsschub nach sich ziehen, wie die beiden Phasen zuvor?

Das ist bis dato wohl eindeutig mit NEIN zu beantworten.  Im Gegenteil. Alle Produktivitätsstudien in den Industrieländern der letzten Zeit zeigen eher einen Trend nach unten (!) – und das schon seit über zehn Jahren.

Jetzt gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder der Riesenschub lässt einfach auf sich warten (auch die früheren Schübe haben Jahrzehnte zur wahren Entfaltung benötigt) – oder er wird einfach ausbleiben — zumindest solange nicht wirklich etwas gewaltig Neues entwickelt wird.   Die lieben elektronischen Helferlein scheinen zumindest in Hinsicht von Produktivität nicht sonderlich viel zu bewirken. Eher im Gegenteil.

Ein Spaßvogel hat in einem meiner Seminar einmal gesagt, Beethoven hätte vermutlich niemals eine Symphonie zu Ende gebracht, wenn er damals schon ein Smartphone gehabt hätte.

Manager verbringen heute statistisch zwischen zwei und vier Stunden täglich mit E-Mail-Bearbeitung. Und jeder dieser Produktivitätsstreber weiß im Grunde genau, dass über 80% aller E-Mails unwichtig sind.

Der limitierende Faktor für die Produktivitätszuwächse ist wohl unser Gehirn. Es ist entweder noch nicht angepasst – oder gar nicht fähig – sich in dem Digital-Dschungel effektiv zurecht zu finden. Im Grunde sind wir alle überfordert und gar nicht in der Lage, die Möglichkeiten, die sich hier eröffnen, produktiv zu nutzen.

Produktivität geht einher mit dem Glauben, „mit weniger Einsatz die Ergebnisse schneller und einfacher zu erreichen“.   Es ist schon paradox. Denn die Digitalisierung macht Informationsflüsse tatsächlich schneller und trotzdem bleiben die messbaren Effekte aus.

Ein Brief brauchte früher 2-3 Tage bis zur Zustellung. Heute geht das in Sekundenbruchteilen. Dafür überschwemmen wir uns mit schnellen Mails und What’s App Nachrichten und machen die Vorteile alle wieder zunichte.

Eigentlich ist das lustig – finden Sie nicht auch?  Wie gewonnen – so zerronnen.  Das scheint eines der Grundgesetze dieser Welt und Natur zu sein.

Dabei liegt das Potential zur Steigerung der Produktivität Weiterlesen

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